Politik

E-Zigaretten und E-Shishas: Bundestag für Abgabeverbot an Kinder und Jugendliche

Montag, 7. Dezember 2015

Berlin – Auf breite Übereinstimmung in den Fraktionen des Deutschen Bundestags stieß am Freitag der Gesetzentwurf zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Gefahren des Konsums von elektronischen Zigaretten und Shihas (Drucksache 18/6858). „Wir müssen Kinder und Jugendliche vor den gesundheitlichen Schäden schützen und setzen mit dem Gesetz ein Signal, dass E-Zigaretten und E-Shishas nicht harmlos sind, auch wenn sie nach Schokolode oder Mango schmecken“, sagte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) zur Begründung des Vorstoßes.

Der Gesetzentwurf sieht vor, die Abgabe- und Konsumverbote von Tabakwaren auf E-Zigaretten und E-Shishas auszudehnen. Sowohl in Geschäften als auch im online-Versandhandel, sollen die gesundheitsschädigen Produkte nicht mehr an unter 18-Jährige verkauft werden würfen.  Bislang handelt es sich bei E-Zigaretten und E-Shishas, bei denen sogenannte Liquids verdampfen, nicht um Tabakwaren im Sinne des Jugendschutzgesetzes, so dass die strikten Abgabeverbote hier nicht gelten.

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Auch nikotinfreie E-Zigaretten und E-Shishas  seien keinesfalls harmlos und sollten deshalb ebenfalls unter das Jugendschutzgesetz fallen, heißt es in dem Gesetzentwurf. Die Flüssigkeit besteht aus einem Gemisch verschiedener Chemikalien, wobei als Grundsubstanzen Propylenglykol und Glyzerin dienen; Aromastoffe wie Mango, Schokolade oder Vanillin werden zugemischt. Neue Studien des Bundesinstituts für Risikobewertung und des Deutschen Krebsforschungszentrums haben gezeigt, dass beim Dampfen von elektronischen Inhalationsstoffen Carbonylverbindungen, einschließlich Formaldehyd, Acrolein und Acetaldehyd entstehen, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

„Es führt kein Weg daran vorbei, nikotinhaltige und nicht-nikotinhaltige E-Zigaretten und E-Shishas online und offline für unter 18-Jährige zu verbieten, sagte der Abgeordnete Markus Koob, (CDU/CSU) in Übereinstimmung mit allen Parteien. Der Gesetzentwurf wurde an die zuständigen Ausschüsse überwiesen.  © pb/aerzteblatt.de

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Susanne Winkler
am Dienstag, 8. Dezember 2015, 10:21

Herrlich

Dass nikotin-, aber auch nichtnikotinhaltige E-Zigaretten nicht an unter 18-Jährige verkauft werden sollten, da sind wir alle einer Meinung. Aber so, wie dieser Text geschrieben ist (wie auch alle anderen zum gleichen Thema), hört es sich an, als würde die E-Zigaretten-Industrie Kinder von der Straße wegschnappen, E-Zigaretten verteilen und die Kleinen süchtig machen wollen. Mal ehrlich.
Tatsache ist, dass sich die E-Zigaretten-Industrie auch ganz gut selber reguliert hat, nämlich indem keine E-Zigaretten und keine Liquids an Minderjährige abgegeben werden. In Geschäften habe ich jedes Mal meinen Ausweiß zeigen müssen. Dass sich die Kontrolle Online schwieriger gestaltet, ist klar. Aber wo bleiben die Eltern mit ihrer Verantwortung hier eigentlich?
E-Zigaretten sollen nicht an Minderjährige verkauft werden, da sind wir Dampfer uns einig. Und das gerne auch per Gesetz. Dass aber schon allein die Vorbereitung dieses Verbotes Medien immer wieder veranlasst solche Tiraden zu schreiben, als ob die E-Zigaretten-Industrie es auf ihre Kinder abgesehen hätte, halte ich für Propaganda.
Dampfen ist für Minderjährige nicht attraktiv und schon gar kein Einstieg ins Rauchen. Wer dampft, der fängt nicht an mit Rauchen. Ich habe 10 Jahre lang meine Zigaretten geliebt und nun ekelt es mich vor Ihnen, eben dank der Aromen. Ich kenne keinen Dampfer, der freiwillig wieder zurückwechseln würde (und ich kenne keinen Dampfer, der vorher Nichtraucher war). Die Erstanschaffungskosten sind für Minderjährige mMn nicht tragbar. E-Zigaretten für 20€ gehen nach ein paar Wochen kaputt. Richtige Einsteigersets bewegen sich in einem Kostenrahmen ab 50€ aufwärts. Meine Derzeitige kostete mich 120€ und die habe ich gerne ausgegeben. Im Übrigen ist das lange nicht die Obergrenze. Als Jugendliche hätte ich mir das allerdings nicht leisten können. Zumal damals unsere Eltern noch aufgepasst haben.
Erwähnen möchte ich gerne noch, dass die Hauptkonsumenten von E-Zigaretten Erwachsene mittleren Alters sind. Seit 2011 befragt das größte deutsche Dampferforum seine Mitglieder, jedes Jahr sind die Jahrgänge 1965-69 am stärksten vertreten gewesen (und natürlich die vorherigen und folgenden Jahrgänge). Zum Vergleich: die Jahrgänge 91-93 mit 2,7% und 94-96 mit 1,4% in der letzten Umfrage. Macht es für die E-Zigaretten-Industrie also Sinn, sich an eine Zielgruppe zu wenden, die A kaum Kaufkraft besitzt und B nur einen winzigen Anteil ausmacht? Ich denke nicht. In den Online-Foren berichten tausende langjährige Raucher, nach einem Zigaretten-Konsum von 10, 20, 30 oder 40 Jahren und nach mehreren erfolglosen Versuchen mittels Ersatzprodukten oder Hypnose etc. nun endlich erfolgreich umgestiegen zu sein. Und sich Raucherhusten sowie andere Beschwerden verabschiedet haben. Schade, dass darüber nicht berichtet wird.
Und um auf den vorletzten Absatz zu kommen, in dem von krebsauslösenden Inhaltsstoffen berichtet wird: Diese wurden in Studien im Dampf nachgewiesen, in der die E-Zigaretten mit Strömen betrieben wurden, die weit jenseits der tatsächlichen Nutzung liegen. Denn mit so höhen Strömen schmecken die E-Zigaretten verbrannt und man könnte diesen beißenden Dampf gar nicht einatmen.
Wenn es darum geht Kinder und Jugendliche vor Gefahren zu schützen, warum wird dann die europäische Richtline zum Nichtraucherschutz so vehement von der deutschen Regierung ignoriert? Diese ist übrigens schon vor 12 Jahren beschlossen worden. Und bis heute ist Deutschland neben Bulgarien der einzige Mitgliedsstaat, der diese nicht vollumfänglich umgesetzt hat. Merkwürdig.
Der eigentliche Hintergrund dieser Studien und Propaganda ist doch, dass von ehemals 18 Millionen deutschen Rauchern heute schon mehr als 2 Millionen aufs Dampfen umgestiegen sind. Und das spüren Zigaretten-Industrie, Pharma-Industrie und der Staat deutlich. Und wo wir gerade dabei sind: Die Liquids auf Abgabemengen von 10ml zu beschränken hat nur eins zur Folge: viel mehr Umweltverschmutzung durch tausend und abertausend kleine Plastikfläschchen. Sehr gut durchdacht.
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