Politik

Sachverständigenrat empfiehlt eine teilweise Krankschreibung

Montag, 7. Dezember 2015

Berlin – Um die Krankengeldausgaben zu senken, sollen Ärzte Arbeitnehmer künftig auch teilweise krankschreiben können. Diesen Vorschlag machte der Sachverständigen­rat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Zwischen 2006 und 2014 waren die Krankengeldausgaben von 5,7 auf 10,6 Milliarden Euro angestiegen. Deshalb hatte das Bundesgesundheitsministerium ein Sondergutachten beim Sachver­ständi­genrat in Auftrag gegeben.

Mit einer teilweisen Krankschreibung könnten erkrankte Erwerbstätige ihrer Arbeit noch in Teilen nachgehen, erklärte der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Ferdinand Gerlach, heute bei der Präsentation des Gutachtens in Berlin. Dabei müssten die Krankenkassen nur einen Teil des Krankengeldes zahlen.

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Insgesamt legte der Rat 13 Empfehlungen zur Reduktion der Krankengeldausgaben vor. Unter anderem empfahl er, „in den besonders krankengeldrelevanten Indikations­bereichen der psychischen Erkrankungen und der Erkrankungen des Rückens die Effizienz von Präventionsangeboten und medizinischen Behandlungen zu verbessern“. Insbesondere bei psychischen Erkrankungen müsse der Zugang der Patienten zur Versorgung verbessert werden. Dafür sei die Bedarfsplanung mit Berücksichtigung regionaler Bedarfsunterschiede weiterzuentwickeln.

„Das Krankengeld ist keine Wohltat, sondern eine gesamtgesellschaftliche Leistung“
Zudem könne der Zugang zu psychotherapeutischer Versorgung durch geeignete Selektivvertragsmodelle mit Zugangsgarantien, Akutsprechstunden und schwere­fallabhängigen Honoraranreizen für ambulante Therapeuten erleichtert werden. Sinnvoll sei zudem die Etablierung gestufter Versorgungsmodelle, eines ambulantes Case-Managements sowie die Etablierung früher Erstkontakte.

Gerlach betonte, dass die Vorschläge des Rates nicht darauf zielten, das Krankengeld um jeden Preis zu drücken. „Das Krankengeld ist keine Wohltat, sondern eine gesamtgesellschaftlich sinnvolle Leistung, und die Versicherten haben einen Anspruch darauf, die Beträge zu erhalten“, betonte er.

Auch gestiegenes Einkommen führt zu Erhöhung der Krankengeldausgaben
Der Anstieg des Krankengeldes in den vergangenen Jahren sei nur in Teilen auf den Morbiditätsanstieg zurückzuführen, erklärten die Wissenschaftler. Zum anderen hätten auch das gestiegene Erwerbseinkommen sowie eine größere Anzahl an sozialver­sicherungspflichtigen Beschäftigten zu einem Anstieg des Krankengeldes geführt, wie der stellvertretende Vorsitzende des Rates, Eberhard Wille, erklärte. Letzteres seien Faktoren, die gesellschaftspolitisch durchaus positiv zu werten seien.

Der Sachverständigenrat übergab das Sondergutachten heute an Bundesgesund­heitsminister Hermann Gröhe (CDU). „Wir werden nun sehen, welche Empfehlungen wir uns zu eigen machen“, erklärte der Minister. © fos/aerzteblatt.de

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Machts Sinn
am Mittwoch, 16. Dezember 2015, 08:28

Diskussion und Symposium

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Prof. Dr. Sell fasst zusammen unter dem Titel:


100 Prozent Sozialabbau oder doch eine
innovative Durchbrechung des Entweder-Oder?
Zur Debatte über die Vorschläge einer Teil-Krankschreibung


http://aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de/2015/12/53.html]Aktuelle Sozialpolitik: 100 Prozent Sozialabbau oder doch eine innovative Durchbrechung des Entweder-Oder? Zur Debatte über die Vorschläge einer Teil-Krankschreibung


Das Symposium am 17.12.2015 dürfte ausreichend Aufmerksamkeit bekommen:

http://www.svr-gesundheit.de/index.php?id=562]SVR-Symposium 2015 - Ankündigung | Archiv | Aktuelles | svr-gesundheit.de

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Machts Sinn
am Montag, 14. Dezember 2015, 14:01

Gerlach rudert und rudert ....


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Gerlach rudert und rudert ...

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... und verstrickt sich immer mehr. Zunächst stellt er klar, dass die 4-stufige Teil-AU nicht der Einsparung diene und nun dies:

"Ich glaube, dass das ein gut durch dachter Vorschlag ist, der leider in der Öffentlichkeit noch nicht ganz verstanden wird. Das Modell gibt es in dieser Form in Deutschland schon, bisher allerdings erst ab der siebten Woche, wenn die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber endet und die Betroffenen Krankengeld von der Krankenkasse erhalten. In dieser Phase besteht nach dem sogenannten „Hamburger Modell“ die Möglichkeit zur schrittweisen Wiedereingliederung in den Beruf. Wir haben lediglich vorgeschlagen, dass dies zukünftig auch schon in den ersten sechs Wochen möglich sein sollte – aber nur im Einverständnis mit den Patienten, wenn es aus medizinischer Sicht sinnvoll ist und abhängig vom Beruf."

Fundstelle:
Montags-Interview - Nicht zu krank zum Arbeiten? (Frankfurter Neue Presse, 14.12.2015)
http://www.fnp.de/lokales/frankfurt/Nicht-zu-krank-zum-Arbeiten;art675,1750789

Alle Achtung vor soviel Sachverstand!

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Machts Sinn
am Sonntag, 13. Dezember 2015, 18:47

Die Selbstherrlichkeit des Krankengeld-Systems ...

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... erscheint für Versicherte im wahrsten Sinne des Wortes "fürchterlich".

Nachdem die "BSG-Krankengeld-Falle" weitgehend ausgedient hat, hier ein Produkt der "Gesetzgeber-Krankengeld-Falle" (seit 23.07.2015):

http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/barmer-in-oberhausen-zahlt-krankengeld-nicht-id11366484.html

Ein verantwortungsvoller - sozial-rechtlich orientierter - Gesetzgeber hätte diese Problematik vermieden und "die Lücke" mit einer Zahlungsunterbrechung - . R u h e n . statt . E r l ö s c h e n . - des Krankengeldes geregelt.

Und ein "echter Sachverständigenrat" wäre über die rechtliche Problematik der früheren "BSG-Krankengeld-Falle" ebenso wenig hinweg gegangen wie über die Nachfolge-Konstruktion.

Das ist aber längst nicht alles, vgl.

"Festschrift aus der Gegenperspektive oder Strafanzeige
60 Jahre BSG – 50 Jahre Deutscher Sozialrechtsverband e. V.
BSG-Krankengeld-Falle: sozialrechtliche Besonderheiten mit strafrechtlicher Relevanz?

http://up.picr.de/23419037ri.pdf

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Threshold
am Samstag, 12. Dezember 2015, 12:12

Sozialismus auf Wunsch des BDI?

Sweet. >Jetzt müßte nur noch die Haftungsfrage geklärt werden, wieviel der Austellende Arzt gedeckelt wird, wenn er es wagt eine 100% UA zu bescheinigen, wenn es doch 50% auch getan hätten?
Der "Sachverständigenrat", hätte sich lieber weiter seiner normalen Tätigkeit zuwenden sollen. Das die Kaffemaschine im Büro nicht trocken läuft, anstatt Sozialistische Optimierungsarien zu kreieren, auf Wunsch der Gesundheitsindustrielobby mit Dividendenphantasien.

Machts Sinn
am Mittwoch, 9. Dezember 2015, 22:23

Praxis vs. Theorie

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Könnte es sein, dass der jetzt hauptsächlich diskutierte Vorschlag des Sachverständigenrates nur ein Ablenkungsmanöver ist, um von übrigen Schwächen und Widersprüchen des Sondergutachtens gezielt abzulenken und andere Vorschläge quasi beiläufig ins Ziel zu bringen?

Wie die gestellten Fragen vom behandelnden Vertragsarzt auch beurteilt werden: der - dann auch für Renten- und Arbeitslosengeld-Angelegenheiten umorganisierte - MDK wird gerne behilflich sein, nach Aktenlage, nachträglich, rückwirkend.

dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 9. Dezember 2015, 20:10

"AU oder nicht AU" ist hier die Frage?

Der "Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen" besteht aus einem Allgemeinmediziner (Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach), einer Internistin (Prof. Dr. med. Marion Haubitz), einer klinischen Pharmakologin (Prof. Dr. med. Petra A. Thürmann), zwei Gesundheitswissenschaftlern (Prof. Dr. phil. Gabriele Meyer und Prof. Dr. rer. pol. Wolfgang Greiner) und zwei Gesundheits-Ökonomen (Prof. Dr. rer. pol. emiritus Eberhard Wille und Prof. Dr. rer. oec. Jonas Schreyögg) in den Bereichen VWL und Gesundheits-Management.
http://www.svr-gesundheit.de/index.php?id=5

Da für Kliniker eine teilweise Krankschreibung ihrer stationären Patienten eher eine contradictio in adjecto wäre, klinische Pharmakologen über AU-Vordrucke i. d. R. gar nicht verfügen und Gesundheitswissenschaftler ebenso wie Ökonomen gar nicht über die Erlaubnis bzw. Befähigung zur Ausübung der Heilkunde verfügen, bleibt bei den "Gesundheitsweisen" nur ein einziger übrig, der sich praxis-fundierte Gedanken über eine teilweise Krankschreibung machen könnte. Aus der Pressemitteilung:

"Derzeit gilt in Deutschland eine 'Alles-oder-Nichts-Regelung'. Der Empfehlung des Sachverständigenrats folgend könnte zukünftig der individuellen Situation und Leistungsfähigkeit erkrankter Erwerbstätiger flexibler entsprochen werden: Die Einstufung könnte auf 100%, 75%, 50% oder 25% Arbeitsunfähigkeit erfolgen und würde mit einer Verringerung der zu leistenden Arbeitszeit einhergehen. Nach Ablauf der Entgeltfortzahlung würde das Arbeitsentgelt entsprechend der Arbeitsunfähigkeit reduziert und durch ein Teilkrankengeld ergänzt. Die Einstufung sollte ausschließlich im Einvernehmen zwischen Arzt und betroffenem Arbeitnehmer erfolgen und bei einer Veränderung des Gesundheitszustands angepasst werden können." (Zitat Ende)

Wie soll bloß eine regelhaft von 25% bis 100% abgestufte Arbeitsunfähigkeit in der Praxis aussehen?

- Angina lacunaris mit Streptokokkeninfektion und Antibiose beim Briefzusteller: Nach 3 Tagen zu 25% im Briefverteilungszentrum arbeiten?
- Organist mit Armfraktur: Zu 50% AU, kann mit den Füßen weiterspielen?
- Fingerfraktur li bei rechtshändigem EDV-Spezialisten: Kann zu 75% mit seiner "Track-Ball-Mouse" weiterarbeiten?
- Verkäuferin mit per-akuter Virusinfektion der Atemwege: Weiterarbeiten, Kunden anstecken, Arbeitsplätze im Gesundheitswesen sichern?
- AZUBI im Friseurhandwerk mit exogen-allergischem Asthma und exogenem Ekzem: 2 Tage 100% AU, dann mit Mundschutz/Handschuhen zu 50% arbeiten?
- Opernsänger mit Laryngotracheitis: Nur zu 25% AU, kann doch mit "Playback" die Lippen bewegen und "so tun, als ob".

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Machts Sinn
am Mittwoch, 9. Dezember 2015, 14:14

Lippenbekenntnisse des Sachverständigenrates!

.
Wo ist denn das Problem, – jetzt – nachdem 1995 9,4 Milliarden Euro für Krankengeld ausgegeben
wurden und die Ausgaben dafür 2014 – nach fast 20 Jahren – 10,6 Milliarden Euro erreichten?

Was soll das Ganze, wenn sogar der Sachverständigenrat bestätigt:[b] „Dieser Anstieg der Ausgaben
für Krankengeld stellt keine dramatische budgetäre Entwicklung dar.“ [/b]

Damit ist doch alles Im Lot, zumal ein erheblicher Teil der Ausgabensteigerungen auf politisch er-
wünschte Entwicklungen zurückzuführen ist (höheres Erwerbseinkommen, mehr sozialversicherungs-
pflichtig Beschäftigte, mehr älteren Krankengeldberechtigte) und sich der Anstieg seit drei Quartalen
abflacht.

Alles nur Aktionismus! Als dementsprechend „kleiner Wurf“ erscheinen die Vorschläge des Sachver-
ständigenrates – ebenso „schlecht gezielt“.

Jedenfalls leidet die Glaubwürdigkeit des Sondergutachtens erheblich, wenn der Rat einerseits als
wichtig ansieht, die Koordination und Kooperation zwischen Sozialversicherungsträgern zu verbessern,
andererseits mit den Abstufungen der Arbeitsunfähigkeit von 100, 75, 50, 25 % aber zusätzliche Hürden
an der Schnittstelle zur Erwerbsminderungsrente (auch bei Berufsunfähigkeit der bis 1.1.1961 Geborenen)
aufbaut, wo die Grenzen seit 15 Jahren bei 6 bzw. 3 Stunden täglich liegen.

Und die Empfehlung eines „runden Tisches“ zwischen Renten- und Krankenversicherung zur Klärung
strittiger und komplexer Fälle sowie zur Beschleunigung der Verfahren, z. B. beim Übergang zum Arbeits-
losengeld I oder in die Erwerbsminderungsrente, ist jahrzehnte-alter, kalter Kaffee. Einfach mal schauen,
wie Sozialleistungen auszuführen sind und was der Gesetzgeber zur Zusammenarbeit der Leistungs-
träger und zur gegenseitigen Verwertbarkeit von ärztlichen Gutachten längst geregelt hat
(§ 17 SGB I, §§ 86 und 96 SGB X).

Auch die Idee vom gemeinsamen medizinischen Dienst der Renten- und Krankenversicherung ist schon
einige Jährchen alt, allerdings damals vom Petitionsausschuss wie auch vom Deutschen Bundestag „ab-
geschmettert“ worden:
[url]https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2010/_08/_30/Petition_13785.abschlussbegruendungpdf.pdf[/url]

Offenbar sind Fehlanreize für Leistungsbezieher das kleinere Übel – zumindest im Vergleich mit den Un-
zulänglichkeiten des Krankenversicherungssystems und dessen Akteuren in den Glaspalästen. In diese
Richtung müssen längst fällige Korrekturen geprüft und ggf. umgesetzt werden.

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Machts Sinn
am Dienstag, 8. Dezember 2015, 16:47

Sondergutachten TEIL-Krankengeld

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Noch lenkt die spontan-emotionale Reaktion zum Aufmacher „Einführung einer TEIL-Arbeitsunfähigkeit und eines TEIL-Krankengelds“ von der wirklichen Problematik ab.

Im Laufe der politischen Diskussion wird aber noch deutlich werden, dass die Abgrenzung von Arbeitsun- zu Arbeits-fähig-keit bereits bisher ganze Heerscharen von behandelnden Ärzten, Krankenkassen-Mitarbeitern, MDK-Ärzten und Richtern beschäftigt, auch überfordert.

Noch schlimmer sind die versicherten Kranken betroffen, auf deren Rücken dieses unwürdige Spiel während ihrer Arbeitsunfähigkeit und oft noch jahrelang danach ausgetragen wird.

Wenn künftig statt einer Arbeitsunfähigkeit vier Stufen von Arbeitsunfähigkeit zu beurteilen sind, vervielfacht sich die Abgrenzungsproblematik.

Dies sichert hauptsächlich - auch neue - Arbeitsplätze der genannten Berufsgruppen, während arbeitsunfähige Menschen dem „orientalischen Krankengeld-Bazar“ - dann noch mehr - hilflos ausgesetzt sind.

Mit diesem Ergebnis ist niemandem gedient – gerade dann nicht, wenn die Arbeitsunfähigkeit noch häufiger letztlich von JURISTEN statt von ÄRZTEN abschließend beurteilt wird!

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 7. Dezember 2015, 23:51

"Sachverständiges" Gutachten?

Ich kenne und schätze Herrn Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, MPH, als Vorsitzenden des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, c/o Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt/M, aus zahlreichen Veröffentlichungen und persönlicher Korrespondenz. Aber was alleine die heutige Pressemitteilung http://www.svr-gesundheit.de/fileadmin/GA2015/2015-12-07_Pressemitteilung_SVR_Sondergutachten_2015.pdf
angeht, komme selbst ich aus dem Staunen nicht heraus:

Das "Sondergutachten 2015" steht unter der Prämisse "Krankengeld – Entwicklung, Ursachen und Steuerungsmöglichkeiten". Aber bereits die Einleitung verkennt: "Im Hinblick auf die seit 2006 [insgesamt 9 Jahren!] stark gestiegenen Krankengeldausgaben" die jährlich s t e i g e n d e n Lohn- und Gehaltszahlungen in den Alten u n d insbesondere in den Neuen Bundesländern bzw. die politisch gewollte Abschaffung von Niedriglohngruppen durch den gesetzlichen Mindestlohn. D a m i t waren und sind erhebliche Krankengeld-Steigerungen verbunden.

Es müsste dem "Sachverständigenrat" ein Leichtes sein, seine krasse Fehleinschätzung: "Derzeit gilt in Deutschland eine „Alles-oder-Nichts-Regelung“. Der Empfehlung des Sachverständigenrats folgend könnte zukünftig der individuellen Situation und Leistungsfähigkeit erkrankter Erwerbstätiger flexibler entsprochen werden: Die Einstufung könnte auf 100%, 75%, 50% oder 25% Arbeitsunfähigkeit erfolgen und würde mit einer Verringerung der zu leistenden Arbeitszeit einhergehen" e r s a t z l o s zu streichen. Weil sie formal und inhaltlich völlig unzutreffend ist! Denn mit seiner exklusiven Äußerung über "die Möglichkeit einer teilweisen Krankschreibung (sogenannte Teilarbeitsunfähigkeit) nach skandinavischem Vorbild" zeigt der Sachverständigenrat informationelle Defizite: Ein einfacher Mausklick hätte zu WIKIPEDIA geführt. Dort steht wörtlich: "Die sogenannte stufenweise Wiedereingliederung wird im Hausgebrauch auch oft „Hamburger Modell“ genannt (§ 74 SGB V, § 28 SGB IX). Oft wird diese Maßnahme in einer Reha- oder Krankenhausbehandlung nach einer länger andauernden Arbeitsunfähigkeit für die Zeit danach empfohlen und im Entlassungsbericht vermerkt. So wird eine stufenweise Wiedereingliederung in das Arbeitsleben nach längerer krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit ermöglicht. Es kann sowohl von Arbeitern und Angestellten als auch von Beamten in Anspruch genommen werden." https://de.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Modell_(Rehabilitation)

Es gibt 2 Möglichkeiten:
a) Erkrankt ein GKV-versicherter Arbeitnehmer, wird der Wiedereingliederungsplan nach GKV-Muster 20a (10/2014) wirksam. "Stufenweise Wiedereingliederung - Die stufenweise Wiedereingliederung soll arbeitsunfähigen Beschäftigten ermöglichen, sich schrittweise wieder an die bisherige Arbeitsbelastung zu gewöhnen. Sie wird vom Arzt in Abstimmung mit dem Versicherten und dem Arbeitgeber verordnet." http://www.vdek.com/vertragspartner/vorsorge-rehabilitation/stufenweise_wiedereingliederung.html
b) Ist derselbe in REHA-Maßnahmen der Deutschen Rentenversicherung (DRV), gibt es "Informationen zur stufenweisen Wiedereingliederung für Ärzte und Sozialarbeiter der Rehabilitationseinrichtungen - Stand: 24.03.2015 - 6. Version, Formularnummer: G0830 http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/5_Services/04_formulare_und_antraege/_pdf/G0830.html

Vollends abgehoben ist der "Sachverständigenrat" mit seiner Forderung: "Zur Vereinfachung und Präzisierung der Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen schlägt der Rat ferner vor, dass nur noch die Angabe einer einzigen arbeitsunfähigkeits-begründenden Hauptdiagnose möglich ist – bisher können Ärzte ohne Gewichtung mehrere Diagnosen auf einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung angeben."

Fakt ist jedoch, dass so gut wie a l l e Patienten m e h r als nur eine einzige AU-Diagnose haben. Musterbeispiel ist eine bakterielle Sekundärinfektion nach primären Virusinfektionen. Es ist geradezu absurd und lächerlich, unsere etwa 20.000 nach ICD-10-GM 2015 verschlüsselten bio-psycho-sozial bedingten, komplexen Krankheitsentitäten auf eine einzige AU-auslösende Krankheit eindampfen zu wollen.

Hier frage ich mich ernsthaft, ob der Sachverständigenrat jemals etwas von der Diversifikation von Körper und Geist, Leib und Seele, Krankheit und Gesundheit oder gar Psychosomatik gehört hat? Seine Mitglieder hätten bloß jemanden fragen müssen, der sich mit Krankheiten auskennt!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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