Medizin

Weiterhin starker Anstieg der Syphilis bei MSM

Dienstag, 8. Dezember 2015

Berlin – Die Zahl der Syphilis-Erkrankungen steigt seit 2010 in Deutschland wie auch in anderen westlichen Ländern stark an. Betroffen ist in erster Linie die Risikogruppe von Männern, die Sex mit Männern haben. Hier ist es auch im ersten Halbjahr 2015 erneut zu einer Zunahme von Meldungen gekommen, wie dem Epidemiologischen Bulletin (2015; doi: 10.17886/EpiBull-2015-020) zu entnehmen ist.

Im Jahr 2014 wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 5.722 Syphilis-Fälle gemeldet, 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Mehr als vier von fünf Erkrankungen traten in der Risikogruppe der MSM auf. Als Ursachen kommen nach Einschätzung des RKI die Verbreitung von Dating-Apps infrage, also die Anbahnung über das Smartphone, die die Zahl der Sexualpartner deutlich erhöhen können.

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Gleichzeitig scheint das Risikoverhalten zuzunehmen. Auch die Reaktion der Szene auf das HIV-Risiko könnte am Anstieg beteiligt sein. Verbreitet ist offenbar ein „Serosorting“, bei dem Sexualpartner passend zum eigenen HIV-Status gewählt werden. Beim „Sero-Positioning“ werden bestimmte sexuelle Positionen (eindringender oder aufnehmender Partner bei ungeschütztem Analverkehr) aufgrund des eigenen HIV-Status ausgewählt.

Auch das Beenden von ungeschütztem Analverkehr vor der Ejakulation oder das Abstimmen von Sexualpraktiken zwischen den Partnern anhand der aktuellen HIV-Viruslast werden offenbar als Möglichkeit gesehen, eine Ansteckung zu vermeiden. Dieses sero-adaptive Verhalten erhöht jedoch das Infektionsrisiko für sexuell übertragbare Erkrankungen (STI), wenn sie dazu dienen, beim Analverkehr auf Kondome zu verzichten. Wobei Kondome zwar vor HIV, nicht aber vor einer Syphilis und anderen STI schützen, da diese auch extragenital, etwa durch Schmierinfektionen, übertragen werden können. Auch orale Infektionen sind hier laut dem Bericht von großer Bedeutung. 

Neben besseren Informationen raten die Robert Koch-Mitarbeiter zu einem intensi­vierten Screening. MSM sollten sich in Abhängigkeit vom Risikoverhalten alle 3 bis 12 Monate auf STI untersuchen lassen. Dazu gehören neben der Syphilis auch Chlamy­dien- und Gonokokken-Infektionen, die häufig asymptomatisch verlaufen. Die Frühdiagnose der STI wird neben der Änderung des Risikoverhaltens als wichtiges Mittel gesehen, einen weiteren Anstieg der STI-Infektionen zu vermeiden. © rme/aerzteblatt.de

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