Politik

KV Bayerns kritisiert gesundheits­politischen Aktionismus

Dienstag, 8. Dezember 2015

München – Massive Kritik übte der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz am Dienstag in München an den jüngsten gesundheitspolitischen Gesetzesvorhaben der Bundesregierung. Maßnahmen wie die Stärkung der Kliniken auf Kosten der niedergelassenen Ärzte oder die Vermitt­lung von Facharztterminen über neue Servicestellen zeugten ausschließlich von politischem Aktionismus, so die Vorstandsmitglieder. Sie seien nicht dazu geeignet, die ambulante Versorgung der Patienten nachhaltig zu verbessern. Stattdessen werde den Praxen immer mehr bürokratischer Aufwand aufgebürdet.

Anzeige

Vor diesem Hintergrund forderte der KVB-Vorstand bessere Rahmenbedingungen für eine freiberufliche Tätigkeit als niedergelassener Arzt oder Psychotherapeut. So sei etwa der Aufbau von Bereitschaftspraxen die bessere Alternative zu den vom Gesetzgeber geforderten Portalpraxen an den Kliniken.

„An jedem defizitär arbeitenden Krankenhaus eine Portalpraxis einzurichten und das von den niedergelassenen Ärzten finanzieren zu lassen, zeugt auf alle Fälle nicht von politischer Weitsicht und Intelligenz“, erklärte KVB-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Krombholz. Kritik an der im Januar per Gesetz startenden Terminservicestellen übte der erste stellvertretende KVB-Vorstandsvorsitzende Pedro Schmelz. Dieser „Eingriff des Gesetzgebers in die Terminvergabe der niedergelassenen Ärzte“ sei weder sinnvoll noch durch belastbare Daten gerechtfertigt. Denn im internationalen Vergleich gebe es in Deutschland relativ geringe Wartezeiten auf Facharzttermine.

„Wir werden die gesetzlich vorgeschriebene Terminservicestelle umsetzen – aber nicht, weil sie sinnvoll ist und die Versorgung der Patienten verbessert, sondern nur deshalb, weil wir es tun müssen“, erklärte Schmelz. Er machte allerdings auch klar, dass es weder bestimmte Wunschtermine noch eine Vermittlung zu einem Wunscharzt geben werde.

Konterkariert werde der Anspruch auf einen Termin beim Facharzt innerhalb von vier Wochen allerdings durch die Praxis-Aufkaufregelung. Diese sorge für Verunsicherung bei den Ärzten und werde nicht dazu führen, dass sich in unterversorgten Regionen künftig mehr junge Ärzte in eigener Praxis niederlassen.

Die zweite stellvertretende KVB-Vorstandsvorsitzende kritisierte die elektronische Gesundheitskarte. Nach wie vor würden Jahr für Jahr Millionenbeträge in das Vorhaben investiert – und das bislang ohne echten Zusatznutzen für Ärzte und Patienten, so Ilka Enger. Wenn es um den sicheren Austausch sensibler Daten im Gesundheitswesen gehe, sei das Sichere Netz der KVen die bessere Lösung.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

13.05.16
„Für die Krankenkassen steht das Sparen an erster Stelle“
Heide – In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Selbstverständnis der Krankenkassen gewandelt – sie wollen die Gesundheitsversorgung nicht mehr nur bezahlen, sondern mitgestalten. Nicht selten......
13.05.16
„Der Wettbewerb macht die Krankenkassen depressiv“
Bünde – In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Selbstverständnis der Krankenkassen gewandelt – sie wollen die Gesundheitsversorgung nicht mehr nur bezahlen, sondern mitgestalten. Nicht selten......
14.03.16
München – Die Zahl der Widersprüche, welche die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bayerns bearbeitet, ist von 40.000 im März 2011 auf rund 1.400 Widersprüche im Dezember zurückgegangen. Das erläuterte......
02.03.16
Berlin – In der nächsten Legislaturperiode wird sich die Gesundheitspolitik mit der Finanzierung des Systems, mit der Reform des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs und mit dem Thema......
29.02.16
Wasem: „Wildwuchs“ gesetzlicher Regelungen muss geordnet werden
Berlin – Der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem hat den Gesetzgeber aufgefordert, den „Wildwuchs“ an Regelungen bei der Öffnung des stationären Sektors für ambulante Leistungen zu beenden und in der......
10.02.16
Essen – Gesundheitsförderung ist nach den Worten von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eine internationale Aufgabe. „Die Ausbreitung von Ebola hat uns einmal mehr als ein wirklich harter......
09.02.16
München – Auf die Möglichkeiten, einen Vertreter für die Praxis im Urlaub- oder während anderer Abwesenheitszeiten zu finden, weist der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) hin. Zunächst können......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige