Politik

„Ein Wettbewerb um die beste Qualität ist zu begrüßen“

Donnerstag, 10. Dezember 2015

München – Das Krankenhausstrukturgesetz wird die Arbeit der Krankenhausärzte verändern. Wie ein Praktiker die neuen Vorgaben bewertet, berichtet Steffen Massberg, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I am Klinikum der Universität München.

Anzeige

Fünf Fragen an Steffen Massberg, Klinikum der Universität München

DÄ: Was wird sich infolge des Krankenhaus­struktur­gesetzes für Patienten und für Ärzte verbessern? Bitte nennen Sie die wichtigsten Aspekte:

Massberg: Zentrales Ziel des Krankenhaus­struktur­gesetzes ist es, die Qualität der Krankenhausver­sorgung in Deutschland weiter zu steigern. Dies kommt natürlich vor allen Dingen unseren Patienten zugute, die eine noch bessere Behandlung erwarten dürfen. Darü­ber hinaus soll im Zuge des Krankenhausstruktur­gesetzes aber auch die Finanzierung von Betriebskosten der Krankenhäuser verbessert werden. Es bleibt zu hoffen, dass diese bessere Kostendeckung auch dazu genutzt werden, die Arbeitsbedingungen für die Ärzte entsprechend zu optimieren. Zudem wird durch den Pflegezuschlag die Pflege an den Krankenhäusern gestärkt werden. Dies ist ein wichtiges Signal in Zeiten eines bedrohlichen und progredienten Pflegemangels.

DÄ: Was wird sich verschlechtern?
Massberg: Das Ziel der Qualitätserfassung sollte zu keiner Überregulierung führen. Die ärztliche Therapiefreiheit stellt ein sehr wertvolles Gut dar und darf keinesfalls durch zu viel Bürokratie beschränkt werden. Dann würde in der Tat paradoxerweise das Gegenteil bewirkt werden.

DÄ: Schon seit längerem wollen Bund und Länder Krankenhauskapazitäten abbauen. Oft wehren sich Krankenhäuser und Patienten, aber auch Kommunalpolitiker dagegen – nicht selten mit Erfolg. Warum sollte sich durch die neuen Vorgaben etwas daran ändern?
Massberg: Die neuen Rahmenbedingungen zielen auf eine Stärkung von Zentren ab. Das soll durch eine gesonderte Vergütung und auch durch differenzierte Zuschläge für die Notfallversorgung erreicht werden. Diese Entwicklung könnte durch gesteigerten finanziellen Druck zu einem Abbau von überschüssigen Krankenhauskapazitäten führen.

DÄ: Kann eine Vergütung nach Ergebnisqualität die Versorgung verbessern oder werden die neuen Vorgaben eher das Gegenteil bewirken?
Massberg: Die Qualitätssteigerung soll durch finanzielle Zu- beziehungsweise Abschläge in Abhängigkeit von Qualitätsindikatoren geschehen, die der Gemeinsame Bundesausschuss, unterstützt durch das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIQ), entwickeln wird. Für die Ärzte bedeutet dies einen Paradigmenwechsel, weil die Qualität ihrer Tätigkeit erstmalig bemessen und in Korrelation zur Vergütung gesetzt wird. Dies ist zu begrüßen, da ein Wettbewerb um die beste Qualität letztlich die Versorgung der Patienten optimieren wird.

DÄ: Was fehlt im Krankenhausstrukturgesetz aus Ihrer Sicht?
Massberg: Die Eckpunkte des Krankenhausstrukturgesetzes sind selbstverständlich zu begrüßen. Die Investitionsfinanzierung wird jedoch nur unzureichend behandelt. Dieser Aspekt sollte nicht vergessen werden, da eine optimale räumliche Ausstattung für eine qualitätsorientierte Medizin natürlich unerlässlich ist. © fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

22.07.16
Kiel – Keine Einigung in Sicht: Im Konflikt zwischen Koalition und Kommunen über die Kostenübername für die Sanierung der Krankenhäuser bleiben SPD, Grüne und SSW hart. Ungeachtet heftiger Proteste......
20.07.16
München – Der Ministerrat in Bayern hat gestern das Startsignal für 22 neue Bauvorhaben an bayerischen Krankenhäusern gegeben. Das Gesamtfördervolumen beläuft sich auf rund 349 Millionen Euro, wie das......
27.06.16
Potsdam – Der Vorstandsvorsitzende der Sana Kliniken AG hat den geplanten Umbau des DRG-Systems kritisiert. „Wenn wir jetzt Vorgaben dazu bekommen, wie viel Pflegepersonal wir einstellen müssen, mache......
24.06.16
Kiel – Im Konflikt zwischen der Landesregierung Schleswig-Holstein und den Kommunen um die Kosten für die Sanierung der Krankenhäuser hat ein Spitzengespräch heute keinen Durchbruch gebracht. Das Land......
23.06.16
Hannover – Niedersachsens rot-grüne Landesregierung will die Krankenhäuser im Land modernisieren. „Wir wollen den Investitionsstau nachhaltig abbauen“, sagte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD)......
20.06.16
Kassel – Der Gesundheitskonzern Gesundheit Nordhessen (GNH) hat das Jahr 2015 mit einem Millionengewinn abgeschlossen – zum siebten Mal in Folge. „Das ist nicht normal für öffentliche Krankenhäuser in......
17.06.16
Experten befürworten stärkere Planung stationärer Leistungen
Berlin – Mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) ist die Bundesregierung unter anderem angetreten, um Krankenhäuserverbünde bei der Schließung einzelner Häuser oder Abteilungen finanziell zu......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige