Medizin

Studie: Ventile in den Bronchien verbessern Lungenfunktion bei Emphysem

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Groningen - Eine endoskopische Volumenreduktion durch die gezielte Implantation von Ventilen in den Bronchien hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2015; 373: 2325-2335) Lungenfunktion und Lebensqualität von Patienten mit schwerem Emphysem gebessert. Grundlage für den Erfolg war der Ausschluss von Patienten mit interlobulärer Querventilation.

Beim Lungenemphysem kommt es zu einer Überblähung und Vergrößerung der Lungen, die die Atmung behindern. Der „National Emphysema Treatment Trial“ im Jahr 2003 hat gezeigt, dass die Entfernung der am stärksten beschädigen Lungenabschnitte die Atemmechanik effizienter gestaltet und dadurch die Lebensqualität von Emphysem-Patienten deutlich bessert. Da die Operation jedoch riskant ist, wurde nach weniger invasiven Alternativen gesucht. Die Implantation von Einwegventilen, die die Belüftung eines Lungenlappens verhindern (gleichzeitig aber den Abfluss von Sekreten erlauben) schien dieses zu ermöglichen. Sie führt, wenn sie erfolgreich ist, zum Kollabieren des nicht belüfteten Lungenareals. Diese Atelektase geht dann mit einer Verkleinerung der Lungen einher.

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Doch die Ergebnisse der 2010 veröffentlichten VENT-Studie verliefen enttäuschend. Einsekundenkapazität (FEV1) und Gehstrecke der Patienten verbesserten sich nach Implantation der Ventile nur geringfügig, so dass die Food and Drug Administration (FDA) angesichts der Risiken der Implantation (Exazerbationen der COPD, Lungenblutungen) dem Hersteller die Zulassung verweigerte. Eine retrospektive Studie ergab, dass die Ventile nicht immer zu einer Atelektase führten, da bei manchen Patienten Querverbindungen zu benachbarten Lungenlappen bestanden. Seither gibt es Bemühungen, die Therapie auf Patienten ohne Querventilation zu beschränken, bei denen der größte Nutzen zu erwarten ist. 

Pulmologen aus Groningen und Nijmegen entschlossen sich, die Selektion mittels des sogenannten Chartis-Systems durhzuführen. Dabei wird während einer Bronchoskopie der Zugang zum Ziellappen mit einem Ballonkatheter probeweise verschlossen und auf eine Querventilation hin überprüft. Von den 84 Patienten, die Karin Klooster von der Universität Groningen und Mitarbeiter untersuchten, kamen schließlich 68 für die Implantation von Ventilen (eines kalifornischen Herstellers, der nicht an der Durchführung der Studie beteiligt war) infrage. Bei der Hälfte der Patienten erfolgte die Implantation von zwei bis sieben Ventilen sofort, die andere Hälfte wurde erst nach sechs Monaten versorgt.

Kloster hält es aufgrund der Risiken für erforderlich, die Patienten engmaschig nachzubeobachten und dabei vor allem auf die Entwicklung eines Pneumothorax zu achten. Dies entspricht auch dem Eindruck deutscher Autoren. Ein Team um Prof. Felix Herta vom Universitätsklinikum Heidelberg hatte sich zuletzt im Deutschen Ärzteblatt darüber beklagt, dass ein unkritischer und dadurch häufig erfolgloser Einsatz der endoskopischen Lungenvolumenreduktion zu einem falschnegativen Eindruck hinsichtlich der Effektivität geführt habe. © rme/aerzteblatt.de

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