Medizin

Betablocker lindert Spinnenphobie

Freitag, 11. Dezember 2015

Amsterdam - Die Einnahme einer einzelnen Tablette Propanolol hat in einer kleinen Doppelblindstudie in Biological Psychiatry (2015; doi: 10.1016/j.biopsych.2015.04.006) Patienten mit einer Spinnenphobie geholfen, die Exposition mit dem Objekt ihrer Angst besser zu ertragen. 

Phobien sind Angstreaktionen, die sich tief in das Gedächtnis eingegraben haben. Jede Konfrontation mit dem auslösenden Objekt führt zu einer Stressreaktion, die das Gedächtnis weiter festigt (Konsolidierung). Phobien können sich deshalb mit der Zeit immer mehr verstärken. Die Behandlung besteht derzeit in einer kognitiven Verhaltenstherapie, in der die Patienten mühsam lernen müssen, ihre Ängste zu verarbeiten.

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Die Einnahme eines Betablockers, der die Wirkung von Stresshormonen im Gehirn aufhebt, könnten diesen Prozess beschleunigen. Marieke Soeter und Merel Kind von Amsterdam Brain and Cognition (ABC), einem Forschungsinstitut der niederländischen Universität, haben die Wirkung jetzt an 30 Patienten mit einer Spinnenphobie getestet.
Die Patienten wurden in einem typischen Expositionsexperiment mit einer Vogelspinne konfrontiert, der sie sich nähern und die sie nach Möglichkeit auch berühren sollten.

Die Hälfte der Patienten hatte vorher eine Tablette mit 40 mg Propanolol eingenommen, bei der anderen Hälfte enthielten die Tabletten keinen Wirkstoff. Eine dritte Gruppe von 15 Patienten wurde nach der Einahme von Propanolol nicht mit einer Spinne konfrontiert.

Wie die Psychologinnen berichten, reduzierte Propanolol „drastisch“ das Vermei­dungsverhalten und erhöhte die Bereitschaft der Patienten, sich den Spinnen zu nähern. Dieser Effekt hat laut Soeter und Kind über ein Jahr angehalten. Die beiden Forscherinnen vergleichen die Behandlung mit einer chirurgischen Therapie, die Ängste aus dem Gedächtnis ihrer Patientinnen herausschneiden könnte. Sie gestehen aber ein, dass die Ergebnisse durch weitere Studien mit einer größeren Fallzahl bestätigt werden müssten. 

Die Idee, die Rekonsolidierung von Gedächtnisinhalten durch die Gabe von Beta-Blockern zu verhindern, ist nicht ganz neu. Soeter und Kind hatten neben anderen Autoren vor einigen Jahren eine Studie zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung durchgeführt. Die Therapie gilt jedoch nicht als evident-basiert und wurde bislang nicht von den Leitlinien aufgegriffen. © rme/aerzteblatt.de

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