Medizin

Ivermectin beseitigt Skabies auf Südseeinsel

Freitag, 11. Dezember 2015

Melbourne - Die einmalige Behandlung der gesamten Bevölkerung mit dem Wirkstoff Ivermectin hat auf drei kleinen Inseln des Fiji-Archipels die Häufigkeit der Skabies um fast 95 Prozent gesenkt. Laut dem Bericht im New England Journal of Medicine (2015; 373:2305-2313) ging auch die Rate der Impetigo zurück, die eine typische Sekundärinfektion von Skabies-Patienten ist.

Die Krätzmilbe, die in Deutschland am ehesten in sozialen Randgruppen beobachtet wird, ist in vielen ärmeren Ländern in weiten Bevölkerungskreisen verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass weltweit 100 Millionen Menschen erkrankt sind. Die meisten leben in tropischen Ländern, wo neben engen Wohnverhältnissen auch ein feuchtwarmes Klima die Ausbreitung von Sarcoptes scabiei var. homines begünstigt. Auf den kleineren Inseln des Fiji-Archipels waren zwischen 30 und 40 Prozent der Bevölkerung befallen, wobei das Team um Andrew Steer vom Murdoch Childrens Research Institute in Melbourne sich bei der Diagnose auf die Inspektion der typischen Körperregionen (Finger, Hände und Knöchel) begnügte, um die Diagnose zu bestätigen. Die Forscher teilten die Inseln auf drei Gruppen. 

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In der ersten Gruppe wurden die betroffenen Einwohner an den Arzt verwiesen, um eine Individuelle Behandlung durchzuführen. Hier war die Prävalenz der Skabies beim nächsten Besuch des Medizinerteams 12 Monate später von 36,6 auf 18,8 um etwa die Hälfte gefallen. In der zweiten Gruppe erhielten alle Einwohner eine Dose mit einer Permethrin-Creme, die sie an den genannten Prädilektionsstellen anwenden sollten. Alle Bewohner mit Skabies erhielten eine zweite Dose, die sie 7 bis 14 Tage später anwenden sollten. Diese Nachbehandlung ist notwendig, da die Eier mit dem Nachwuchs von dem Wirkstoff nicht erreicht werden. Die lokale Behandlung mit Permethrin senkte die Prävalenz um fast zwei Drittel von 41,7 auf 15,8 Prozent. 

Die weitaus beste Wirkung wurde auf der dritten Inselgruppe erzielt. Hier wurde beim ersten Besuch an alle anwesenden Einwohner (die einer Behandlung zustimmten) eine orale Dosis Ivermectin ausgegeben. Das Mittel wird von der Haut ausgeschieden und tötet dann alle auf ihr lebenden Ektoparasiten ab, zu denen auch die Krätzmilbe gehört. Wie bei Permethrin war bei einem sichtbaren Befall eine Nachbehandlung erforderlich. Wie Steer berichtet, sank die Prävalenz von 32,1 auf 1,9 Prozent, was einem relativen Rückgang um 94 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 83-100 Prozent) entspricht. 

Dass Ivermectin die beste Wirkung erzielte, könnte neben der hohen Wirksamkeit des Arzneimittels (dessen Entwickler in diesem Jahr mit dem Nobelpreis geehrt wurden) auch daran liegen, dass die orale Einnahme eines Arzneimittels vielen Menschen leichter fällt als das gezielte Auftragen einer Creme. Ivermectin darf allerdings nicht an Kinder unter 15 Jahren und an Schwangere ausgegeben werden. Probleme könnten wegen einer Interaktion am P450-System der Leber auch bei der gleichzeitigen Behandlung mit Warfarin oder einigen Anti-Epileptika auftreten.

Neben der Skabies ging auch die Zahl der Impetigo-Erkrankungen zurück. Die Infektionen durch Streptococcus pyogenes oder Staphylococcus aureus bleiben in den Entwicklungsländern nicht immer auf die Haut begrenzt. Es kann zu invasiven Infektionen bis hin zur Sepsis kommen. Die Streptokokken können eine Glomerulonephritis oder ein rheumatisches Fieber auslösen. Ivermectin senkte die Prävalenz von 24,6 auf 8,0 Prozent und damit weitaus stärker als die beiden anderen Behandlungsstrategien. © rme/aerzteblatt.de

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