Medizin

Anthrazykline könnten eingeschränkte kognitive Leistungen nach Chemotherapie triggern

Montag, 14. Dezember 2015

Houston – Die Entwicklung einer eingeschränkten kognitiven Leistung nach einer Chemotherapie könnte durch die Gabe von Anthrazyline stark getriggert werden. In JAMA Oncology berichten Shelli Kesler an der University of Texas und Douglas Blayney an der Stanford University, welche Chemotherapeutika das sogenannte Chemobrain besonders begünstigen (doi:10.1001/jamaoncol.2015.4333).

Chemo- und Radiotherapie sind starke Belastungen für den gesamten Körper und lassen kein Organsystem unbetroffen. Für strahlentherapeutische Maßnahmen ist die Abnahme kognitiver Fähigkeiten nach einer Hirnbestrahlung laut den Autoren gut belegt. Bei einer Chemotherapie haben die Substanzen vermutlich einen unterschiedlich starken Einfluss auf die Hirnleistung. Die Entwicklung des sogenannten Chemobrains wird häufig bei ehemaligen Brustkrebs-Patientinnen beobachtet.

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Konzentrationsschwächen, Vergesslichkeit und schnelle Überforderung sind typisch. Ein Chemobrain ist prinzipiell reversibel, jedoch können die Beeinträchtigungen auch Jahre nach der Therapie noch fortbestehen. Im Patientenumfeld fehlt oft das Verständnis für die fehlende geistige Belastbarkeit, da die Grunderkrankung ja offensichtlich über­standen sei. Kausale Behandlungsansätze existieren aufgrund des fehlenden patho­genetischen Verständnisses nicht.

Die Forscher untersuchten 62 Überlebende eines primären Mammakarzinoms (medianes Alter 54,7) Die Frauen hatten sich zwei Jahre nach Therapieende einer kognitiven Testung unterzogen und MRT-Aufnahmen von ihrem Gehirn anfertigen lassen. 20 Frauen hatten im Rahmen ihrer Krebstherapie Anthrazykline erhalten, 19 Frauen erhielten keine Anthrazykline während ihrer Chemotherapie und 23 wurden nur operiert.

Anthrazykline sind Zytostatika die sich von antibiotisch wirksamen Stoffen ableiten, die aus Bakterien der Gattung Streptomyces isoliert werden können. Sie lagern sich in die DNA ein und hemmen so die Zellteilung.

Die Forscher stellten fest, dass Patientinnen, die während ihrer Therapie Anthrazykline erhielten, eine wesentlich schlechtere kognitive Leistung zeigten als die anderen zwei Patientengruppen. Sie konnten sich in der Testung schlechter Worte merken und brauchten länger sich an diese zu erinnern. Im linken unteren Anteil des sogenannten Precuneus, zeigten die Frauen eine herabgesetzte Konnektivität in den MRT-Aufnah­men. Der Precuneus spielt eine wichtige Rolle für Aufmerksamkeit und Vigilanz und ist an zahlreichen anderen kognitiven Prozessen beteiligt.

Die Patientengruppe ist zwar insgesamt klein, jedoch sei der statistische Zusammen­hang zwischen Anthrazyklinen und dem Chemobrain gut nachvollziehbar, sagen die Forscher. Wenn sich die Ergebnisse in größeren Kohorten bestätigten, sollten Strategien entwickelt werden, welche eine Neuroprotektion bei Anthrazyklin-basierten Therapien ermöglichen, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © rme/aerzteblatt.de

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