Politik

Weiter Streit um die Ausbildungsreform in der Pflege

Montag, 14. Dezember 2015

Hamburg – Die Kritik am geplanten Pflegeberufsgesetz reißt nicht ab. Die Ärztekammer Hamburg kritisierte jetzt zusammen mit der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft und der Landesgruppe Hamburg des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) die geplante Generalisierung der Ausbildung. Vorgesehen ist eine einheitliche allgemeine dreijährige Pflegeausbildung anstelle der bisherigen differenzierten Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger oder Kinderkrankenpfleger. Die gemeinsame Berufsbezeichnung lautet dann für alle „Pflegefachkraft“.

Für besondere Empörung sorgt die Tatsache, dass der Referentenentwurf für das neue Gesetz ohne Beteiligung der relevanten Akteure ausgearbeitet und der Deutschen Krankenhausgesellschaft, der Bundesärztekammer und dem bpa erst Ende November mit einer 14-tägigen Frist zur abschließenden Stellungnahme zugeleitet worden sei. „Innerhalb dieser kurzen Zeit ist eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Inhalten einer so grundlegenden Reform, eine Abschätzung ihrer Folgen für die praktische klinische Arbeit und eine interdisziplinäre Diskussion kaum möglich“, kritisierte Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Ärztekammer Hamburg und der Bundesärztekammer.

Anzeige

„Die Reform birgt drei wesentliche Risiken: das Interesse an einer Ausbildung und Tätigkeit in der Akutpflege im Krankenhaus wird weiter abnehmen, die Absolventen werden für ihre Tätigkeit im Krankenhaus schlechter qualifiziert sein, und Ausbildungs­kapazitäten werden reduziert“, warnte Christoph Mahnke, erster Vorsitzender der Hamburger Krankenhausgesellschaft. Am Kardinalproblem der Pflege im Krankenhaus ändere die Reform dagegen nichts, nämlich den äußerst angespannten und sich immer weiter verschärfenden Arbeitsbedingungen infolge einer jahrelangen Unterfinanzierung.

Insgesamt tendiert die Entwicklung in den Krankenhäusern, gerade in einer Metropol­region wie Hamburg, immer stärker zur Spezialisierung der medizinischen Disziplinen. Dadurch steigt in den Kliniken die Nachfrage nach spezialisierten Pflegekräften. Die angestrebte Generalausbildung in der Pflege laufe dieser Spezialisierung diametral entgegen. „Die Arbeit in Krankenhaus, Altenpflege und Kinderkrankenpflege ist geprägt von sehr unterschiedlichen Berufswelten und Anforderungen, die unterschiedliche Bewerber mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Erwartungen anziehen“, so Montgomery.

Kammer und Krankenhausgesellschaft befürworten daher eine sogenannte Teilgenera­listik. Das bedeutet gemeinsamen Theorieunterricht im ersten Ausbildungsjahr und eine Spezialisierung auf das angestrebte Berufsfeld spätestens im zweiten Jahr mit zahl­reichen Praxiseinsätzen. Die drei Berufsabschlüsse Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege sollten bestehen bleiben.

In den vergangenen Wochen hatten unter anderem bereits Kinderärzte und -chirurgen gegen die Reform protestiert. Zustimmung kam dagegen von verschiedenen Pflegeverbänden, zum Beispiel dem Roten Kreuz. Als „Meilenstein für die dringend benötigte Weiterentwicklung der Pflegeberufe“ bezeichnete der Präsident des Deutschen Pflegerates, Andreas Westerfellhaus, den Gesetzentwurf.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

weisser
am Montag, 14. Dezember 2015, 20:52

Hilfe: Hilfe! sagt das Frühgeborene

die Berufswahl hat auch etwas mit persönlichen Neigungen zu tun. Die bedingen Empathie z. B. mit Kindern - auch den allerkleinsten.
N.B. Ich habe Jahrzehnte in einer Kinderklinik gearbeitet. Dann kam Dank einer Geschäftsführung eine PDL aus der Erwachsenpflege. Empathie für Kinder? Keinerlei. Unterbringung begleitender Eltern ? Ja, abwe sie sollen es nicht angenehm haben, damit sie bald gehen. Und so weiter.Kinderkrankenpflege ist eine Berufung - wie die Altenpflege. Warum die "in eine Topf". Frühgeborene sind keine Greise.

Dr. Jochen Weisser
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

06.01.17
Neue Pflegeausbildung: Schwesig wirft Union Blockade vor
Berlin – Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat Teilen der Union vorgeworfen, das Gesetz zur Reform der Pflegeausbildung zu blockieren. „Seit März letzten Jahres ist der Gesetzentwurf im......
03.01.17
80 Prozent mehr Altenpflege-Schüler in Nordrhein-Westfalen
Düsseldorf – Als „riesigen Erfolg“ bezeichnet Nordrhein-Westfalens (NRW) Gesundheits- und Pflegeministerin Barbara Steffens (Grüne) die sogenannte Umlagefinanzierung in der Altenpflegeausbildung. „Um......
02.01.17
Kassen machen Kompromissvorschlag zur Reform der Pflegeausbildung
Berlin – Der GKV-Spitzenverband hat einen Kompromissvorschlag vorgelegt, um den Koalitionsstreit über die Reform der Pflegeausbildung zu beenden. Dabei geht es um die Frage, ob die Ausbildung in der......
02.01.17
Erfurt – Thüringens Krankenhäuser erhalten in diesem Jahr mehr Geld für die Ausbildung von Pflegern. Die Summe betrage 24,7 Millionen Euro, eine Million mehr als 2016, teilte der Verband der......
30.11.16
Berlin – Die Geschäftsführerin des Katholischen Krankenhausverbandes Deutschlands (kkvd), Bernadette Rümmelin, hat kritisiert, dass das Pflegeberufsgesetz offenbar modifiziert werden soll. Der derzeit......
11.11.16
Würzburg – Am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) lernen Medizinstudierende und Auszubildende der Gesundheitsberufe im Rahmen des Lehrprojekts „Durch Barrieren schneiden“ gemeinsam die......
04.11.16
Pflegeausbildung: Weiter Streit um Generalistik
Berlin – Die Bundesregierung will mit dem Pflegeberufegesetz die heute getrennten Ausbildungen zur Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenführen. Wie die Stuttgarter Nachrichten heute......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige