Medizin

Krebs: In ärmeren Ländern häufiger, in reicheren Ländern seltener

Dienstag, 15. Dezember 2015

Atlanta – Während Früherkennung, Therapie und eine Änderung des Lebensstils in vielen Ländern mit hohem Einkommen (HIC) zu einem Rückgang von Krebsinzidenz und -mortalität führen, steigt in vielen Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen (LMIC) die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle, wie eine Analyse der Datenbank CANCERMondial in Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention (2015; doi: 10.1158/1055-9965.EPI-15-0578) zeigt.

Weltweit erkrankten 2012 schätzungsweise 14,1 Millionen Menschen an Krebs und etwa 8,1 Millionen sind daran gestorben. Dies geht aus einer Analyse von CANCERMondial hervor, einer Sammlung von Daten zur Krebsinzidenz und Mortalität, die die Interna­tionale Agentur für Krebsforschung (IARC) für die Forschung zusammenstellt. Die Epidemiologin Lindsey Torre von der American Cancer Society in Atlanta hat die Daten aus dem Zeitraum von 2007 bis 2012 ausgewertet und dabei folgende Trends für die acht häufigsten Krebserkrankungen gefunden.

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Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebstodesursache bei Frauen. In den HICs ist die Inzidenz in den letzten Jahren zwar weiter angestiegen oder gleich geblieben. Die Sterblichkeit ist jedoch seit 1990 rückläufig, weil viele Länder die Mammographie zur Früherkennung anbieten und die Behandlung sich verbessert hat. Diese Voraus­setzungen sind in vielen LMIC nicht erfüllt. Dort ist jedoch das Erkrankungsrisiko von Frauen gestiegen, weil mehr Frauen fettleibig sind, weniger Kinder bekommen und diese nicht mehr stillen. Vor allem in Lateinamerika, der Karibik und in Teilen Asiens ist es zu einem Anstieg der Brustkrebsmortalität gekommen, berichtet Torre.

Prostatakrebs ist weltweit (nach Lungenkrebs) die zweithäufigste tödliche Krebserkrankung bei Männern weltweit. Die höchste Inzidenz haben derzeit farbige US-Amerikaner mit 168,3 Erkrankungen auf 100.000 Personen. Dies sei einerseits auf das in den USA weit verbreitete PSA-Screening zurückzuführen, schreibt Torre. Sie vermutet aber auch eine genetische Prädisposition von Männern mit afrikanischen Vorfahren. Dies könnte erklären, warum die Mortalität weltweit in Trinidad und Tobago am höchsten ist.

Darmkrebs wird in den USA immer seltener diagnostiziert, was Torre auf die dort aktiv betriebene Vorsorgekoloskopie zurückführt, die zur Entdeckung und Beseitigung der Darmkrebsvorstufen führt. In vielen anderen Ländern steht die Inzidenz derzeit an, weil sich Ernährung und Bewegungsmuster verändert haben. Diese Länder könnten möglicherweise von der Einführung kostengünstiger Tests zur Darmkrebsfrüherkennung profitieren, schreibt Torre.

Lungenkrebs ist bei Männern in der Türkei (90,1 Erkrankungen auf 100.000 Personen) und bei weißen Frauen in den USA (38,1 Erkrankungen auf 100.000 Personen) am häufigsten. Da Lungenkrebs in der Regel tödlich ist, sind Inzidenz und Mortalität in etwa gleich hoch.

Speiseröhrenkrebs wird derzeit in Malawi und im Iran am häufigsten diagnostiziert. Die höchste Mortalitätsrate wird aus Kasachstan und Südafrika gemeldet. Torre vermutet, dass dieser Tumor in einigen ärmeren Ländern, zu denen keine Zahlen zur Verfügung stehen, noch häufiger ist.

Magenkrebs tritt bei Männern und Frauen in Japan und Korea am häufigsten auf. In Nordamerika und Europa nehmen die Erkrankungszahlen seit Mitte des letzten Jahrhunderts ab, was Torre auf die sinkende Prävalenz von Helicobacter pylori zurückführt. Die Infektionen sind rückläufig, was Torre auf eine verbesserte Hygiene, Antibiotika und die zurückgegangene Konservierung von Nahrungsmitteln mit Salz zurückführt. Auch in Asien und Lateinamerika sei es jüngst zu einem Rückgang der Erkrankungszahlen gekommen, berichtete die Epidemiologin.

Leberkrebs tritt am häufigsten in Asien auf, wo auch die Hepatitis B und Hepatitis C am weitesten verbreitet sind, die beiden wichtigsten Risikofaktoren für Leberkrebs. Seit dort in einigen Ländern alle Kinder gegen Hepatitis B geimpft werden, sei ein Rückgang erkennbar. In den USA sei es dagegen zu einem Anstieg gekommen. Torre vermutet, dass die Verbreitung der Hepatitis C durch kontaminiertes Blut oder auch medizinische Geräte sowie der in den 1960er und 1970er Jahren verbreitete i.v.-Drogenkonsum dafür verantwortlich ist. Der Anstieg von Fettleibigkeit und Diabetes Typ 2 könnten ebenfalls eine Rolle spielen, vermutet die Forscherin.

Gebärmutterhalskrebs ist für die Forscherin das beste Beispiel für ein globales Ungleich­gewicht bei Krebserkrankungen. In den HIC ist der Tumor infolge des erfolgreichen Screenings mit App-Abstrichen sehr selten geworden. In den LMIC, wo dieses Screenings nicht angeboten wird, ist es die dritthäufigste Krebstodesursache bei Frauen geblieben. Durch die unterschiedliche Verfügbarkeit des HPV-Impfstoffs könnte sich das Ungleichgewicht in Zukunft weiter vergrößern. © rme/aerzteblatt.de

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