Medizin

Explosionstrauma: Kernspin zeigt Narben im Gehirn

Dienstag, 15. Dezember 2015

Bethesda – Soldaten, die nach einem Explosionstrauma über Symptome eines leichten Schädel-Hirn-Traumas klagten, wiesen in einer Studie in Radiology (Online) in einem hohen Prozentsatz Beschädigungen des Gehirns auf, die in einer Kernspintomographie sichtbar wurden.

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) wird als leicht eingestuft, wenn die Patienten nicht länger als 30 Minuten bewusstlos sind. Viele Patienten klagen später über Kopf­schmerzen, Stimmungsschwankungen oder auch kognitive Störungen. Bei bildgebenden Untersuchungen wie Computer- oder Kernspintomographie finden die Radiologen in der Regel keine Auffälligkeiten. Anders war dies in einer Gruppe von Soldaten, die nach Explosionen eine SHT erlitten, wie Gerard Riedy vom Walter Reed National Military Medical Center in Bethesda berichtet.

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Von den 834 aktiven Soldaten, die wegen eines leichten SHT behandelt wurden, hatten 84 eine oder mehrere Explosionen miterlebt und 63 Prozent hatten danach vorüber­gehend das Bewusstsein verloren. Mehr als die Hälfte der Soldaten (52 Prozent) wiesen hyperintense Läsionen in der T2-gewichteten Aufnahme der Kernspintomographie auf. Die meisten Patienten hatten mehrere Läsionen, bei einem 28-jährigen Soldaten zählten die Radiologen nicht weniger als 76 Läsionen, die Riedy als Folge einer strukturellen Verletzung des Gehirns deutet und als „Narbe“ bezeichnet.

Die Läsionen könnten durch das abrupte Auftreffen der Druckwellen auf den Kopf ausgelöst worden sein. Dafür sprechen auch die Veränderungen in der Hypophyse, die Riedy bei einem Drittel der Soldaten fand. Die Hypophyse liegt in einer knöchernen Vertiefung des Keilbeines, der Sella turcica. Dies könnte dazu führen, dass die Hirnanhangdrüse den Druckwellen, die nach einer Explosion durch das Gehirn geleitet werden, nicht ausweichen kann.

Frühere Untersuchungen haben laut Riedy gezeigt, dass es bei einem leichten SHT nach Explosionen häufig zu Funktionsstörungen der Hypophyse kommt. Die Hyperintensitäten seien nur die Spitze des Eisbergs, vermutet der Radiologe, der weitere Publikationen zu funktionellen Untersuchungen des Gehirns ankündigt. Die Kernspintomographie kann heute Nervenzellverbindungen und die Durchblutung einzelner Hirnregionen messen.

Die Befunde könnten die Differenzialdiagnose zur Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erleichtern, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen kann, jedoch als rein psychiatrische Störung ohne strukturelle Hirnschädigung eingestuft wird. © rme/aerzteblatt.de

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