Ärzteschaft

BÄK: Initiative zur Versorgungsforschung „in hohem Maße erfolgreich“

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Berlin – Experten aus Ärzteschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft haben bei einem Symposium der Bundesärztekammer (BÄK) die große Bedeutung der Versorgungsforschung für die Patientenversorgung in Deutschland betont. „Mit der Förderung der Versorgungsforschung hat die Bundesärztekammer ein wissen­schaftliches Instrument zur Untersuchung der Versorgung unter Alltagsbedingungen begonnen“, erinnerte BÄK-Präsident Frank Ulrich Montgomery. Im Rahmen ihrer Initiative zur Versorgungsforschung hat die Bundesärztekammer ab dem 108. Deutschen Ärztetag im Jahr 2005 entsprechende Projekte mit insgesamt fünf Millionen Euro gefördert.

„Diese Initiative ist in hohem Maße erfolgreich“, betonte Montgomery. Durch sie hätten viele Impulse zur Verbesserung der Patientenversorgung gegeben werden können, zum Beispiel bei der Palliativmedizin, der Prävention und dem Qualitätsmanagement. „Mittlerweile hat auch die Politik die Versorgungsforschung entdeckt“, so der BÄK-Präsident weiter.

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Mit der Implementierung des Innovationsfonds im Rahmen des GKV-Versorgungs­stärkungsgesetzes werde die Bedeutung der Versorgungsforschung als Instrument der Gesundheitssystemanalyse nicht nur wissenschaftlich, sondern auch politisch aner­kannt. „Dass wir das geschafft haben und dass es erfolgreich war, ist das Werk von Peter Scriba“, so Montgomery.

Peter Scriba /Lopata

Peter Scriba ist seit 2002 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer. Im August feierte er seinen 80. Geburtstag. Das Symposium wurde ihm zu Ehren ausgerichtet.

„Die besten Leitlinien der Welt kommen aus Deutschland“
„Die Versorgungsforschung will erreichen, dass der einzelne Patient so nah wie möglich an das Optimum der für ihn denkbaren Versorgung herangeführt wird“, erklärte Scriba. Die Ärzte­­kammern seien daran interessiert, die Ergebnisse aus der Versorgungs­forschung in Leitlinien zu übertragen. Die Initiative der BÄK sei zu einer Zeit durchgeführt worden, in der die Versorgungsforschung noch ein kümmerliches Dasein geführt habe. „Das war ein hervorragendes Signal an die Öffentlichkeit“, so Scriba.

Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, befand, dass die besten Leitlinien der Welt aus Deutschland kämen und dass sowohl Leitlinien als auch Richtlinien für ein sauberes Wissen im System sorgten. „Die Ärzteschaft hat auf freiwilliger Basis früh evidenzbasierte Medizin propagiert und Leitlinien erstellt – ohne  gesetzlichen Auftrag“, sagte Jonitz. Sehr gut sei es, dass sich jeder klinisch tätige Arzt über die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) in die Erstellung von Leitlinien einbringen könne.

Leitlinienkonforme Therapie kann Überleben deutlich verlängern
Rolf Kreienberg, Präsident, der AWMF, unterstrich am Beispiel der Brustkrebstherapie, welche Bedeutung Leitlinien für die Patientenversorgung haben. So habe im Rahmen einer Studie gezeigt werden können, dass eine nicht-leitlinienkonforme Therapie einen Überlebenszeitverlust von bis zu 30 Prozent bedeuten könne.

Thomas Mansky von der Technischen Universität Berlin betonte, dass Versorgungs­forschung unabhängig finanziert werden müsse. „Wir brauchen einen unabhängigen Zugriff auf die Versorgungsdaten“, sagte er. „Versorgungsforschung sollte neben der Begleitforschung zudem systematisch die Umsetzung von Strukturreformen unabhängig untersuchen.“ Dann könne sie auch zur Systemverbesserung beitragen.“ © fos/aerzteblatt.de

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