Medizin

Phase 1b Studie für neurogenes Antidepressivum abgeschlossen

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Boston – NSI-189-Phosphat, ein neu entwickeltes neurogen wirksames Medikament, konnte in einer Phase 1b Studie mit 24 Patienten, die an einer Major Depression leiden, erfolgreich getestet werden. Die Arbeitsgruppe um Maurizio Fava am Massachusetts General Hospital berichten in Molecular Psychiatry über die Ergebnisse (doi:10.1038/mp.2015.178).

Depressionen gehören zu den psychischen Erkrankungen mit einer eigentlich guten Prognose. Bei einer Subgruppe von Patienten können Therapieversuche jedoch frustran und langwierig sein. Patienten mit rezidivierenden schweren Depressionen stellen hierbei eine besonders gefährdete Gruppe dar. In eine ebenfalls in Molecular Psychiatriy veröffentlichten Metaanalyse konnten Wissenschaftler des VU Medisch Centrum in Amsterdam zeigen, dass diese Patienten, vermutlich als Folge ihrer Depression, eine Hippocampusatrophie erleiden. Diese kann ihrerseits das Depressionsrisiko erhöhen (doi:10.1038/mp.2015.69).

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Der vermutete Mechanismus hinter dieser Atrophie wird in einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol während einer depressiven Episode vermutet. Die Hippocampi besitzen zahlreiche Rezeptoren für Glukokortikoide, sodass erhöhte Cortisolspiegel hier ein Schädigungspotenzial entfalten könnten.

Die Forscher rekrutierten 24 Patienten mit einer schwere Depression (MDD= Major Depressive Disorder) für ihre Studie und therapierten sie über 28 Tage mit NSI-189 Phosphat. Diese Substanz ist in Vorexperimenten als ein stimulierender Faktor für die Neuro- und Synptogenese identifiziert worden und wird seitdem vom Hersteller und Finanzierer der Studie „Neuralstem, Inc“ für zahlreiche neurologische Erkrankungen getestet.

Die Patienten erhielten das Medikament in drei Gruppen in eskalierenden Dosierungen von 40 mg bis 120 mg täglich. Ein Viertel aller Patienten erhielt nur eine Schein­medikation.

Bei den Patienten traten durch das Medikament keine schweren Nebenwirkungen auf. Die Forscher stellten fest, dass Patienten am 28. Tag der Behandlung, sowie nach einem längeren Follow Up von 84 Tagen deutlich weniger Symptome der Depression zeigten als die Placebogruppe. In klinischen Scores wie dem MADRS erzielten die behandelten Patienten rund fünf Punkte weniger als die Vergleichsgruppe. Von den 18 behandelten Patienten zeigten zwölf ein hohes Ansprechen auf die Therapie mit einer Reduktion ihres MADRS Scores um 50 Prozent oder sogar einen normalen Score (Null bis sechs Punkte).

In vergleichenden MRT-Aufnahmen nahm in der behandelten Gruppe das Volumen des linken Hippocampus in einem statistisch nicht signifikanten Ausmaß zu, während in der scheinbehandelten Gruppe der rechte Hippocampus sich nach der Therapie signifikant vergrößerte. Die Wissenschaftler vermuten hier deshalb einen Zufallseffekt und nicht einen direkten Zusammenhang mit dem Medikament.

Die bisherigen Ergebnisse sprechen zunächst dafür, dass NSI-189-Phosphat ein verträgliches Medikament in der klinischen Anwendung sein könnte. Die Ergebnisse zeigen tendenziell auch eine klinische Wirksamkeit des Medikaments. Abschließend könnten dies aber erst größere Studien beantworten, hieß es aus der Arbeitsgruppe. © rme/aerzteblatt.de

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