Politik

Erneut Lieferengpass beim Krebsmedikament Melphalan

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Berlin – Das Krebsmedikament Melphalan ist wieder nur eingeschränkt verfügbar. Der Vertreiber dieses Arzneimittels hat jetzt mitgeteilt, dass die Lieferung von Melphalan kontingentiert wird. Ärzte sollten Behandlungen von Patienten nur dann beginnen, wenn die Versorgung sichergestellt sei. Es ist zurzeit nicht absehbar, ab wann dieses Arzneimittel wieder uneingeschränkt lieferbar sein wird. Bereits im vergangenen Sommer war das Medikament über fünf Wochen nicht oder nur eingeschränkt verfügbar.

Anzeige

„Immer wieder sind in den letzten Jahren Krebsmedikamente nicht lieferbar gewesen. Betroffen sind fast alle Krebserkrankungen“, kritisierte Mathias Freund, geschäftsführender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Die meisten Probleme entstünden bei Substanzen, die seit Jahrzehnten zugelassen und inzwischen außerhalb des Patentschutzes seien. Weltweit gebe es für diese Arzneimittel oft nur noch wenige Hersteller, manchmal auch nur einen einzigen. Defizite in der Herstellung, Verzögerung von Chargenfreigaben oder Lücken in der Herstellungskette führten unmittelbar zu Engpässen und Ausfällen. „Bei Melphalan liegt die Ursache bei dem einzigen europäischen Hersteller in Italien“, sagte Freund.

Melphalan ist unverzichtbar in der Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom. Es gehört seit Jahrzehnten zur Standardtherapie bei älteren Patienten. Bei jüngeren Patienten wird das Arzneimittel in hoher Dosierung im Rahmen der Stammzelltransplantation eingesetzt und führt zu einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit.

Die DGHO fordert die Bundesregierung angesichts des Engpasses auf, endlich aktiv zu werden. „Es ist absehbar, dass die Lieferengpässe bei Krebsmedikamenten Leben kosten werden. Der Gesetzgeber muss endlich handeln“, sagte Freund.

Die DGHO hat bereits vor zwei Jahren detaillierte Vorschläge für gesetzliche Maßnahmen gemacht, um Lieferengpässen entgegenzuwirken. Sie sehen unter anderem die befriste Verkehrserlaubnis und die Einfuhr formal nicht zugelassener Arzneimittel vor. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

29.09.16
Berlin – Bei der Ausschreibung von Zytostatika-Verträgen ziehen nach den elf AOKen nun auch die Barmer GEK und die Techniker Krankenkasse (TK) nach. Die gemeinsame Ausschreibung der beiden Kassen......
29.09.16
Berlin – Das Ausgabenvolumen für Arzneimittel steigt im kommenden Jahr um 3,3 Prozent. Darauf haben sich die KBV und der GKV-Spitzenverband geeinigt. Vereinbart wurde zudem ein Sonderausgabenvolumen......
26.09.16
Arzneimittelausgaben steigen weiter an
Berlin – Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind im Jahr 2015 um 1,5 Milliarden Euro auf 36,9 Milliarden Euro angestiegen. Damit erhöhten sich die Ausgaben für......
26.09.16
Berlin – Die Engpässe bei Impfstoffen reißen nicht ab. So ist im Augenblick nur ein einziger Impfstoff gegen Polio im Kinder- und Erwachsenenalter verfügbar. Das meldet der Branchendienst Apotheke......
21.09.16
Harare – Wegen eines Mangels an Schmerzmitteln wird in Simbabwes wichtigstem Krankenhaus vorläufig nicht mehr operiert. Die Opposition machte heute Präsident Robert Mugabe für den Verfall des......
07.09.16
Apotheker und Onkologen kritisieren Ausschreibung von Zytostatika
Berlin – Apotheker sowie verschiedene ärztliche Berufsverbände und Fachgesellschaften haben die Ausschreibung von Zytostatika durch mehrere große Krankenkassen kritisiert. „Mit einer solchen......
07.09.16
TK-Report: Nur eines von 23 neuen Arzneimitteln brachte therapeutischen Fortschritt
Berlin – Nur eines der 23 im Jahr 2013 auf den Markt gekommenen Arzneimittel hat einen therapeutischen Fortschritt gebracht. Das ist ein Ergebnis des Innovationsreports 2016, den das Forschungszentrum......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige