Medizin

Akute Appendizitis: Wenn Eltern die Therapieentscheidung treffen

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Columbus – Die Frage, ob ein Kind mit unkomplizierter Appendizitis operiert werden muss oder mit Antibiotika behandelt werden kann, ist unter Chirurgen höchst umstritten. Die wenigsten dürften dabei den Rat der Eltern einholen, doch eine US-Klinik hat mit dieser Strategie gute Erfahrungen gemacht, wie eine Studie im JAMA Surgery (2015; doi: 10.1001/jamasurg.2015.4534) zeigt.

Auch wenn mehrere ramdomisierte Studien gezeigt haben, dass Antibiotika bei einer unkomplizierten akuten Appendizitis effektiv und vor allem sicher sind, raten viele Chirurgen zu einer Operation, die das Problem ein für alle Mal beseitigt. Sie übersehen dabei jedoch, dass die Operation neben einem minimalen Komplikationsrisiko auch mit Belastungen verbunden ist, die das Kind und auch die Eltern zu tragen haben. Die Kinder sind nach der Operation zunächst krank geschrieben und dürfen einige Tage nicht, wie es ihrem Naturell entsprechen mag, herumtoben. 

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Peter Minneci und Mitarbeiter vom Nationwide Children's Hospital in Columbus/Ohio entschlossen sich deshalb, die Entscheidung über die Therapie den Eltern zu über­lassen. Die Ärzte stellten dabei jedoch sicher, dass es sich tatsächlich nur um eine unkomplizierte Appendizitis handelt. Die Leukozytenzahl durfte nicht über 18.000/µl liegen, das C-reaktive Protein sollte nicht höher als 4 mg/dl sein. Vor allem aber musste per Ultraschall oder Computertomographie eine Ruptur des Appendix ausgeschlossen werden. Der Durchmesser durfte nicht größer als 1,1 cm sein und es durfte keine Hinweise auf einen Abszess, einen Kotstein oder eine Phlegmone geben. 

102 Kinder erfüllten diese Voraussetzungen und Minneci ließ die Eltern entscheiden: 65 Eltern gingen auf Nummer sicher und votierten für eine sofortige Blinddarmoperation. Die anderen 37 gaben einer Antibiotika-Therapie den Vorzug. Zwei Kinder wurden dann doch noch während des Krankenhausaufenthalts operiert, weil sich die Schmerzen unter der Antibiotikabehandlung nicht gebessert hatten, fünf weitere wurden im Verlauf des nächsten Jahres appendektomiert. 

Doch bei 28 von 37 Kindern hatte sich die Entscheidung der Eltern als richtig erwiesen. Ihre Kinder waren nach durchschnittlich 8 Tagen wieder gesund, während die operierten Kinder 21 Tage benötigten, bis sie sich von dem Eingriff erholt hatten. Die Antibiotika-Gabe verlängerte zwar den Krankenhausaufenthalt, doch die Gesamtbehand­lungs­kosten waren laut Minneci mit 4.219 US-Dollar niedriger als bei einer operativen Behandlung, für die 5,029 US-Dollar in Rechnung gestellt wurden. © rme/aerzteblatt.de

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