Medizin

Impfung von Dromedaren könnte MERS stoppen

Sonntag, 20. Dezember 2015

München – Nach dem erfolgreichen Abschluss von tierexperimentellen Studien soll ein erster Impfstoff gegen das MERS-Coronavirus demnächst am Menschen getestet werden. Seit 2012 sind auf der arabischen Halbinsel – nach einem Export des Erregers aber auch in anderen Erdteilen bis hin nach Südkorea – mehr als 1.400 Menschen am Middle East Respiratory Syndrome (MERS) erkrankt. Bei etwa einem Drittel nahm die Erkrankung einen tödlichen Verlauf.

Ein Ende der Epidemie ist nicht abzusehen, da der Erreger, ein Verwandter des SARS-Coronavirus, aus einem Reservoir immer wieder auf den Menschen übergreift. Das wichtigste Reservoir sind vermutlich Dromedare, die anders als der Mensch nach einer Infektion allenfalls an einem Schnupfen mit leichtem Fieber erkranken.

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Eine hochwirksame Impfung der Tiere gilt derzeit als eine vielversprechende Strategie gegen die immer wieder auftretenden Infektionen von Menschen. Einer der ersten Impfstoffkandidaten ist MVA-MERS-S, der vor zwei Jahren von Gerd Sutter an der LMU-München entwickelt wurde. Er wurde inzwischen erfolgreich in Spanien an Dromedaren getestet. Wie das Team jetzt in Science (2015; doi: 10.1126/science.aad1283) berichtet, wurden vier Dromedare sowohl intranasal als auch intramuskulär mit MVA-MERS-S geimpft. Vier Wochen später erfolgte eine Auffrischung.

Alle Tiere entwickelten Antikörper gegen das MERS-Virus und waren drei Wochen später bei einer absichtlichen Inokulation mit dem MERS-Coronavirus vor einer Erkrankung geschützt, während es in einer Kontrollgruppee zu der erwarteten Nasen- und Nasennebenhöhleninfektion mit Symptomen wie bei einem kräftigen Schnupfen kam. Wie Science berichtet, soll bereits Anfang des nächsten Jahres in Hamburg mit einer Phase 1-Studie an gesunden Probanden begonnen werden. Sollten die klinischen Tests positiv ausfallen, scheint eine Wirksamkeit des Impfstoffes keineswegs gewiss.

Wie Yi Guan und Huachen Zhu von der Universität Hongkong ebenfalls in Science (2015; doi: 10.1126/science.aac8608) berichten, hat sich das Virus in der Dromedar-Population von Saudi-Arabien festgesetzt. Auf den lokalen Märkten war etwa ein Viertel der Tiere mit dem Virus infiziert, das sie vor allem über die Atemwege ausscheiden. Die Viren sind offenbar sehr mutationsfreudig. Guan und Zhu konnten insgesamt fünf ver­schiedene Arten identifizieren.

Alle enthielten sowohl Gensequenzen von für Menschen und Dromedaren typischen Coronaviren (eine Reihe von harmlosen Coronaviren lösen beim Menschen ebenfalls nur eine Erkältung aus). Die hohe Varianz und die Verwandtschaft zu menschlichen Viren bergen die Gefahr, dass die Viren sich in Zukunft weiter wandeln, was die Effektivität eines Impfstoffs abschwächen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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