Medizin

Fünf Gene verlängern das Leben

Freitag, 18. Dezember 2015

Palo Alto – Das Geheimnis eines langen Lebens ist die Vermeidung von chronischen Krankheiten. Ein Forscherteam aus Kalifornien hat deshalb in Genen, die in früheren Untersuchungen mit chronischen Erkrankungen assoziiert waren, nach Varianten gesucht, die das Leben verlängern. Neben der bekannten Assoziation mit Varianten im „Alzheimer-Gen“ APOE beschreiben sie in PLOS Genetics (2015; doi: 10.1371/journal.pgen.1005728) Varianten in vier weiteren Genen, deren Träger auf ein langes Leben hoffen dürfen.

Zwillingsstudien lassen vermuten, dass etwa 25 bis 30 Prozent der weit über 80-Jährigen ihr langes Leben den Genen verdanken. Welche dies sind, konnten die Forscher bisher nicht ermitteln – mit einer Ausnahme. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass bestimmte Varianten im APOE-Gen die Lebensphase eines Menschen verlängern. Das Team um Stuart Kim von der Stanford Universität in Palo Alto konnte dies jetzt bestätigen.

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Auf einem Abschnitt des Chromosoms 19, auf dem sich neben dem APOE-Gen auch das TOMM40-Gen befindet, fanden die Forscher ebenfalls Genvarianten, die mit einem langen Leben assoziiert sind. Der Grund liegt vermutlich in der Vermeidung von Alzheimerkrankheit, altersbedingter Makuladegeneration, koronarer Herzkrankheit oder eines hohen Gesamtcholesterins, die durch diese Gene beeinflusst werden.

Der zweite Genabschnitt (CDKN2B/ANRIL) befindet sich auf dem Chromosom 9p21. Die lokalisierten Gene steuern den Zellzyklus, dessen Beschleunigung mit einer frühzeitigen Alterung verbunden ist. Die „falschen“ Genvarianten sind hier mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ 2-Diabetes, intrakranielle Aneurysmen, eine amyotrophe Lateral­sklerose und einige Krebserkrankungen assoziiert. Die „richtigen“ Genvarianten sorgen für ein längeres Leben.

Das dritte protektive Gen ist ABO. Es enthält die Erbinformation für die Blutgruppe Null. Diese Blutgruppe ist bei Hundertjährigen besonders häufig. Kim vermutet, dass sie vor koronarer Herzkrankheit und Krebs schützt und einen niedrigen Cholesterinspiegel begünstigt.

Der vierte Genort enthält die Gene SH2B3 und ATXN2. Varianten in SH2B3, das ein Signalprotein kodiert, verlängern bei der Fruchtfliege die Lebensphase. Beim Menschen bietet sie nach den aktuellen Studienergebnissen einen Schutz vor Lungen- und Pankreaskrebs, koronarer Herzkrankheit und rheumatoider Arthritis. Außerdem haben sie einen Einfluss auf den diastolischen Blutdruck und die Knochenmineraldichte.

Der fünfte Genort enthält Gene für das humane Leukozytenantigen-System (HLA-System), genauer für die HLA-DR- und HLA-DQ-Gene. Sie wurden in früheren Untersuchungen mit mehr als 40 unterschiedlichen Erkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Narkolepsie, rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose und Myasthenia gravis. Die von Kim beschriebenen Genvarianten waren mit niedrigeren Cholesterinwerten und einem Schutz vor einer Rheumatoiden Arthritis assoziiert. 

Der Einfluss der einzelnen Gene scheint jedoch gering zu sein. Kim macht keine Angaben darüber, welchem Anteil die über 90- oder 100-Jährigen ihr langes Leben zu verdanken haben. Ein Gentest, mit dem junge Menschen ihre genetischen Chancen auf ein langes Leben ermitteln könnten, ist sicherlich nicht in Sicht. © rme/aerzteblatt.de

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