Medizin

Parodontitis begünstigt Mammakarzinom nach der Menopause

Dienstag, 22. Dezember 2015

Buffalo – Postmenopausale Frauen mit Parodontitis haben ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, insbesondere wenn sie in der Vergangenheit geraucht haben. Dies kam in der Auswertung einer prospektiven Beobachtungsstudie in Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention (2015; doi:10.1158/1055-9965.EPI-15-0750) heraus.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass eine Parodontitis mit einer erhöhten Rate von Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse und Lunge assoziiert sind. Es lag für Jo Freudenheim von der Universität Buffalo im US-Staat New York deshalb nahe, nach einer Verbindung zum Brustkrebs zu suchen. Die Women's Health Initiative Observational Study erwies sich als eine geeignete Kohorte. Von den 73.737 postmenopausalen Frauen sind 2.124 während einer Beobachtungszeit von 6,7 Jahren an einem invasiven Mammakarzinom erkrankt.

Anzeige

Frauen mit einer Parodontitis hatten ein um 14 Prozent erhöhtes Risiko. Aufgrund der hohen Fallzahl war die Hazard Ratio von 1,14 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,03 bis 1,26 statistisch signifikant. Da Rauchen ein wichtiger Risikofaktor für die Parodontitis ist, untersuchte Freudenheim auch den Zusammenhang mit dem Rauchen.

Dabei stellte sich heraus, dass insbesondere Frauen mit Parodontitis, die in den letzten 20 Jahren das Rauchen aufgegeben hatten, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben. Die Hazard Ratio betrug 1,36 (1,05-1,77). Bei aktiven Rauchern war das Ergebnis ähnlich. Ihr Brustkrebsrisiko war bei einer Parodontitis um 32 Prozent erhöht. Die Hazard Ratio von 1,32 verfehlte mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,83 bis 2,11 wohl nur deshalb das Signifikanzniveau, weil es in dieser Gruppe nur wenige Brustkrebs­erkrankungen gab, vermutet Freudenheim.

Da die Parodontitis mit einem Anteil von 26,1 Prozent an allen Frauen sehr häufig war, ist auch der Anteil der Brustkrebserkrankungen hoch, der durch die Parodontitis insbesondere in Verbindung mit Rauchen verursacht wird. Freudenheim errechnet ein attributables Risiko („population attributable fraction“) von 12 Prozent für die ehemaligen und von 11 Prozent für die aktiven Raucherinnen.

Trotz dieser Zahlen hält Freudenheim eine Kausalität nicht für erwiesen, zumal die Pathogenese nicht ganz klar ist. Eine mögliche Erklärung ist, dass die mit einer Parodontitis verbundene systemische Entzündung auf das Brustgewebe einwirkt. Denkbar ist aber auch, dass Bakterien aus dem Mund einen Einfluss haben. Die Mundflora von Rauchern und Nichtrauchern unterscheidet sich laut Freudenheim signifikant und die Parodontitis führt dazu, dass immer wieder Bakterien in den Kreislauf gelangen. Über welche Weg dies die Entwicklung eines Mammakarzinoms fördert, kann der Epidemiologe jedoch nicht erklären. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

06.12.16
Kritik am IQWiG-Bericht zu Biomarker-Tests
Berlin/Köln – Kritik am gestern vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) publizierten Abschlussbericht „Biomarker-basierte Tests zur Entscheidung für oder gegen......
05.12.16
IQWiG: Biomarker-Test bei Brustkrebs derzeit keine Entscheidungs­grundlage für Chemotherapie
Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht derzeit weder einen Nutzen noch einen Schaden für eine Patientin mit einem primären Mammakarzinom, wenn sie......
02.12.16
Brustkrebs: Studie bestätigt Bioäquivalenz von Biosimilar für Trastuzumab
San Francisco – Das erste Biosimilar des Krebsmedikaments Trastuzumab steht in den USA und in Europa vor der Zulassung. Der Hersteller hat kürzlich die Anträge eingereicht. Grundlage sind die......
16.11.16
Brustkrebs: IQWiG findet Vorteile von Aromatasehemmern
Köln – Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium profitieren von einer Therapie mit Wirkstoffen aus der Klasse der Aromatasehemmer. Das ist das Ergebnis eines Abschlussberichtes, den das Institut für......
09.11.16
Mammafrühkarzinom: Studie findet keine Vorteile durch maßgeschneiderte Chemotherapie
Stockholm – Die Behandlungsergebnisse beim Mammakarzinom sind mittlerweile so gut, dass weitere Verbesserungen sich nur schwer belegen lassen. Diese Erfahrung musste auch eine ambitionierte Studie aus......
21.10.16
Stockholm – Die schwedische Krebsgesellschaft hat mit einem öffentlichen Protest erreicht, dass ein Video auf ihrer Facebook-Seite heute wieder freigeschaltet wurde. Der Film zeigt auf animierte......
14.10.16
Houston – Der CDK4/6-Inhibitor Ribociclib, der in hormonabhängigen Brustkrebszellen den Zellzyklus stoppt, hat in einer Phase 3-Studie in einer Erstlinientherapie in Kombination mit Letrozol das......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige