Medizin

Schlaftablette könnte Erholung nach Schlaganfall beschleunigen

Montag, 21. Dezember 2015

Palo Alto – Das Schlafmittel Zolpidem, das seine hypnotische Wirkung durch eine Stimulierung inhibitorischer GABA-erger Neuronen im Gehirn erzielt, hat in tierexperimentellen Studien in Brain (2015; doi: 10.1093/brain/awv360) die Erholung von Mäusen nach einem Schlaganfall beschleunigt. Die Wirkung wurde bereits bei subhypnotischen Dosierungen beobachtet. Für einen klinischen Einsatz ist es nach Ansicht der Autoren jedoch zu früh.

Mäuse erholen sich besser von einem Schlaganfall als Menschen. Ihre Hirnzellen verfügen über eine hohe Plastizität, mit der überlebende Neuronen aus den Randzonen des Hirninfarktes die Funktion der untergegangenen Hirnzellen übernehmen. Bei der Erforschung der Nervenzellen in einer Randzone haben Gary Steinberg von der Stanford University School of Medicine in Palo Alto und Mitarbeiter entdeckt, dass die Nervenzellen wenige Wochen nach dem Infarkt vermehrt Rezeptoren für den Neurotransmitter GABA bilden und dies in einer Zone der Großhirnrinde, die dafür bekannt ist, dass sie neue Nervenverbindungen herstellen kann.

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Diese Beobachtung brachten die Forscher auf die Idee, die Tiere in der Erholungsphase nach einem Schlaganfall mit Zolpidem zu behandeln. Zolpidem ist ein GABA-Agonist, der selektiv auf die Rezeptoren an den Synapsen wirkt. Dies ist wichtig, da frühere Untersuchungen gezeigt hatten, das eine Stimulierung von extrasynaptischen GABA-Rezeptoren die Erholung nach einem Schlaganfall eher behindert. Zolpidem stimuliert diese extrasynoptischen GABA-Rezeptoren kaum.

Die Forscher testeten Zolpidem in zwei Versuchen. Beim ersten Versuch bestimmte Steinberg die Zeit, die die Tiere benötigten, um ein Klebeband von ihren Pfoten zu entfernen. Dieser natürliche Reflex der Tiere war nach einem Schlaganfall, der die somatomotorische Rinde der Großhirnrinde geschädigt hatte, verlangsamt. Die Behandlung mit Zolpidem beschleunigte die Erholungszeit. In dem anderen Versuch mussten die Tiere auf einem sich drehenden Glasstab balancieren. Dies lernten die Tiere nach einem Infarkt, der ihre sensorischen Fähigkeiten herabgesetzt hatte, schneller, wenn sie mit Zolpidem behandelt wurden.

Steinberg nutzte bei den Versuchen eine Zolpidem-Dosis, die keine Müdigkeit verur­sacht. Die Versuchung, die Behandlung in der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten einzusetzen, dürfte deshalb groß sein. Der Forscher rät derzeit davon ab. Das Gehirn von Mäusen und Menschen unterscheidet sich stark und eine Übertragbarkeit ist nicht gewährleistet. Steinberg plädiert dafür, zunächst weitere Tierversuche durchzuführen, bevor mit klinischen Studien begonnen werden könne. © rme/aerzteblatt.de

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