Medizin

Altersbedingte Makuladegeneration: Studie findet weitere Risikogene

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Ann Arbor – Die bisher größte genomweite Assoziationsstudie hat 52 Genvarianten an 34 Stellen des menschlichen Erbguts gefunden, die zusammen mehr als die Hälfte der genetischen Prädisposition bei der altersbedingten Makuladegeneration erklären. Einige Genvarianten lieferten dabei laut der Publikation in Nature Genetics (2015: doi: 10.1038/ng.3448) wichtige Hinweise für das Verständnis der häufigen Erkrankung.

Bei etwa 5 Prozent aller Menschen europäischer Herkunft kommt es im höheren Alter zu einer Störung der Netzhaut im Bereich des schärfsten Sehens, das für viele Tätigkeiten des Alltags von Lesen bis Autofahren benötigt wird. Diese altersbedingte Makulade­generation (AMD) ist gekennzeichnet durch eine Funktionsstörung des retinalen Pigmentepithels mit einem darauf folgenden Verlust von Photorezeptoren.

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Es kommt zunächst zu einer trockenen AMD und bei einigen Patienten infolge einer pathologischen Gefäßneubildung auch zur feuchten AMD. Die Ursache ist unbekannt und bei der trockenen AMD gibt es auch keine Therapie. Das Fortschreiten der feuchten AMD kann durch Lasertherapie oder Angiogenesehemmer begrenzt werden.

Frühere genetische Studien hatten bereits Genvarianten in 21 Regionen des Erbguts mit einer erhöhten Anfälligkeit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Um weitere zu finden, hat das International AMD Genomics Consortium jetzt bei 43.566 Menschen mit überwiegend europäischer Abstammung einen Genvergleich zwischen Patienten mit AMD und Gesunden durchgeführt.

Dabei wurde das Erbgut an nicht weniger als 12 Millionen Stellen verglichen. Das Forscherteam um Sudha Iyengar von der Case Western Reserve University, Gonçalo Abecasis von der Universität von Michigan und Iris Heid von der Universität Regensburg konnte die Rolle von zwei Genen, CFH und TIMP3, bestätigen und neue Assoziationen beschreiben.

Die Rolle des Gens CFH (complement factor H), das einen Bestandteil des Immunsystems kodiert, ist unklar. Einige Forscher vermuten, dass es an der Entwicklung der Drusen beteiligt ist, die sich bei der trockenen AMD bilden. TIMP3 kodiert eine Peptidase, die am Abbau der extrazellulären Matrix beteiligt ist. Mutationen in diesem Gen wurden in früheren Studien bereits mit der Fundus-Dystrophie vom Typ Torsby in Verbindung gebracht.

Dieses autosomal dominante Erbleiden führt bereits vor dem 45. Lebensjahr zu einer Atrophie der Netzhaut, die der AMD ähnelt. Die Forscher entdeckten noch neun weitere Genvarianten, die im Stoffwechsel der extrazellulären Matrix von Bedeutung sind. Störungen in diesem Bereich sind möglicherweise für einen Subtyp der AMD verant­wortlich, der ohne Vorwarnung zu einer Verschlechterung der Sehkraft führt.

Sollte sich aus diesen Varianten ein Gentest konstruieren lassen, könnte dies eine Früherkennung möglich machen. Eines der Gene, MMP9, war nur mit der feuchten Variante der AMD assoziiert. Sein Genprodukt könnte für die Integrität der Bruch-Membran wichtig sein, die die Retina gegenüber der Aderhaut abdichtet. Eine Störung an dieser Stelle könnte das Einsprossen von Blutgefäßen in die Retina ermöglichen, die für die feuchte AMD kennzeichnend sind. © rme/aerzteblatt.de

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