Medizin

Wie sich ein plötzlicher Herztod ankündigt

Dienstag, 22. Dezember 2015

Los Angeles – Ein plötzlicher Herzstillstand, der meist die Folge einer Herzrhythmus­störung ist, kündigt sich bei jedem zweiten Patienten in den Tagen und Wochen zuvor durch Symptome wie Brustschmerzen oder Atemnot an, deren Beachtung laut einer Kohortenstudie in den Annals of Internal Medicine (2015; doi: 10.7326/M14-2342) die Überlebenschancen erhöht.

Seit 2002 geht Sumeet Chugh vom Cedars-Sinai Heart Institute in Los Angeles den Ursachen von allen plötzlichen Herzstillständen im US-Staat Oregon nach. Der Forscher sammelt Informationen zu den Aktivitäten der Patienten in den letzten vier Wochen vor dem Herzstillstand, er interviewt die Überlebenden, erkundigt sich bei Familien­mitgliedern und Freunden und studiert alle medizinischen Aufzeichnungen und Notfallprotokolle. Seine jüngste Analyse basiert auf 839 Patienten. 

Anzeige

Chugh kann zeigen, dass 430 Patienten, also etwa die Hälfte, in den Tagen vor dem Ereignis Warnsymptome hatten. Am häufigsten waren dies Brustschmerzen und Atemnot, die auf eine vorübergehende Störung der Herzfunktion schließen lassen. Fast alle Patienten (93 Prozent) hatten die Symptome auch am Tag vor ihrem plötzlichen Herzstillstand erlebt. Die meisten Patienten ignorierten sie. Nur jeder fünfte Patient alarmierte einen Notarzt. Von diesen Patienten sollten 32,1 Prozent später den plötzlichen Herzstillstand überleben. Bei den Patienten, die nicht auf die Warnsignale reagierten, überlebten nur 6 Prozent.

Chugh rät deshalb allen Menschen, die ohne erkennbare Ursache kardiale Symptome haben, einen Arzt aufzusuchen. Brustschmerzen oder Atemnot können neben einem drohenden Herzstillstand auch einen bevorstehenden Herzinfarkt ankündigen. Auch dann kann eine rechtzeitige Diagnose das Leben der Patienten retten. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Widerstand
am Mittwoch, 23. Dezember 2015, 16:10

...Analyse basiert auf 839 Patienten

Also ich hatte vor 3 Jahren einen Infarkt und seit dem immer wieder Druckschmerz, Extrasystolen, Aussetzer, Brennschmerz, Atemnot.
Ich nehme ausschließlich Strophantus gratus und lebe noch immer, obwohl sogenannte Ärzte mich für verrückt erklärten.
Und dann soll eine Analyse von 839 Personen beweiskräftig sein. Könnte es sein, dass Medizin für Pharmalobby und zu vielen "Ärzten" einen vergnügliche, einträgliche Spielwiese ist? Wenn es z.b. um Strophantus geht, dann fordern alle plötzlich Studienergebnisse von über 10.000 Herzpatienten, ansonsten sind sie nicht ernst zu nehmen. Und auch das es jahrzehntelang das Mittel der Wahl war, hat keine Bedeutung.
Aber RR rauf, dann runter, dann rauf.... oder Lipidsenker nützlich, wichtig, teuflisch, überflüssig, wichtig...
Ich würde vorschlagen: Herr Frau "Dr" hören Sie auf Ihre Patienten und jagen die Pharmavertreter mit Geschenken zum Teufel und glauben Sie keiner Studie, deren Ergebnisse nicht von mindestens 10.000 Patienten stammen und weniger als 10 Jahre Forschung andauerten.
kairoprax
am Dienstag, 22. Dezember 2015, 22:16

sind Ankündigungen ex post wirklich hilfreich?


Eigentlich ist es logisch und nachvollziehbar, daß Menschen, die einem Herzstillstand zum Opfer fallen, irgendwann in der jüngeren Anamnese auch irgendwie geartete Herzempfindungen hatten, expressis verbis Atemnot und Brustschmerzen.

Dem stehen aber Menschen gegenüber, die solche Symptome haben und nicht verstorben sind, sogar solche, die nicht einmal manifeste Herzerkrankungen haben.

Wie oft hört man aber von nahestehenden Personen, daß der Verstorbene in der jüngsten Zeit häufig depressiv gewesen sei? Hätte man deswegen alle Depressiven zum Kardiologen überweisen müssen? Oder es handelt sich um noch vagere Andeutungen, um Übelkeit, Schwindel, Inappetenz.

Klar, daß man ex post allen diesen das Leben hätte retten können - mit allen Vorbehalten - hätte man diese "Zeichen" richtig gedeutet.

Tatsache laut der Studie ist genauso, daß die meisten Menschen diese Symptome (sind es Symptome?) ignorieren. Tatsache ist bei genauerer Betrachtung auch, daß der Teil, der solche Symptome (nennen wir sie so) nicht ignoriert, garnicht unter das Raster fällt.
Stirbt ein solcher Mensch nämlich, dann hat sein Nicht-Ignorieren ihm nichts genutzt.
Stirbt er nicht, dann hatte er keine Vorzeichen eines tödlichen Herzstillstandes.
Erweisen sich die Symptome als Symptome anderer Dinge, wie etwa Brustwirbelblockaden oder Darminfekten, lagen sogar kardiologische Fehleinschätzungen vor.

Der Wunsch dürfte die Mutter des Gedankens sein, eine Katastrophe vorauszusagen.
5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

23.05.16
Florenz – Nur zwei von drei Patienten, die erstmals wegen einer Herzinsuffizienz im Krankenhaus waren, kehren nach einem Jahr zurück an ihren Arbeitsplatz. Vor allem ältere Patienten zwischen 51 und......
20.05.16
Prädiabetes: Individuelles Risiko für Herz-­Kreislauferkrankungen und Erfolg von Lebens­stilintervention voraussagen
Tübingen - Menschen mit Prädiabetes haben ein erhöhtes Risiko für diverse Folgeerkrankungen. Das individuelle Risiko unterscheidet sich jedoch deutlich. Neue Analysen zeigen, dass die Untersuchung auf......
04.05.16
Neue vollautomatische Laborstraße im Herz- und Diabeteszentrum NRW
Bad Oeynhausen – Am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), einer Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, nimmt ein vollautomatisiertes Großlabor seine Arbeit auf. Die 30 Meter lange Anlage......
02.05.16
Knapp 6.000 OPs bei Kindern mit angeborenem Herzfehler pro Jahr
Berlin – Jedes Jahr kommen in Deutschland rund 7.500 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Spezialisten in bundesweit 31 Herzzentren haben sie im vergangenen Jahr 5.892 Mal operiert. 2.777......
22.04.16
Sachsen-Anhalt verstärkt Versorgung von Herz-Kreis­lauf-Patienten
Halle – In Halle gründet die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität dieses Wochenende das Mitteldeutsche Herzzentrum (MDHZ). Das neue Zentrum soll die Versorgung der Patienten in......
21.04.16
Einsamkeit ist schlecht für Herz und Kreislauf
York – Die Gefühle von Einsamkeit und sozialer Isolierung erhöhen einer Meta-Analyse in Heart (2016; doi: 10/1136/heartjnl-2015-309242) zufolge das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Die......
14.04.16
Ernährung: Alte Studie, neu entdeckt, bezweifelt Nutzen von pflanzlichen Fetten
Chapel Hill – Die Analyse einer vor mehr als 40 Jahren durchgeführten randomisierten Studie, deren Unterlagen kürzlich im Keller des ehemaligen Studienleiters gefunden wurden, stellt das langjährige......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige