Medizin

Ursache für Lähmungen in Kalifornien weiter ungeklärt

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Palo Alto – Die Ursache für die Häufung von schlaffen Lähmungen, zu denen es in den letzten Jahren in Kalifornien bei Kindern und jungen Erwachsenen gekommen ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Sicher ist nur, dass es sich nicht um Polio-Erkrankungen handelt.

Im Frühjahr 2012 waren dem California Department of Public Health (CDPH) drei Erkrankungen von Kindern an einer akuten schlaffen Lähmung gemeldet worden, die ersten Fälle seit 14 Jahren. Die Symptome glichen denen einer Polio-Erkrankung. Auch wenn eine Infektion mit dem Poliomyelitis-Virus rasch ausgeschlossen werden konnte, sie ist seit 1979 in den USA nicht mehr aufgetreten, war das CDPH alarmiert. Die Behörde richtete eine Surveillance ein.

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In den folgenden Monaten wurden weitere Erkrankungen bekannt. Bis Juli 2015 kam es in dem bevölkerungsreichen Staat zu 59 Erkrankungen. Eine starke Häufung trat zwischen August 2014 und Januar 2015 auf. Sie fiel mit einer Epidemie von Atemwegs­erkrankungen durch das Enterovirus D68 zusammen. Ein Zusammenhang mit dem Erreger wurde vermutet und bei 15 Patienten konnten mit der Polymerasekettenreaktion Gene von Enteroviren nachgewiesen werden. Der Typ D68 lag jedoch nur bei 9 Patienten vor und bei keinem Patienten konnten die Viren im Liquor nachgewiesen werden.

Dass Enteroviren für die Erkrankungen verantwortlich sind, ist deshalb für Keith van Haren von der Stanford Universität in Palo Alto, der die Fälle jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 314: 2663-2671) vorgestellt hat, nicht erwiesen. Für eine virale Genese sprechen laut van Haren jedoch, dass von den 59 Patienten 54 vor Beginn der akuten Lähmung über respiratorische und/oder gastrointestinale Symptome geklagt hatten, 41 Patienten hatten Fieber gehabt und 41 litten vor den Lähmungen unter Gliederschmerzen.

Die wichtigste Differenzialdiagnose wäre eine traverse Myelitis, eine Autoimmun­erkrankung, die mit Immunsuppressiva behandelt wird. Van Haren rät davon ab, da bei zwei Patienten die schlaffen Lähmungen aufgetreten waren, nachdem sie wegen asthma-ähnlicher Symptome mit oralen Steroiden behandelt wurden.

Auch die Tatsache, dass die einzigen beiden Todesfälle bei Patienten mit einer Immunschwäche auftraten, sollten ein Warnzeichen sein. Anders als bei einem Guillain-Barré Syndrom haben sich die meisten Patienten nicht von ihren Lähmungen erholt. Von 45 Patienten, die nachbeobachtet werden konnten, litten 38 auch nach median 9 Monaten noch unter einer anhaltenden Schwäche der Muskulatur.

Inzwischen ist die Epidemie abgeklungen. In Kalifornien wurde seit Januar 2015 keine neue Erkrankung mehr bekannt. © rme/aerzteblatt.de

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