Medizin

Pathologische Kriterien der Boxerdemenz festgelegt

Montag, 28. Dezember 2015

Boston – Forscher der amerikanischen Foundation of the National Institutes of Health haben jetzt die Diagnosekriterien für die chronische traumatische Enzephalopathie festgelegt. Die Expertengruppe mit sieben Neuropathologen um Ann McKee an der Boston University berichtet in Acta Neuropathologica über die krankheitsspezifische Histopathologie der Erkrankung (doi:10.1007/s00401-015-1515-z).

Erste Bekanntheit erlangte die chronische traumatische Enzephalopathie (CTE) als Dementia Pugalistica – die sogenannte Boxerdemenz. Durch repetitive leichte Traumata des Gehirns, zum Beispiel Boxschläge, kommt es zur Ablagerung von hyperphos­porylierten Tau-Proteinen im Hirngewebe. Das pathologische Bild ähnelt dem Morbus Alzheimer. Betroffene leiden unter Konzentrations- und Erinnerungsschwächen und in einigen Fällen auch unter motorischen Störungen. Sehr typisch für die Erkrankung sind eine depressive Verstimmung, Verlust der Impulskontrolle und Suizidversuche.

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Ältere Schätzungen gehen davon aus, dass ein Fünftel aller Profiboxer an einer CTE erkrankt. Das Risiko besteht jedoch auch für andere Sportarten. Im American Football oder Eishockey wurden in der Vergangenheit regelmäßig Fälle von Betroffenen bekannt. Bei deutschen Fußballspielern konnten Forscher der Ludwigs-Maximilians-Universität München und der Harvard Medical School auch Schädigungen feststellen, die ein Risiko für eine CTE darstellen könnten (doi:10.1001/jama.2012.13735). Diese stehen vermut­lich in Zusammenhang mit Kopfbällen und dem mitunter starken Körpereinsatz in Zweikämpfen.

Die Erforschung der Erkrankung ist nach wie vor schwierig. Warum welche Sportler erkranken oder auch gesund bleiben, ist unklar. Auch zu der tatsächlichen Häufigkeit der CTE bleiben viele offene Fragen, da sich die Forschung für gewöhnlich auf Fallserien beschränkt. Für das pathologische Muster im Hirngewebe gab es bisher zwar Anhaltspunkte, jedoch noch keine einheitliche Definition.

In der Studie analysierten sieben Neuropathologen verblindet 25 pathologische Präparate mit verschiedenen Tauopathien, wie Morbus Alzheimer, CTE, frontobasalen Degenerationen oder dem ALS-Parkinson-Demenz-Komplex. Anhand von bekannten Veränderungen bei der CTE sollten die Pathologen die korrekte Diagnose stellen und so die pathognomischen Veränderungen der CTE festlegen.

Für alle Präparate war die Übereinstimmung in der Diagnosestellung gut (Cohen’s kappa, 0,67), wobei sie für die CTE sehr hoch lag (Cohen’s kappa, 0,78). Die typischen Veränderungen anhand derer die Pathologen die Erkrankung erkannten und definierten waren eine perivaskuläre Akkumulation von Tau-Protein in Neuronen und Astrozyten.

Die Ablagerungen waren unregelmäßig in den Tiefen der kortikalen Sulci verteilt. Die Forscher fanden noch weitere eher unspezifische Ablagerung von hyperphos­phorylierten prä-Tau in unterschiedlichen Lokalisationen des Gehirns. Anhand ihrer Diagnosekriterien waren die CTE-Fälle sicher zu identifizieren.

Mit ihrer Studie konnten die Forscher nachweisen, dass die CTE eine eigenständige Erkrankung ist, welche sich von anderen Tauopathien pathologisch abgrenzt. Die Forscher hoffen, mit ihren festgelegten Diagnosekriterien ein vergleichbares pathologisches Muster zu definieren, um so die Erforschung der Erkrankung zu erleichtern. © hil/aerzteblatt.de

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