Politik

Wunden bei diabetischem Fußsyndrom schließen sich mit hyperbarer Sauerstofftherapie schneller

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht einen Beleg dafür, dass sich Wunden bei diabetischem Fußsyndrom mit hyper­barer Sauerstofftherapie (HBO) schneller schließen. Aber: Für keinen der übrigen patientenrelevanten Endpunkte sieht das Institut einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Mit anderen Worten: Die Wunden schließen sich offenbar schneller, es bleibt aber unklar, ob die Patienten davon profitieren.

Dafür gibt es zwei Gründe: Entweder enthielten die Studien keine Daten zu weiteren patientenrelevanten Endpunkten. Das gilt für die Zielkriterien Schmerz, dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Abhängigkeit von Fremdhilfe oder Pflege­bedürftigkeit. Oder die einbezogenen Studien enthielten zwar verwertbare Daten, diese zeigen aber keine relevanten Unterschiede zwischen der herkömmlichen Therapie und der ergänzenden HBO. Das trifft zu auf die Zielkriterien Sterblichkeit, Amputation, gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie Dauer des Klinikaufenthalts.

Anzeige

Ist bei Menschen mit Diabetes mellitus der Blutzuckerspiegel über viele Jahre zu hoch, kann dies die Blutgefäße schädigen. Kleinere Wunden, die bei Menschen mit Diabetes ohnehin schlecht heilen, werden wegen der auftretenden Polyneuropathie häufig erst spät bemerkt. Kommt eine Infektion hinzu oder stirbt das Gewebe ab, kann beim sogenannten diabetischen Fußsyndrom im schlimmsten Fall eine Amputation erforderlich werden.

Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) sitzen die Patienten in einer speziellen Kammer und atmen dort unter erhöhtem Luftdruck meist reinen Sauerstoff ein. Dies soll das Blut mit Sauerstoff anreichern und eine bessere Durchblutung auch des Wundgebiets fördern.

Insgesamt konnten die IQWiG-Wissenschaftler acht randomisierte kontrollierte Studien in ihre Bewertung einbeziehen. Allerdings ist darunter nur eine Studie, die ein niedriges Verzerrungspotenzial hat und deren Ergebnisse deshalb mit größerer Sicherheit interpretiert werden können. Bei den übrigen blieb häufig unklar, wie die Teilnehmer zu den jeweiligen Gruppen zugeteilt wurden und die Studien waren meist nicht verblindet. Hinzu kommt, dass die Studien sehr unterschiedliche Patienten eingeschlossen hatten.

Das IQWiG bittet nun um Stellungnahmen zum Vorbericht. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Herz1952
am Mittwoch, 30. Dezember 2015, 16:10

Kein Profit für Patienten?

So ein Schwachsinn, dass Patienten bei schnellerem Wundverschluss nicht profitieren, das kann eigentlich nur von diesem Institut stammen.

Den Patienten darf es offensichtlich nicht besser gehen durch eine neue Therapie. Es könnte sogar sein, dass durch schnelleren Wundverschluss auch Patienten mit Ulcus davon profitieren könnten.

Aber dieses Institut stellt die Wirtschaftlichkeit vor die Gesundheit von Kranken und schont damit nur den Geldbeutel der gesunden Versicherten. Aber diese können auch mal krank werden und in den letzten 6 bis 8 Lebenswochen können durchaus auch deren Beiträge dafür "draufgehen".

Dieses Gesundheitssystem wird immer mehr zu einer Diktatur der (noch) Gesunden gegenüber den Kranken.
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

29.06.16
Arme und alleinstehende Typ 2-Diabetiker sterben früher
Göteborg – Ein niedriges Einkommen und der fehlende Rückhalt einer Ehe erhöhen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes das Sterberisiko. Dies zeigen die Ergebnisse einer Kohortenstudie in JAMA Internal......
21.06.16
Berlin – Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat der Fixkombination von Sacubitril und Valsartan (Handelsname Entresto) für Patienten mit Herzinsuffizienz einen beträchtlichen Zusatznutzen......
20.06.16
Anteil der schweren Adipositas in Deutschland nimmt zu
Berlin – Die Ergebnisse des neu erschienenen "Weißbuchs Adipositas" seien besorgniserregend, erklärte heute Hans-Holger Bleß, Autor und Leiter des Bereichs Versorgungsforschung am IGES Institut. Zwar......
17.06.16
Bestimmte pflanzliche Kost kann Diabetes-Risiko erhöhen
Boston – Nicht jede vegetarische Ernährungsweise kann einem Typ-2-Diabetes vorbeugen. Es gibt auch „ungesunde“ pflanzliche Lebensmittel, deren häufiger Verzehr in einer prospektiven Kohortenstudie in......
16.06.16
Würzburg – Der SGLT2-Hemmer Empagliflozin, der in der Niere die Resorption von Glukose und Natrium hemmt, hat in einer sogenannten Endpunktstudie an Patienten mit Typ-2-Diabetes das Fortschreiten der......
16.06.16
Glukosemessung mit Real-Time-Mess­geräten künftig GKV-Leistung
Berlin – Die kontinuierliche interstitielle Glukosemessung mit Real-Time-Messgeräten (rtCGM) wird für Diabetiker, die einer intensivierten Insulinbehandlung bedürfen, eine Leistung der gesetzlichen......
15.06.16
Chapel Hill/North Carolina – Das Inkretin-Mimetikum Liraglutid, das neben dem Blutzucker auch Blutdruck und Körpergewicht geringfügig reduziert, hat in einer sogenannten Endpunktstudie das......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige