Medizin

USA: Hausgeburten mit erhöhtem perinatalem Risiko

Montag, 4. Januar 2016

Portland – Während geplante Hausgeburten in England und den Niederlanden nicht mit einem erhöhten Risiko für Mutter und Kind verbunden sind, kommt es in den USA häufiger zu Komplikationen und perinatalen Todesfällen, wie die Untersuchung aus Oregon im New England Journal of Medicine (2015; 373: 2642-2653) zeigt.

Hausgeburten waren in den USA zuletzt extrem selten. Der Anteil lag vor einem Jahrzehnt bei 0,6 Prozent und von diesen Geburten war jede vierte ungeplant, das heißt die Frauen hatten es nach Einsetzen der Wehen nicht mehr rechtzeitig in die Klinik geschafft. Das American College of Obstetricians and Gynecologists stellte 2011 in einer Stellungnahme klar, dass sie zwar das Grundrecht der Frauen akzeptiere, den Ort der Geburt frei zu bestimmen. Kliniken und Geburtszentren seien jedoch die sichersten Orte für eine unkomplizierte Geburt, wurde im Hinblick auf ein erhöhtes perinatales Sterberisiko bei einer geplanten Hausgeburt argumentiert.

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Auch in der Öffentlichkeit galt der Wunsch einer Mutter, das Kind zuhause zur Welt zu bringen, als unverantwortlich gegenüber dem Kind. Inzwischen hat sich die öffentliche Meinung geändert. Der Anteil der geplanten Hausgeburten ist auf 1,29 Prozent gestiegen. In Oregon bekamen 2012 immerhin 2,4 Prozent der Frauen ihr Kind zuhause. Weitere 1,6 Prozent wurden in Geburtszentren entbunden, die von Hebammen geleitet werden. Dies ist wenig im Vergleich zu Großbritannien, wo der Anteil der Hausgeburten bei 8 Prozent liegt, oder den Niederlanden, wo jede fünfte Frau zuhause gebärt.

Auch die Infrastruktur ist schlecht. Während es in Großbritannien und den Niederlanden klare Leitlinien gibt, welche Frau zuhause gebären kann und welche in einer Klinik entbunden werden sollte, ist die Hausgeburt in weiten Teilen der USA nicht reguliert. Selbst in Oregon, das neben Vermont den höchsten Anteil der Hausgeburten hat, müssen Hebammen erst seit 2015 eine Lizenz vorweisen.

Die Auswertung aller Geburten des Staates aus den Jahren 2012 und 2013, die Jonathan Snowden von der Oregon Health & Science University durchgeführt hat, ließ deshalb nicht unbedingt ein günstiges Ergebnis erwarten. Tatsächlich kommt der Epidemiologe zu dem Ergebnis, dass es nach einer geplanten Geburt außerhalb der Klinik (Hausgeburt oder Geburtszentrum) 2,43-fach häufiger zu perinatalen Todesfällen (Totgeburt oder Tod in den ersten sieben Tagen) kommt.

Die absolute Rate (3,9 versus 1,8 auf 1000 Geburten) war zwar gering, der Unterschied war jedoch signifikant. Die Kinder hatten nach einer geplanten Hausgeburt auch öfter einen niedrigen Apgar-Wert und es kam häufiger zu neonatalen Krampfanfällen. Schließlich benötigten die Mütter häufiger Bluttransfusionen, um einen Blutverlust auszugleichen.

Die US-Gynäkologen können sich jetzt fragen, warum die Ergebnisse bei Hausgeburten schlechter sind als in Europa. Eine Studie aus Großbritannien war jüngst zu dem Ergebnis gekommen, dass die perinatale Mortalität nach einer Hausgeburt nicht höher ist als nach einer Klinikentbindung (BMJ 2011; 343: d7400), in den Niederlanden war sie sogar geringer (BMJ 2013; 346: f3263).  Snowden kann diese Fragen nicht beant­worten, da die ausgewerteten Geburtsregister kaum Hinweise auf die Schwanger­schafts­risiken enthalten. Interessant ist jedoch, dass die perinatale Mortalität erst erhöht war, als Snowden die geplanten Orte der Geburt verglich.

Bei den tatsächlichen Hausgeburten war die Zahl der neonatalen Todesfälle nicht erhöht. Die Komplikationen traten offenbar überwiegend auf, wenn eine geplante Hausgeburt abgebrochen und die Mutter zur Entbindung in eine Klinik transportiert wurde. Eine nähere Analyse der Kriterien und der Logistik dieser Transfers könnte möglicherweise Erkenntnisse vermitteln, wie Hausgeburten in den USA sicherer gestaltet werden könnten.

Der Vorteil für die Frauen könnte darin bestehen, dass bei einer Hausgeburt häufiger auf assistierte Geburten verzichtet werden kann. Der Anteil der Schnittentbindungen lag bei den geplanten Hausgeburten mit 5,3 Prozent deutlich niedriger als bei den geplanten Klinikentbindungen, die zu 24,7 Prozent operativ erfolgten. © rme/aerzteblatt.de

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