Medizin

Hautkrebspatienten profitieren von Kombinationstherapie

Dienstag, 5. Januar 2016

Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat der Kombinationstherapie mit Dabrafenib/Trametinib bei fortgeschrittenem Melanom mit BRAF-V600-Mutation einen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichs­therapie Vemurafenib bescheinigt. Laut der Dossierbewertung ist für die Trametinib-Monotherapie mangels geeigneter Studiendaten kein Zusatznutzen belegt. Bei der Kombinationstherapie gibt es laut dem IQWiG dagegen einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen für Frauen und auf einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen für Männer.

Dabrafenib (Handelsname Tafinlar) ist seit 2013 zur Behandlung von fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs zugelassen, und zwar bei Erwachsenen mit metastasiertem oder nicht mehr operablem Melanom mit einer BRAF-V600-Mutation. Seit September 2015 ist Dabrafenib für diese Indikation auch in Kombination mit Trametinib (Handelsname Mekinist) zugelassen, das bereits seit Juni 2014 als Monotherapie eingesetzt werden darf.

Anzeige

Bei ungefähr der Hälfte aller Melanome ist das Gen für das Enzym BRAF mutiert, das zum sogenannten MAP-Kinase-Signalweg gehört und in seiner veränderten Form zu einer übermäßigen Zellvermehrung beiträgt. Neue Wirkstoffe wie Dabrafenib oder Vemurafenib hemmen die Aktivität der mutierten Kinase BRAF. Allerdings bilden viele Melanome nach einiger Zeit Resistenzen aus: Sie umgehen die Bremse im MAP-Kinase-Weg. Dieses Risiko soll durch den Einsatz eines zweiten Inhibitors verringert werden, der an einer anderen Stelle ansetzt: Trametinib hemmt ein Enzym namens MEK, das BRAF im Signalweg nachgeschaltet ist.

Der primäre Endpunkt der vom IQWiG ausgewerteten Studie war das Gesamtüberleben, das im Dabrafenib/Trametinib-Arm signifikant länger ausfiel – allerdings mit einer Effektmodifikation durch das Geschlecht der Teilnehmer: Für Frauen ergibt sich ein Hinweis auf einen Zusatznutzen, bei Männern ist ein Zusatznutzen beim Gesamtüberleben dagegen nicht belegt.

Für die Endpunkte Schmerzen, Schlaflosigkeit, Appetitverlust und Diarrhö zeigte sich für die Zeit bis zur Verschlechterung jeweils ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen der Kombination. Auch bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und bei einer Reihe spezifischer unerwünschter Ereignisse ergibt sich jeweils ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen. Zu diesen Endpunkten fehlen im Dossier des Herstellers jedoch geeignete Subgruppenanalysen, aus denen hervorgeht, ob die Ergebnisse je nach Geschlecht unterschiedlich ausfallen. Es bleibt damit unklar, ob womöglich auch für diese Endpunkte Vorteile nur für Frauen oder nur für Männer bestehen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

21.11.16
Kaum Studien zur optischen Kohärenztomographie bei Makuladegeneration
Köln – Bislang ist unklar, ob Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration oder einem diabetischen Makulaödem von einer optischen Kohärenztomographie (OCT) zur Therapiesteuerung profitieren. Das......
17.11.16
Köln – Bestimmte Lungenkrebs-Patienten profitieren von einer Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper Pembrolizumab (Handelsname Keytruda). Das berichtet das Institut für Qualität und......
16.11.16
Brustkrebs: IQWiG findet Vorteile von Aromatasehemmern
Köln – Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium profitieren von einer Therapie mit Wirkstoffen aus der Klasse der Aromatasehemmer. Das ist das Ergebnis eines Abschlussberichtes, den das Institut für......
15.11.16
Köln – Die Hornhautvernetzung bietet Patienten mit einem Keratokonus einen Vorteil gegenüber einer rein symptomatischen Therapie. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und......
14.11.16
Extrakorporaler Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz besser als Placebo
Köln – Die extrakorporale Stoßwellentherapie ist bei Reizung und Entzündung der plantaren Sehnenplatte am Fersenbein besser als Placebo. Ob die Stoßwellentherapie aber im Vergleich zu anderen......
11.11.16
Berlin – Die freie Preisbildung für ein Arzneimittel im ersten Jahr der Markteinführung soll künftig nur bis zum Erreichen eines Schwellenwerts von 250 Millionen Euro gelten. Danach gilt der zwischen......
10.11.16
Berlin – Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) hat davor gewarnt, die Bewertung neuer Arzneimittel im Rahmen der frühen Nutzenbewertung nach dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige