Ärzteschaft

Klinikstress treibt junge Ärztinnen aus dem Beruf

Mittwoch, 6. Januar 2016

Berlin – Stress und Zeitdruck in den Krankenhäusern haben ein Maß erreicht, dass junge Ärztinnen zunehmend den Beruf verleidet. Das berichtet der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) mit Hinweis auf eine Umfrage des Marburger Bundes (MB). Danach erwägen 47 Prozent der Klinikärztinnen in Bayern, ihre aktuelle Tätigkeit aufzugeben. 59 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte fühlen sich psychisch belastet und 70 Prozent sagen, dass die Gestaltung der Arbeitszeiten ihre Gesundheit beeinträchtigt.

91 Prozent wünschen sich eine Wochenarbeitszeit bis 49 Stunden. Laut Umfrage arbeiten die meisten aber deutlich mehr. 64 Prozent sagen, sie hätten nicht genügend Zeit für Patienten, weil sie mehr als eine Stunde täglich mit Verwaltungstätigkeiten verbringen. Über ein Drittel gibt an, dafür sogar zwei bis drei Stunden und länger zu brauchen. Die Umfrage bestätige auch, dass Mütter sich stärker unter Druck sehen als Ärztinnen ohne Kinder, Klinikerinnen stärker als Niedergelassene.

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„Es braucht mehr Personal bei Ärzten und Pflege, um endlich humanere Arbeitszeiten und flexible Arbeitszeitmodelle für eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen und berufliche Karrierehemmnisse zu beseitigen“, sagte Barbara Schmeiser, Assistenzärztin der Neurochirurgie in Freiburg und DÄB-Vizepräsidentin.

Erst kürzlich hatte der DÄB darauf hingewiesen, dass Ärztinnen in Deutschland im Durchschnitt immer noch weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Bei der überfälligen Gleichstellung gehe es aber nicht nur um das Gehalt, sondern vor allem um ungleiche berufliche Chancen: In Krankenhäusern stellten Frauen bei den Geringerverdienenden die Mehrheit und seien unter den Besserverdienenden kaum vertreten. In den Praxen liegen Ärztinnen laut dem DÄB bei den Erlösen durch gesetzlich Versicherte ebenfalls klar hinter männlichen Ärzten. © hil/aerzteblatt.de

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