Medizin

Computerspielsucht könnte Hyperkonnektivität des Gehirns fördern

Mittwoch, 6. Januar 2016

Seoul – Das exzessive Spielen von Computerspielen könnte die sogenannte neuronale Konnektivität des Gehirns maßgeblich verstärken. Das dies nicht nur von Vorteil ist, berichten Wissenschaftler der University of Utah und der Chung-Ang University in Südkorea in einer Studie, die sie unter Leitautor Doug Hyun Han in Addiction Biology veröffentlichten (doi:10.1111/adb.12347).

Computerspielsüchte sind im Gegensatz zu Süchten nach Glücksspielen oder Subs­tanzen eine relativ neue Erscheinung. Seitdem Computerspiele im weit überwiegenden Fall online und somit im Verbund mit anderen Spielern gespielt werden, erlangt das Problem jedoch zunehmende Bedeutung. Die soziale Komponente und ein stetiges Belohnungssystem in den Spielen haben eine wichtige Rolle in der Suchtentwicklung.

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In schweren Fällen werden von süchtigen Spielern nicht nur reale soziale und berufliche Verpflichtungen vernachlässigt, sondern es kann auch zur völligen Verwahrlosung kommen. Am häufigsten findet sich dieses suchtartige Verhalten bei jungen Spielern in Asien. In Südkorea könnten laut einer Regierungsstudie rund 2,4 Prozent der Neun- bis 39-Jährigen an der Störung leiden, sowie weitere 10,2 Prozent ein problematisches Spielverhalten zeigen.

Exzessives „Internet Gaming“ ist weder im DSM-V, noch laut ICD-10 eine offizielle Erkrankung. Sie wird jedoch als Störung beschrieben, die weiterer Erforschung bedarf.

Die Forscher untersuchten mit Hilfe von MRT-Aufnahmen die Gehirne von 78 exzessiven Spielern. Als Vergleichsgruppe dienten 72 Probanden, unter denen sich psychiatrisch Gesunde und Patienten mit einer schweren Depression oder ADHS befanden.

Im Gegensatz zu den Kontrollpersonen zeigten die süchtigen Spieler in sieben unterschiedlichen Regionen eine neuronale Hyperkonnektivität, also eine verstärkte Verbindung zwischen den Hirnregionen. Dies betraf Hirnregionen, die Teil des sogenannten „Salienz-Netzwerks“ sind. Dieses Netzwerk ist für die Aufmerksamkeit und die Erfassung von akustischen und visuellen Stimuli zuständig. Es hilft, wichtige von unwichtigen Reizen zu trennen und so beispielsweise Gefahren schneller zu erfassen. Bei den Spielern waren verstärkte Verbindungen des visuellen, auditorischen und des cingulären Kortex nachweisbar.

Als möglicherweise nachteilig zeigte sich jedoch eine Hyperkonnektivität zwischen dem dorsolateralen präfrontalen Kortex und dem temporoparietalen Übergang. Die Forscher berichten, dass ein verstärktes Bindungsmuster hier zu einer stärkeren Ablenkbarkeit führen kann. Dies könnte die möglichen Vorteile der geschärften Wahrnehmung aufheben.

Die Forscher gehen davon aus, dass das Spielverhalten ein plausibler Auslöser für die beobachteten Veränderungen des Gehirns sein kann. Ob dies jedoch tatsächlich der Fall ist, oder ob die Hyperkonnektivität bereits vorher besteht und nur ein Risikofaktor für die Spielsucht ist, sei im Rahmen der Studie nicht zu beantworten. 

© rme/aerzteblatt.de

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