Medizin

Magenbypass: Häufige Komplikationen bei zufriedenen Patienten

Mittwoch, 6. Januar 2016

Aarhus. Ein Roux-en-Y-Magenbypass kann das Körpergewicht drastisch senken. Die meisten Patienten waren in einer Umfrage in JAMA Surgery (2016; doi: 10.1001/jamasurg.2015.5110) auch Jahre nach der Operation mit dem Ergebnis zufrieden. Viele litten jedoch unter Beschwerden und nicht wenige mussten aufgrund von Komplikationen erneut hospitalisiert werden.

Nach der Anlage eines Roux-en-Y-Magenbypass wird der Speisebrei über einen stark verkleinerten Magen unter Umgehung des Duodenums direkt in eine Dünndarmschlinge geleitet. Die Verdauungssekrete aus der Bauchspeicheldrüse werden erst nach einer Strecke von 100 bis 150 Zentimetern zugeführt. Dies verkürzt die für die Resorption zu Verfügung stehende Schleimhautfläche des Dünndarms. Gleichzeitig zwingt der verkleinerte Magen die Patienten zu kleineren Portionen. Der Effekt ist ein anhaltender starker Rückgang des Körpergewichts.

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In Zentraldänemark unterzogen sich in den Jahren 2006 bis 2011 insgesamt 2.238 stark adipöse Patienten diesem Eingriff. Sigrid Bjerge Gribsholt von der Universitätsklinik Aarhus hat ihnen später einen Fragebogen zugeschickt, den zwei Drittel ausgefüllt haben. 

Das Körpergewicht der Patienten war im Mittel 4,7 Jahre nach der Operation noch immer um ein Drittel niedriger als vor der Operation und 87 Prozent der Patienten meinten, dass es ihnen heute besser gehe als vor der Operation. Nur bei 8,1 Prozent der Patienten hatte sich der Gesundheitszustand subjektiv verschlechtert.

Die weiteren Antworten zeigten, dass die Patienten keineswegs gesund sind: 89 Prozent klagten über ein oder mehrere Symptome. Am häufigsten waren Abschlagenheit, Bauchschmerzen und ein Dumping-Syndrom. Die Symptome lassen sich als direkte Folge der Operation deuten. Infolge des verkleinerten Magens kommt es zu einer Sturzentleerung (Dumping) in den Dünndarm, dessen Reizung Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Krämpfe, Durchfall, Schwindel und Müdigkeit auslöst. 

Die Abgeschlagenheit kann auch Folge einer Anämie sein, über die 40 Prozent der Patienten berichteten. Zu ihr kommt es infolge eines Mangels an Eisen, Folsäure oder Vitamin B12, die nach der Operation nicht mehr in ausreichender Menge resorbiert werden und teilweise substituiert werden müssen. Weitere Spätfolgen der Operation sind Nierensteine, die bei 21 Prozent der Patienten und Gallensteine, die bei 31 Prozent der Patienten in den ersten Jahren nach der Operation auftraten. Bei 38 Prozent kam es auch zu Blutzuckerabfällen.

Aufgrund der zahlreichen Beschwerden hatten 68 Prozent der Patienten einen Arzt aufgesucht (doppelt so viele wie in einer Kontrollgruppe von Patienten, die nicht operiert wurden). Immerhin 29 Prozent der Patienten berichteten über wenigstens einen Krankenhausaufenthalt (7 Prozent in der Kontrollgruppe).

Auch wenn die Mehrzahl der Patienten mit dem Ergebnis der Operation zufrieden war, leidet die Lebensqualität der Patienten unter den Beschweren und den häufigen Arztbesuchen, berichtet Gribsholt. Sie hält die Roux-en-Y-Operation trotz der zuverlässigen Gewichtsreduktion deshalb nicht für die beste Wahl. © rme/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Freitag, 12. Februar 2016, 23:23

Sigrid Bjerge Gribsholt irrt, es ist der beste, weil erfolgreichste Eingriff!

Die Analyse zeigt allerdings, dass eine gewisse Selektion erforderlich ist, die eine ausreichende compliance postoperative erwarten lässt. Jeder (alte) BII-Chirurg kennt kennt das "Dumping-syndrom", das leicht vermeidbar ist durch Verzicht auf Zucker und besonders leicht resorbierbare Nahrung (Milch). Das hat geradezu einen erzieherischen Effekt gegen Fehlernährung vieler Übergewichtiger. In der Regel haben sie das in ca. 3 Monaten gelernt und danach kein "Dumping" mehr.
Auf gewisse Mangelrisiken wie Kalzium, B12 und Eisen, sollte natürlich auch der nachbehandelnde Dr. achten.
Viel eindrucksvoller ist allerdings der regelmäßige Rückgang von Diabetes und Hypertonie durch diesen Eingriff, der seinesgleichen sucht und die Nachteile mehr als aufwiegt.
Dr.Bayerl
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