Politik

Krankenstand in Berlin und Brandenburg deutlich über dem Durchschnitt

Donnerstag, 7. Januar 2016

Berlin – In Berlin und Brandenburg sind die Arbeitnehmer häufiger krank als im gesam­ten Bundesgebiet. Das geht aus dem dritten länderübergreifenden Gesund­heitsbericht Berlin-Brandenburg hervor, der gestern in Berlin vorgestellt wurde. Für den Bericht wurden die Daten von 80 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten GKV-Versicherten in Berlin und Brandenburg aus den Jahren 2012 und 2013 ausge­wertet.

„Der Krankenstand pendelt sich in Berlin und Brandenburg bei etwa 4,9 Prozent ein“, sagte Kai Uwe Bindseil, Manager des „Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Branden­burg – Health Capital“, das den Bericht in Auftrag gegeben hat. „Damit liegt er um einen Prozentpunkt höher als im Bundesdurchschnitt.“ In Brandenburg sei er mit 5,3 Prozent im Jahr 2013 dabei noch einmal höher als in Berlin, wo er 2013 bei 4,7 Prozent lag. Am gesündesten seien die Menschen in Friedrichshain-Kreuzberg.

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Mehr kranke Arbeitnehmer wegen stressiger Großstadt?
„Warum der Krankenstand in Berlin und Brandenburg noch immer über dem Bundesdurchschnitt liegt, bedarf weiterer Aufklärung“, meinte die Staatssekretärin der Senatsverwaltung für Gesundheit des Landes Berlin, Emine Demirbüken-Wegner. „Es könnte damit zusammenhängen, dass das Leben in der Großstadt stressiger ist und die Arbeitsbedingungen schlechter als in kleinen Kommunen.“ Trotz eines Ausbaus der Kitaplätze sowie weiterer Maßnahmen seien vor allem Frauen stark betroffen. „Wir müssen uns fragen, ob die Freistellungstage für Kinder nicht ausreichen und ob die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch nicht auf dem Stand ist, der nötig wäre, um die Belastungen für Frauen zu minimieren“, so die Staatssekretärin.

Bindseil betonte, dass die Fehlzeiten in höherem Alter signifikant länger ausfielen als bei jüngeren Arbeitnehmern. Mit zunehmendem Alter spielten schwerwiegendere Erkran­kungen, die mit längeren Fehlzeiten einhergehen oder gar einen frühzeitigen Austritt aus dem Arbeitsleben erzwingen, eine immer größere Rolle. Schon heute stelle die Altersgruppe der 45- bis 54-Jähringen die größte Gruppe der Arbeitnehmer in der Region. Durch den demografischen Wandel könnten Arbeitsausfälle zukünftig steigen.

Ärzte und Pflegekräfte sind häufig krank
„In Berlin ist der Krankenstand in der öffentlichen Verwaltung am höchsten: mit 7,4 Prozent, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen mit 5,6 Prozent“, fuhr Bindseil fort. „Gerade die Menschen, die uns gesund machen sollen, sind selber krank. Hier muss man über Verbesserungen nachdenken.“

Die vier wichtigsten Erkrankungsgruppen, die zu Fehltagen geführt haben, seien bundesweit identisch: Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, Krankheiten des Atmungssystems, Psychische und Verhaltensstörungen sowie Verletzungen und Vergiftungen.

„Mit Abstand die meisten Erwerbsminderungsrenten haben ihre Ursache in psychischen und Verhaltensstörungen“, erklärte Bindseil, „nämlich 42,3 Prozent aller entsprechenden Rentenzugängen in Berlin und 26,4 Prozent in Brandenburg.“

Knieps: Versorgung chronisch Kranker verbessern
„Eine psychotherapeutische Erstversorgung zu bekommen, ist in Deutschland schwierig, ebenso die Wartezeiten zu überbrücken bis zu einer kontinuierlichen Versorgung. Hier ist unser System mangelhaft“, kritisierte der Vorstand des BKK Dachverbandes, Frank Knieps. Und auch bei der Versorgung chronisch Kranker müsse Deutschland besser werden.

„Die OECD stellt Deutschland immer ein extrem gutes Zeugnis bei der Versorgung von Akutkrankheiten aus“, so Knieps. „Bei der Versorgung von chronisch kranken Menschen sieht es allerdings anders aus. Ein Schwerpunkt im Rahmen der Umsetzung des Präventionsgesetzes muss es also sein, einen stärkeren Fokus auf die chronischen Erkrankungen zu legen. Hier ist die Bundespolitik gefordert.“ © fos/aerzteblatt.de

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