Medizin

Übertragbares Resistenzgen gegen Reserveantibiotikum auch in Deutschland

Donnerstag, 7. Januar 2016

Berlin – Das übertragbare Gen mcr-1 ist auch in Darmbakterien von Nutztieren in Deutschland offenbar weit verbreitet. So berichtet es das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das Gen macht Bakterien gegen das Reserveantibiotikum Colistin resistent.

Colistin gehört zu den Polymyxinen, die Ende der 1950er Jahren entwickelt wurden, wegen ihrer Neuro- und Nephrotoxizität jedoch lange Zeit nicht beim Menschen ein­gesetzt wurden. Aber seit 2012 zählt die Weltgesundheitsorganisation Colistin wieder zu den unverzichtbaren Medikamenten in der Humanmedizin.

Anzeige

Laut einer Studie in Lancet Infectious Diseases (doi: 10.1016/S1473-3099(15)00424-7) vom November vergangenen Jahres befindet sich das Resistenzgen auf einem stabilen Plasmid, so dass unterschiedliche Bakterien-Spezies es austauschen können. Die Autoren führten das Vorkommen dieses Gens auf den häufigen Einsatz von Colistin in der chinesischen Tierhaltung zurück.

In Deutschland wird die Colistin-Resistenz laut dem BfR am häufigsten bei Escherichia coli von Mastgeflügel nachgewiesen. Die BfR-Analysen zeigen aber, dass der Anteil Colistin-resistenter Bakterien-Isolate von Nutztieren in den letzten Jahren in Deutschland nicht angestiegen ist. Inwieweit die nun nachgewiesene, aber seit Jahren bereits vorhandene, übertragbare Antibiotikaresistenz bei der Behandlung von Infektions­krankheiten des Menschen eine Rolle spielt, müssten jetzt Studien zeigen.

„Die aktuellen Ergebnisse bestätigen erneut, dass die Strategie eines verantwortlichen Einsatzes von Antibiotika weiter konsequent verfolgt werden muss“, betonte Andreas Hensel, Präsident des BfR. Im Sinne eines sogenannten One-Health-Ansatzes sollte dieser verantwortliche Umgang mit den Arzneimitteln für Menschen und Tiere gelten, so der BfR-Präsident. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

23.01.17
Berlin – Die großen Industrie- und Schwellenländer (G20) haben sich gestern bei einem Treffen in Berlin für weniger Antibiotika in Tierställen stark gemacht. Sie vereinbarten nach Angaben von......
20.01.17
Antibiotikare­sistenzen: Schwellenländer sind ein Problem
Berlin – Der Staatsminister im Bundeskanzleramt, Helge Braun, hat die internationale Zusammenarbeit beim Kampf gegen multiresistente Keime beschworen. „Es ist wichtig, dass wir in den G7-Staaten die......
16.01.17
Atlanta – Eine über 70 Jahre alte Frau, die sich in Indien nach einem Knochenbruch eine Infektion zuzog, ist nach ihrer Rückkehr in die USA in einer Klinik an einer Sepsis gestorben. In den......
03.01.17
Jena/Hannover – Die unkontrollierte Einfuhr von Fleisch kann die Verbreitung von antibiotikaresistenten Bakterien begünstigen und so eine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Das berichten......
19.12.16
Frankfurt am Main – Neue Engpässe bei Antibiotika hat die Landesärztekammer Hessen alarmiert. „Schlichtweg eine Katastrophe“ sei es, wenn Medikamente, die dringend zur Behandlung benötigt würden, für......
15.12.16
Wiederholt Lieferengpässe bei Antibiotika: Patientensicherheit ist in Gefahr
Lieferengpässe bei Arzneimitteln treten immer wieder auf und dauern teils Monate. /Tim Reckmann pixelio.de Köln/Berlin – Derzeit kommt es auf dem deutschen und internationalen Arzneimittelmarkt erneut......
08.12.16
Hessische Ärzte setzen Antibiotika zurückhaltender ein
Frankfurt am Main – Zunehmende Antibiotikaresistenzen bereiten den Ärzten in Hessen Sorge und verändern das Verschreibungsverhalten. Das zeigt eine Umfrage der Landesärztekammer und des „MRE-Netz......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige