Medizin

Vier Yoga-Übungen erhöhen Augeninnendruck

Freitag, 8. Januar 2016

New York – Der Augeninnendruck des Menschen steigt im Liegen und bei einer Tiefhaltung des Kopfes. Eine Untersuchung in PLOS ONE (2015; doi: 10.1371/journal.pone.0144505) hat dies jetzt für vier beliebte Yoga-Positionen nachgewiesen.

Anzeige

Yoga erfreut sich seit einigen Jahren steigender Beliebtheit. Die auf der indischen Philosophie beruhenden körperlichen Übungen und Atemtechniken gelten nicht als gesundheitsgefährdend, doch Menschen mit einem erhöhten Augeninnendruck (IOP) sollten vorsichtig sein, meint Robert Ritch von der New York Eye and Ear Infirmary of Mount Sinai.

Bereits jetzt werde Glaukom-Patienten empfohlen, bestimmte andere sportliche Tätigkeiten wie Klimmzüge oder Gewichtheben zu vermeiden, weil es bei ihnen zu einem deutlichen Anstieg des Augeninnendrucks kommt. Auch ein Kopfstand, eine beliebte Yoga-Position, gilt als bedenklich. Die Auswirkungen anderer Yoga-Positionen waren bisher nicht bekannt.

Die Forscher haben bei zehn gesunden Probanden und bei zehn Patienten mit Offenwinkelglaukom den Augeninnendruck vor, während und nach vier bestimmten Yoga-Positionen mehrfach gemessen. Der IOP-Wert war vor den Übungen in beiden Gruppen gleich (ein erhöhter IOP ist ein Risikofaktor für das Glaukom, nicht aber die Ursache).

Am stärksten waren die Ausschläge in der Position Adho Mukha Svanasana, die auch als herabschauender Hund bezeichnet wird. Der Yogi oder die Yogini stehen auf beiden Händen und Füßen, während bei gestreckten Armen und Beinen der Po möglichst weit nach oben gehoben wird. Der IOP stieg beim Glaukom-Patienten von 17 auf 28 mmHg und beim Gesunden von 17 auf 29 mmHg.

Der zweihöchste Anstieg wurde in der Position Uttanasana (Stehende Vorwärtsbeuge) gemessen. Yogi/Yogini stehen auf beiden Beinen und beugen sich nach vorne, während die Arme über dem hängenden Kopf verschränkt sind. Der IOP stieg bei den Glaukom-Patienten von 17 auf 27 mmHg und beim Gesunden von 18 auf 26 mmHg.

Bei der Position Halasana (Yoga-Pflug) liegen Yogi/Yogini auf dem Rücken. Dann werden die Beine nach oben gestreckt (während die Arme auf der Matte liegen bleiben). Anschließend sollen die Fußspitzen hinter dem Kopf die Matte berühren. Der IOP stieg bei Glaukom-Patienten von 18 auf 24 mmHg und beim Gesunden von 18 auf 22 mmHg. Die geringsten Ausschläge des IOP gab es in der Position Viparita Karani (Umkehrhaltung). Yogi/Yogini liegen auf dem Rücken und heben zuerst die Beine und dann den Unterkörper nach oben. Die Hände stützen dabei das Becken: Der IOP stieg bei Glaukom-Patienten von 17 auf 21 mmHg  und bei Gesunden von 17 auf 21 mmHg.

Die Anstiege des IOPs waren damit bei Gesunden und Glaukom-Patienten nahezu identisch. Nach dem Ende sank der IOP in beiden Gruppen auf den Ausgangswert. Dennoch sieht Ritch eine potenzielle Gefährdung für Glaukom-Patienten. Ein erhöhter IOP sei der wichtigste bekannte Risikofaktor für die Entstehung und das Fortschreiten der Nervenschäden am Auge, mahnt der Ophthalmologe. Ritch will und kann den Patienten die Freude am Yoga nicht nehmen, er rät ihnen aber, zusammen mit ihren Lehrern nach Übungen zu suchen, die geringe Auswirkungen auf den Augeninnendruck haben. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

25.08.16
Diabetes: Zahl der Sehstörungen und Erblindungen ist weltweit gestiegen
Cambridge - Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung schwere Sehstörungen entwickeln oder sogar erblinden, hat weltweit stark zugenommen. Dies zeigt eine Analyse der Global Burden......
18.08.16
Heimwerken kann ins Auge gehen
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) hat vor der Gefahr von Augenverletzungen beim Heimwerken gewarnt. So könnten etwa beim Hämmern und Schleifen kleinste Splitter......
17.08.16
Rostocker Gewebebank darf Augenhornhäute aufarbeiten
Rostock – Die vor einem Jahr gegründete gemeinnützige Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern hat die Erlaubnis zur Aufbereitung von Augenhornhäuten bekommen. Die entsprechende Genehmigung des Landesamts......
11.08.16
Retinitis pigmentosa: Computer-­Training verbessert Orientierungs­vermögen
Tübingen – Augenärzte haben ein computerbasiertes Training entwickelt, das die Wahrnehmung und das Orientierungsvermögen von Menschen mit der unheilbaren Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa......
01.08.16
Schon leichte Sehstörungen gefährden soziale Position
London – Nicht nur blinde Menschen haben Einschränkungen im Sozialleben. Eine Querschnittstudie in JAMA Ophthalmology (2016; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2016.1778) zeigt, dass auch Menschen mit......
15.07.16
Genderprobleme bei Hornhaut­transplantation
Liverpool – Hornhauttransplantationen gelingen häufiger, wenn Spender und Empfänger das gleiche Geschlecht haben. Eine Studie im American Journal of Transplantation (2016; doi: 10.1111/ajt.13926)......
14.07.16
US-Zulassung: Integrin-Antagonist lindert Sicca-Syndrom
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneibehörde FDA hat Augentropfen mit einem neuartigen Immunsuppressivum zugelassen, das die Entzündungsreaktion der Augen bei Menschen mit Sicca-Syndrom hemmt. Der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige