Medizin

Leukämie: Anti-Lympho­zyten-Globulin kann chronischer GvHD vorbeugen

Sonntag, 10. Januar 2016

Hamburg – Die Entwicklung einer chronischen Graft-versus-host-Krankheit (GvHD), eine gefürchtete Komplikation nach einer hämatopoetischen Stammzelltherapie der akuten Leukämie, kann häufig vermieden werden, wenn die Patienten vor der Stamm­zelltherapie im Rahmen der myeloablativen Konditionierung mit einem Anti-Lymphozyten-Globulin behandelt werden. Dies zeigen die Ergebnisse einer multizentrischen klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2016; 374:43-53).

Eine allogene hämatopoetische Stammzelltherapie gehört seit längerem zu den Therapieoptionen bei akuten (lymphatischen oder myeloischen) Leukämien, wo sie die Perspektive einer Heilung bieten. Vor der Stammzelltherapie werden nach Möglichkeit alle vom Tumor befallenen Lymphozyten und Knochenmarkzellen durch eine myeloablative Konditionierung beseitigt. Dies soll Rezidive verhindern und es schafft Raum für die neuen Stammzellen.

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Die neuen Stammzellen gelangen jedoch in eine für sie fremde Umgebung, die sie mit aller Macht angreifen. Es kommt zu einer „Spender-gegen-Wirt“ oder Graft-versus-host-Krankheit (GvHD). Akute Episoden lassen sich heute mit Immunsuppressiva gut behandeln, die chronische GvHD dagegen ist ein ungelöstes Problem. Sie ist heute die wichtigste Ursache für Krankheit und Tod nach allogener hämatopoetischer Stammzelltherapie. Das Problem hat sich in den letzten Jahren sogar noch verschärft, weil die Stammzellen beim Spender immer häufiger aus dem peripheren Blut und nicht mehr, wie früher üblich aus dem Knochenmark gewonnen werden. Die periphere Stammzellspende gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren der chronischen GvHD.  

Einer europäischen Forschergruppe ist jetzt ein wichtiger Fortschritt gelungen. Die Therapie, die das Team um Prof. Nicolaus Kröger, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), jetzt in einer randomisierten klinischen Studie an 168 Patienten aus vier Ländern untersucht hat, betrifft nicht wie frühere Versuche die Intensivierung der Immunsuppression, die die GvHD oft auf Kosten einer erhöhten Rezidivrate bekämpft.

Die Forscher haben vielmehr eine immunsupprimierende Komponente in die myeloablative Konditionierung einbezogen. Die Hälfte der Patienten erhielt zusätzlich zu den Zytostatika (und eventueller Bestrahlung) Anti-Lymphozyten-Globuline (ATG). Es handelt sich dabei um Antikörper gegen Immunzellen, die durch die Injektion von menschlichen T-Zellen in Kaninchen erzeugt werden. ATG wurde bisher vor allem zur Behandlung von akuten Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen eingesetzt. 

Dass die Vorbehandlung mit ATG auch eine quasi präventive Wirkung erzielt, ist neu. Die von Kröger vorgestellten Daten lassen jedoch keinen Zweifel an der Effektivität zu. Nach der Konditionierung plus ATG kam es in den ersten Monaten während einer medianen Nachbeobachtung von 24 Monaten nur bei 32,2 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 22,1 bis 46,7 Prozent) der Patienten zu einer chronischen GvHD. Nach einer Konditionierung ohne ATG betrug die Prävalenz 68,7 Prozent (58,4-80,7 Prozent). Die Behandlung erhöhte auch das Rezidiv-freie Überleben in den ersten zwei Jahren (59,4 versus 64,6 Prozent) und die Gesamtsterblichkeit (74,1 versus 77,9 Prozent).

Die Unterschiede waren in diesen beiden Endpunkten jedoch nicht signifikant, so dass ein Vorteil nicht als erwiesen gelten kann. Da es keine Hinweise gibt, dass die Therapie die Rate von Spätrezidiven fördert, dürfte die Behandlung als wichtiger Fortschritt gewertet werden. Für die Patienten ist sie durch die Vermeidung der GvHD auf jeden Fall mit einem Gewinn an Lebensqualität verbunden, wie Kröger ausführt. © rme/aerzteblatt.de

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