Medizin

Organtransplantierte sterben häufiger an Krebs

Sonntag, 10. Januar 2016

Toronto – Menschen mit Organtransplantationen sterben deutlich häufiger an Krebs als der Rest der Bevölkerung. Besonders häufig kommt es laut einer bevölkerungsbasierten Studie in JAMA Oncology (2016; doi:10.1001/jamaoncol.2015.5137) zu Krebserkrankungen mit einem infektiösen Hintergrund.

Das erhöhte Krebsrisiko von Organtransplantierten ist bekannt. Forscher führen es in erster Linie auf die lebenslange Immunsuppression zurück, die die körpereigene Abwehr gegen Krebserkrankungen herabsetzt. Außerdem erhöhen die Medikamente die Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern, die Krebs auslösen oder bei denen dies vermutet wird. Dass damit auch ein erhöhtes Krebssterberisiko einhergeht, war zu vermuten. Die jetzt von Nancy Baxter von der Universität Toronto ermittelten Daten fallen jedoch drastisch aus.

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Die Forscherin hat das Schicksal von 11.061 Bewohnern des Teilstaates Ontario recherchiert, die in den beiden Jahrzehnten zwischen 1991 und 2010 eine Organtransplantation erhalten haben. Von diesen sind bislang 3.068 gestorben, davon 603, also etwa jeder fünfte, an Krebs. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist dies eine standardisierte Mortalitätsrate (SMR) von 2,84 (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,61-3,07).

Organtransplantierte haben demnach ein fast dreifach erhöhtes Risiko an Krebs zu sterben. Unter den Todesfällen sind jedoch viele Menschen, die bereits vor der Organtransplantation an Krebs litten. In einigen Fällen, etwa bei einem hepatozellulären Karzinom ist der Krebs sogar der Grund für die Transplantation. Werden diese Fälle aus der Analyse herausgenommen, sinkt die SMR auf 1,93 (1,75-2,13). Damit ist das Risiko jedoch immer noch zweimal höher als in der Allgemeinbevölkerung.

Eine wichtige Ursache sind laut Baxter Infektionen mit krebsauslösenden Bakterien oder Viren. Die Liste dieser „Krebserreger“ ist lang. Zu ihnen gehören nicht nur humane Papillomaviren, die Krebserkrankungen am Gebärmutterhals, dem männlichen und weiblichen Genital, Anus, Mundhöhle und Rachen, Speiseröhre, Kehlkopf, Auge und möglicherweise auch nicht-melanotische Hautkrebse auslösen.

Helicobacter pylori ist für Magenkrebs verantwortlich, Hepatitis B und C Viren lösen das Leberzellkarzinom aus. Das Humane Herpesvirus 8 ist der Erreger des Kaposi Sarkoms und Morbus Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphom werden mit dem Epstein-Barr-Virus in Verbindung gebracht.

An diesen genannten Krebserkrankungen starben die Organtransplantierten 6,47-fach (5,76-7,25) häufiger als die Allgemeinbevölkerung. Nimmt man die Patienten hinzu, die an vorbestehenden Krebserkrankungen sterben, heraus, ist das Risiko immer noch um um den Faktor 3,74 (3,21-4,34) erhöht. © rme/aerzteblatt.de

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