Hochschulen

Medizinstudierende fordern grundlegende Reform des praktischen Jahres

Mittwoch, 13. Januar 2016

Berlin – Eine grundlegende Reform des letzten Jahres im Medizinstudium – des praktischen Jahres (PJ) fordern die Medizinstudierenden im Hartmannbund und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd).

Im letzten Abschnitt der ärztlichen Ausbildung sollen die Studierenden lernen, im Stationsalltag zurechtzukommen, praktische Fertigkeiten zu meistern und klinisches Denken einzuüben, um nach dem Examen gut vorbereitet an der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung mitzuwirken. Aus Sicht der Studierenden wird das PJ diesen Erwartungen derzeit nicht gerecht: Die überragende Mehrheit der Studierenden (83 Prozent) ist derart unzufrieden mit den Rahmenbedingungen des PJ, dass sie bereit wären, für eine Verbesserung der Arbeits- und Lernbedingungen im PJ zu protestieren.

Anzeige

Lehrzeiten kommen zu kurz
Das zeigt eine Umfrage von bvmd und Hartmannbund vom Herbst 2015. Insgesamt nahmen über 7.000 Studierende aus allen Fakultäten Deutschlands sowie bereits approbierte Ärzte an der Umfrage teil. Abgefragt wurden vor allem die Wünsche der Studierenden in Bezug auf die Arbeits- und Lernbedingungen sowie der Status Quo im PJ.

Die Kritik der Studierenden fokussiert auf drei Punkte: die Fehltageregelung, die Aufwandsentschädigung und Lehr- und Lernzeiten.

Die Regelung der Fehltage in der ärztlichen Approbationsordnung bestimmt aktuell 30 Fehltage im gesamten PJ und differenziert dabei nicht zwischen Urlaub und krankheitsbedingten Fehltagen. „Die geltende Regelung zwingt die Studierenden dazu, im Falle einer Krankheit entweder auf Erholungszeit zu verzichten oder erkrankt am Ausbildungsort zu erscheinen“, kritisieren den Studierenden. Krankheitsbedingtes Fernbleiben vom Ausbildungsplatz dürfe nicht auf das Fehltage-Kontingent angerechnet werden.

Aufwandsentschädigung zu niedrig
Thema Aufwandsentschädigung: Die ärztliche Approbationsordnung erlaubt hierfür die Zahlung einer Aufwandsentschädigung bis zum BAföG-Höchstsatz von derzeit 597 Euro monatlich, allerdings ist kein einheitlicher Mindestsatz festgelegt. Die Umfrage hat ergeben, dass Kliniken hier sehr unterschiedlich agieren: Ein Drittel der Umfrage-Teilnehmer hat angegeben, entweder keine Aufwandsentschädigung oder eine Entschädigung unter 400 Euro monatlich zu erhalten. Für angemessen halten jedoch knapp zwei Drittel der Befragten einen Betrag zwischen 500 und 900 Euro monatlich. Daher sprechen sich die bvmd und die Medizinstudierenden im Hartmannbund mit Nachdruck für die Einführung einer bundesweit einheitlichen Aufwandsentschädigung im PJ gemäß des BAföG-Höchstsatzes aus.

Die Studierenden kritisieren weiterhin, dass die Lehre im PJ oft zu kurz kommt. Insgesamt erhalten laut Umfrage 60 Prozent der Befragten zwei Stunden PJ-Unterricht oder weniger pro Woche. bvmd und die Medizinstudierenden im Hartmannbund fordern ein Mindestmaß an strukturiertem Unterricht im PJ von mindestens vier Stunden pro Woche. Den Studierenden sollte im PJ außerdem ein Fünftel der wöchentlichen Ausbildungszeit zum freien Eigenstudium zur Verfügung stehen.

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

2.573 News Hochschulen

Nachrichten zum Thema

28.06.16
Berlin – Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) setzt sich für das eLearning als eine wichtige Säule der modernen Hochschullehre ein. In einem neuen Positionspapier bezieht......
23.06.16
Hamburg – Der Ärztemangel schafft für junge Mediziner eine nahezu grenzenlose Auswahl an Arbeitsmöglichkeiten. Darauf hat Burkhard Göke, seit gut einem Jahr Ärztlicher Direktor des......
21.06.16
Rostock – Das Rudolf-Zenker-Institut für experimentelle Chirurgie der Universitätsmedizin Rostock richtet ein Trainingszentrum für Chirurgen und Pflegepersonal ein. Die Unimedizin möchte damit......
20.06.16
Düsseldorf – Im kommenden Wintersemester werden 60 Medizinstudierende erstmalig ihre klinische Ausbildung an fünf Kliniken in Ostwestfalen-Lippe (OWL) beginnen. Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW)......
31.05.16
Streit um Reform des Medizinstudiums
Berlin – Der Marburger Bund (MB) hat den jüngsten Vorstoß der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zur Reform des Medizinstudiums als „Mogelpackung erster Güte“......
30.05.16
Medizinischer Fakultätentag: Debatte um den Masterplan Medizinstudium 2020 spitzt sich zu
Würzburg – Mit Spannung sehen die Medizinischen Fakultäten dem angekündigten Masterplan Medizinstudium 2020 entgegen, über den in den nächsten Wochen eine politische Einigung erzielt werden soll. Die......
26.05.16
KV Westfalen-Lippe informiert an Hochschulen über die Niederlassung
Dortmund – Unter dem Motto „Nach der Theorie kommt die Praxis“ wendet sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe auch in diesem Jahr an die Medizinstudierenden in der Region. „Eine......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige