Politik

Staatliche Stelle für medizinisches Cannabis

Donnerstag, 14. Januar 2016

Berlin – Das Bundesgesundheitsministerium für Gesundheit (BMG) plant eine staatliche Stelle, die sich mit dem Aufkauf, der Inbesitznahme  und dem Weiterverkauf von in Deutschland geerntetem Cannabis befassen soll. Das geht aus dem Referentenentwurf zum „Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ hervor. Das Gesetz dient dazu, chronisch kranke Patienten nach ärztlicher Indikation mit Medizinalhanf (getrocknete Cannabisblüten, Cannabisextrakte) in kontrollierter pharmazeutischer Qualität versorgen zu können.

Derzeit besitzen 527 Patienten in Deutschland eine Ausnahmeerlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zum Bezug von Medizinalhanf, heißt es in dem Gesetzentwurf. 48 Kilogramm Cannabisblüten mussten allein in 2014 aus dem Ausland importiert werden, um die Versorgung der Betroffenen sicherzustellen; 2013 waren es 32 Kilogramm.

Anzeige

Kostenerstattung durch die GKV
Darüber hinaus sieht das Gesetz vor, dass Versicherte der Gesetzlichen Kranken­versicherung bei therapeutischer Notwendigkeit Medizinalhanf und Cannabis-Fertigarzneimittel (Dronabinol, Nabilon ) erstattet bekommen. Bisher müssen die betroffenen chronisch Kranken die Kosten von ­ je nach Tagesbedarf ­  bis zu 1.800 Euro monatlich für Medizinalhanf selbst tragen. Viele Betroffene nutzen die Ausnahme­erlaubnis des BfArM deshalb nicht und bauen Cannabis selbst an.

Vermutlich steigender Bedarf
Aufgrund dieser neuen Erstattungsmöglichkeit rechnet das BMG mit einem steigenden Bedarf an Medizinalhanf in Deutschland und einem entsprechend höheren Arbeits­aufwand für das BfArM. Die neu einzurichtende staatliche Stelle soll beim BfArM angesiedelt sein. Das BMG geht von fünf Mitarbeitern aus, die sich künftig unter anderem mit der „Ausschreibung des Bedarfs, der Kontrolle des Cannabisanbaus, der Organisation der Belieferungen von Großhändlern und Apotheken, der Einrichtung einer effektiven Verteilungsstruktur sowie der Verhinderung der Nutzung für unerlaubte Zwecke“ befassen sollen. © pb/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

14.11.16
Münster – Die Grünen wollen über den Bundesrat die Legalisierung von Cannabis durchsetzen. Die Delegierten des Bundesparteitags in Münster stimmten am späten Abend mit großer Mehrheit dafür, eine......
14.11.16
Cannabis unter Jugendlichen immer populärer
Frankfurt/Main – Alkohol und Zigaretten sind für Jugendliche weniger wichtig, Cannabis hingegen wird immer beliebter. Das geht aus der aktuellen Drogenstudie „MoSyD“ hervor, die heute in Frankfurt......
09.11.16
Berlin – Der geplante rot-rot-grüne Senat in Berlin will einen neuen Anlauf zum regulierten Verkauf sogenannter weicher Drogen starten. Das kündigten Vertreter von SPD, Linken und Grünen heute nach......
03.11.16
Eltern, Lehrer und Erzieher unterschätzen Risiken des Cannabiskonsums
Berlin – Vielen Menschen in Deutschland sind die Risiken des Cannabiskonsums offenbar nicht bewusst. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales.......
21.10.16
Shanghai – Chinesische und amerikanische Wissenschaftler haben die Struktur des Cannabinoid-Rezeptors 1 (CB1) entschlüsselt. Ihre in Cell (2016; doi: 10.1016/j.cell.2016.10.004) vorgestellten......
04.10.16
Multiple Sklerose: Erster Patient erhält Anbaugenehmigung für Cannabis
Rüthen – Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) hat am 28. September dem ersten Patienten eine Ausnahmeerlaubnis zum Eigenanbau seiner Cannabis-Medizin erteilt. Das berichtete die Internationale......
22.09.16
Sachverständige fordern Änderungen am Gesetzentwurf zu medizinischem Cannabis
Berlin – Grundsätzlich begrüßten die Sachverständigen den Gesetzentwurf, der eine reguläre Verordnung von cannabishaltigen Arzneimitteln, Cannabisblüten und -extrakten vorsieht. Das wurde bei der......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige