Medizin

Spätmortalität nach Krebserkrankungen im Kindesalter gesunken

Freitag, 15. Januar 2016

Memphis – Vier von fünf Kindern überleben heute eine Krebserkrankung um mindestens fünf Jahre. Auch die Überlebensrate in den Jahren 6 bis 15 ist nach der Analyse eines nordamerikanischen Krebsregisters im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1510795) gestiegen. Teilweise ist dies auf den Verzicht auf aggressive Therapien zurückführen.

Lange Zeit galt die 5-Jahres-Überlebensrate bei Krebserkrankungen von Kindern als entscheidender Qualitätsmaßstab. Mit der Zeit wurde allerdings klar, dass Chemo- und Radiotherapie Herz und Lunge auf Dauer schädigen und sekundäre Krebserkrankungen auslösen können.

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Seit einigen Jahren gehen die Bestrebungen dahin, die Therapie zurückzunehmen, um – natürlich ohne eine Schmälerung der Erfolgsrate – langfristig die Morbidität und Mortalität zu senken. Vor allem bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL), dem Morbus Hodgkin und dem Wilms-Tumor wurden Ausdehnung und Dosis der Strahlentherapie zurückgenommen oder bei der Chemotherapie auf Anthrazykline verzichtet.

Der Erfolg wird jetzt in einer Analyse der Childhood Cancer Survivor Study sichtbar, die Daten zu insgesamt 34.033 pädiatrischer Patienten gesammelt hat, die zwischen 1970 und 1999 in den USA und Kanada behandelt wurden und fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben waren. Wie Greg Armstrong vom St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis/Tennessee berichtet, betrug die 15-Jahres-Sterblichkeit der Überlebenden nach einer Behandlung in den Jahren 1970 bis 1974 noch 12,4 Prozent. Zwei Jahrzehnte später ist sie auf 6 Prozent gefallen.

Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Patienten, die an den Spätfolgen starben, von 3,5 Prozent auf 2,1 Prozent gesunken. Immer weniger Überlebende von Krebserkrankungen im Kindesalter sterben in der Folge an sekundären Krebserkrankungen, Lungen- oder Herzerkrankungen. Neben der Rücknahme der Therapie macht Armstrong dafür auch die intensivere Nachsorge verantwortlich. Überlebende von pädiatrischen Tumoren würden regelmäßig auf Folgeerkrankungen an Herz und Lunge und auf mögliche Krebserkrankungen hin untersucht.

Die größten Nutznießer waren Patienten mit ALL (Standardrisiko), Hodgkin-Lymphom oder Wilms-Tumor. Bei diesen Krebserkrankungen, auf die in den USA etwa 30 Prozent aller pädiatrischen Krebserkrankungen entfallen, liegen die Fünf-Jahres-Überlebens­raten bei 90 Prozent oder höher, obwohl heute schonendere Krebstherapien eingesetzt werden.

So ist der Anteil aller Überlebenden mit ALL, die eine Schädelbestrahlung erhalten haben, zwischen den 1970er und den 1990er Jahren von 85 auf 19 Prozent gesunken. Der Anteil der Patienten mit Wilms-Tumor, die eine abdominale Strahlentherapie erhielten, ist von 78 auf 43 Prozent zurückgegangen. Beim Morbus Hodgkin sank der Anteil, der eine Bestrahlung des Brustkorbs erhielt, von 87 auf 61 Prozent. Auch die durchschnittliche kumulative Anthrazyklin-Dosis ist bei den pädiatrischen Krebser­krankungen deutlich gesunken. © rme/aerzteblatt.de

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