Medizin

Smartphone-„App“ hilft bei der Vorhersage von Frühgeburten

Dienstag, 19. Januar 2016

London – Eine Verkürzung des Gebärmutterhalses und ein Anstieg des fetalen Fibronektin, zwei bekannte Risikofaktoren für Frühgeburten, bilden die Grundlage für eine Smartphone-„App“, die britische Gynäkologen entwickelt haben. Die wissen­schaftlichen Grundlagen publizierten sie in in zwei Studien in Ultrasound Obstetrics and Gynecology (2016; doi: 10.1002/uog.14865 und 10.1002/uog.14894).

Die Zervixlängenmessung ist heute eine Standarduntersuchung bei der transvaginalen Sonographie. Eine Verkürzung weist auf eine bevorstehende Geburt hin. Einen prädi­kativen Wert hat auch die Bestimmung des fetalen Fibronektin im Vaginalsekret. Beide Faktoren gehen in ein Prädiktions-Tool ein, das ein Team um Andrew Shennan vom King's College für zwei Szenarien entwickelt hat.

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Das erste Szenario betrifft eine asymoptomatische Schwangere mit einem von drei Risikofaktoren auf eine Frühgeburt. Bei den Frauen war es in einer früheren Schwanger­­schaft entweder zu einer spontanen Frühgeburt, einem vorzeitigen Blasensprung (vor der 37. Gestationswoche) oder einer Fehlgeburt (10. bis 23. Gestationswoche) gekommen.

Nach Bestätigung dieser anamnestischen Angaben müssen die Anwender nur noch die Zervixlänge (jeweils der kürzeste gemessene Wert) und die Konzentration des fetalen Fibronektin eingeben, um eine Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt innerhalb von 1, 2 oder 4 Wochen sowie vor der 30., 34. und 37. Gestationswoche zu erhalten.

Grundlage für die Risikoberechnung, die die App durchführt, sind Ergebnisse aus der laufenden EQUIPP-Studie (für Evaluation of Fetal Fibronectin with a Quantitative Instrument for the Prediction of Preterm Birth), an der 1.249 Frauen mit einer Risikoschwangerschaft teilnahmen. Wie heute üblich, wurde das Prädiktionstool zunächst in einer Trainings-Kohorte ermittelt und dann in einer Validierungs-Kohorte überprüft. 

Wie das Team um Andrew Shennan vom King's College London berichtet, erzielte das Prädiktionstool einen ROC-Wert zwischen 0,77 und 0,99. Die Receiver Operating Characteristic (ROC), die Sensitivität und Spezifität kombiniert, ist ein Maß für die Treffsicherheit eines Tests. Ein Wert von 0,5 entspricht dem puren Zufall (Münzwurf). Der maximale Wert ist 1,0. Ein Wert von 0,99 kommt diesem Wert ziemlich nahe. Er wurde in der Studie für die Vorhersagen einer Frühgeburt innerhalb der nächsten zwei Wochen ermittelt.

Das zweite Szenario betrifft symptomatische Frauen. Hier fragt die App zunächst, ob es in einer früheren Schwangerschaft zu einem vorzeitigen Blasensprung gekommen war oder die Geburt in der 34. Woche oder davor eintrat. Der einzige Risikofaktor in diesem Szenario ist das fetale Fibronektin. Eine Zervixlängenmessung ist nicht erforderlich. Die Vorhersagewahrscheinlichkeit ist deutlich geringer als im Szenario 1. Der ROC-Wert von 0,77 bis 0,88 gibt laut Shennan jedoch einen gewissen Anhaltspunkt für eine bevorstehende Frühgeburt. © rme/aerzteblatt.de

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