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Fachgesellschaft betont Bedeutung des erholsamen Schlafes

Mittwoch, 20. Januar 2016

Marburg – Der Stellenwert des erholsamen Schlafes wird gesellschaftlich nicht hinreichend erkannt. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) hin. „Deutschland benötigt eine neue Schlafkultur“ sagte der DGSM Experte Hans-Günter Weeß. Über 80 Prozent der Bundesbürger würden gern später aufstehen. Die gesellschaftlich festgelegten Zeiten für den frühen Arbeits- und Schulbeginn seien nicht in Übereinstimmung mit der inneren Uhr der meisten Menschen.

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Das beginne bereits in der Schule: Jugendliche kämen durch den auch im europäischen Vergleich sehr frühen Schulbeginn in Deutschland in ein chronisches Schlafdefizit. Die Folge seien Übermüdung und Lernschwierigkeiten. „Wenn die Schule nur eine Stunde später beginnen würde, dann würden die Schüler bessere Leistungen erbringen“, so Weeß. Aber auch Internet, Smartphones und PCs raubten insbesondere den Jugend­lichen den Schlaf und führten zu weiterer Übermüdung in Schule und Unterricht.

Laut der Fachgesellschaft schlafen ungefähr 20 Prozent der Manager, Führungskräfte und Politiker weniger als fünf Stunden, mehr als die Hälfte der Spitzenkräfte in unserem Land fühle sich chronisch übermüdet und treffe doch in diesem kritischen Zustand wichtige Entscheidungen für Unternehmen und Gesellschaft.

„Lange hat die Gesellschaft das Thema Schlaf verschlafen“, betonte Weeß. Sechs Prozent der Deutschen wiesen behandlungsbedürftige Ein- und Durchschlafstörungen auf. Diese hätten eine hohe Chronifizierungsneigung und könnten Herz-Kreislauf Erkrankungen, Diabetes und vor allem psychische Störungen, wie Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen begünstigen. Ungefähr eine Million Bundesbürger nähmen aus diesem Grunde regelhaft Schlafmittel ein.

„Die schlafmedizinische Versorgung in Deutschland wird dem breiten Spektrum schlafmedizinischer Erkrankungen derzeit bei weitem nicht gerecht“, kritisierte der Vorsitzende der Fachgesellschaft Alfred Wiater. Ein Grund dafür sei, dass in die Problematik der Schlafstörungen nahezu alle medizinischen Fachdisziplinen einbezogen werden müssten, unser Gesundheitssystem jedoch auf Interdisziplinarität wenig ausgerichtet sei. Dazu komme, dass schlafmedizinische Leistungen in den Gebührenordnungen nicht hinreichend abgebildet seien, so Wiater.

© hil/aerzteblatt.de

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L.A.
am Donnerstag, 21. Januar 2016, 14:58

Früher ins Bett gehen ! Die Nachtruhe wichtig nehmen !

Es ist typisch für unsre Zeit, dass wir abends keine Ruhe geben/ nicht zur Ruhe kommen, dass wir sozusagen die Nacht zum Tage machen. Nach unserer "inneren Uhr" sollten wir später aufstehen- das halte ich für ein pseudowissenschaftliches (aber gern gehörtes)Märchen. Wir sollten abends "abschalten" (auch Fernseher, Computer, Smartphone) und zur Ruhe kommen. Ich meine, Lärm-Geräusche-Reizüberflutung sind die größten Schädlinge für einen erholsamen Nachtschlaf.
P.S. Warum müssen Fußballspiele (im Fernsehen übertragen) um 20:45 anfangen ?! Dann ist klar, dass Schüler (und Lehrer) am nächsten Schultag übermüdet sind !? Warum fangen solche Spiele nicht um 18:00 oder 19:00 an ?!
scharfenstein
am Donnerstag, 21. Januar 2016, 11:54

Wirklich nur die innere Uhr?

Den Wunsch nach einer Verschiebung der sozialen Zeitgeber (späterer Schulbeginn) kann ich nicht ohne weiteres nachvollziehen. Die Befragungsergebnisse legen nicht dar, inwieweit sich die Befragten "ihrem" circadianen Rhythmus beim Zubettgehen, Genußmittel- und Bildschirmkonsum etc. angepaßt haben. Als Verhaltenstherapeutin habe ich bisher sehr gute Erfahrungen mit empirisch gesicherten Maßnahmen zur Schlafhygiene und der sog. Stimuluskontrolle u. ähnlichen VT-Interventionen gemacht, da hat auch das morgendliche Aufstehen zu den geforderten Zeiten keine Probleme mehr bereitet, weil der Nachtschlaf wieder ausreichend war. Die unsinnige "Sommerzeit"-Umstellung sollte dagegen mal überprüft werden.
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