Politik

Regierung will beim AMNOG nachjustieren

Dienstag, 19. Januar 2016

Berlin – Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich hat angekündigt, dass die Bundesregierung Regelungen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) nachjustieren will. „In den Jahren 2009 bis 2013 hat sich die Politik intensiv um den Arzneimittelbereich gekümmert“, sagte er am letzten Freitag auf dem Wissenschaft­lichen Symposium „Arzneimittelinnovationen“ der Gesellschaft für Recht und Politik im Gesundheitswesen in Berlin. „In dieser Legislaturperiode waren wir bislang eher zurückhaltend. Sie können aber sicher sein, dass das Thema nach Abschluss des Pharmadialogs in den Mittelpunkt rücken wird.“

Im Rahmen des Pharmadialogs sprechen Vertreter von Politik, Wissenschaft und Arzneimittelindustrie über aktuelle Themen aus diesem Bereich, wie Lieferengpässe und Antibiotikaresistenzen. Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag auf dieses Forum geeinigt, um den Pharmastandort Deutschland in den Bereichen Forschung, Entwick­lung und Produktion zu stärken, wie es im Koalitionsvertrag heißt.

Anzeige

Handlungsbedarf sieht Hennrich bei der Frage: „Wie können wir bei Arzneimitteln zur Behandlung chronischer Erkrankungen einen Zusatznutzen feststellen?“ Konkret gehe es dabei darum, in den Studiendesigns die richtigen patientenrelevanten Endpunkte festzulegen. „Ich weiß aber nicht, ob das ein Thema ist, das wir als Gesetzgeber regulieren können oder ob das zwischen dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und dem Institut für Qualität und  Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen geregelt werden muss“, so Hennrich.

Zudem denke die Regierung darüber nach, wie die „unglaubliche Entwicklung“ in der Onkologie auf Dauer finanziert werden könne. „Es stellt sich die Frage, ob wir die Versorgung mit solchen Arzneimittel wie bisher stattfinden lassen können, oder ob wir darüber nachdenken müssen, dass die Versorgung mit innovativen und komplexen Produkten in speziellen Zentren stattfindet“, sagte Hennrich.

Umfrage: Sind 6 Monate Lebenszeit 80.000 Euro wert? Start

Video

Umfrage: Sind 6 Monate Lebenszeit 80.000 Euro wert?

Ein weiteres Problem sei, dass die Bewertungen neuer Arzneimittel durch den Gemein­samen Bundesausschuss häufig gar nicht beim einzelnen Arzt ankämen. „Es wird uns vorgetragen, dass die Versorgung mit Innovationen teilweise durch regionale Verein­barungen von Ärzten und Krankenkassen verschlechtert wird“, sagte Hennrich. Hier überlege der Gesetzgeber derzeit, ob er darauf reagieren solle. Im Versorgungs­stärkungsgesetz „haben wir das Thema Wirtschaftlichkeit regionalisiert“, so der Arzneimittelexperte. Die Frage stelle sich nun, „ob wir das doch wieder zurückholen“.

In diesem Zusammenhang „werden wir uns auch mit der Frage auseinandersetzen, wie wir die Themen IT und Arzneimittelversorgung vernünftig zusammenbringen“. Hennrich sprach sich dafür aus, „dass die Praxissoftware dem Arzt künftig anzeigt, ob das neue Arzneimittel, das er verordnet, wirtschaftlich ist oder nicht.“

Darüber hinaus beschäftige sich die Politik auch damit, „wie wir eine Versorgungs­forschung organisieren können, die weitere Evidenz zu den neuen Arzneimitteln generiert“. Eine Möglichkeit könnten dabei Register sein. „Damit können wir Innovationen auch langfristig im System beobachten“, sagte Hennrich.

Arzneimittelpreise: Innovationen werden immer teurer

2014 kamen 46 Arzneimittelwirkstoffe neu auf den deutschen Markt – ein Rekord. Rekordverdächtig ist auch, dass bei acht Wirkstoffen eine Packung mehr als 10 000 Euro kostet. Der Trend zu immer höheren Preisen für neue Medikamente hält an. Hepatitis C – die Diagnose erhielt Petra Katschinski (46) Anfang der 1990er-Jahre.

Derzeit bildet der G-BA bei der Bewertung des Zusatznutzens in manchen Fällen Subpopulationen. Für die Behandlung von Patienten mit einem bestimmten Genotyp erhalten neue Arzneimittel dann einen Zusatznutzen, für die Behandlung anderer Patienten nicht. Der Preis des Arzneimittels ist über alle Gruppen hinweg derselbe. Der GKV-Spitzenverband kritisiert diese Regelung seit langem. Hennrich stellte nun die Frage, ob es gestaffelte Preise für die Behandlung einzelner Subgruppen geben solle.

Darüber hinaus sieht der CDU-Politiker im Arzneimittelbereich kaum Handlungsbedarf. Bei den Rabattverträgen bestehe ein solcher zum Beispiel nicht. Es gebe keinen Mehrwert, wenn die Politik in diesem Bereich noch nachreguliere.

„Bei den Festbeträgen werden wir noch einmal nachdenken, ob wir in dem einen oder anderen Punkt nachjustieren werden“, so Hennrich weiter. Dabei könne es um Arzneimittel gehen, die eine therapeutische Verbesserung bringen, ohne einen Zusatznutzen zu haben, zum Beispiel um Kinderarzneimittel oder Medikamente für ältere Menschen. Das sei aber nur ein kleiner Aspekt. 

© fos/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

17.08.16
Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat es als „sehr sinnvoll“ bezeichnet, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte besser über den Nutzen neuer Arzneimittel zu informieren. Eine......
16.08.16
Bundesärztekammer: Kritik und Lob für AMG-Reform
Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) haben die im Referentenentwurf für ein „Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung“ vorgesehene......
09.08.16
Arzneimittel­ausgaben steigen um rund vier Prozent
Frankfurt am Main – Im ersten Halbjahr 2016 sind die Ausgaben für Arzneimittel und Test-Diagnostika – ohne Impfstoffe – um rund 4,1 Prozent auf 18,3 Milliarden Euro gestiegen. Das berichtet der......
08.08.16
Debatte über Antibiotika­verordnung hält an
Berlin/Köln – Als Maßnahme gegen zunehmende Antibiotikaresistenzen will die Bundesregierung Ärzten diagnostische Verfahren besser vergüten. Dies ist Bestandteil eines geplanten Gesetzes zur......
02.08.16
Berlin – Eine Studie, die das British Medical Journal (BMJ) am 28. Juli veröffentlichte, belegt, dass der staatliche britische Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) den Zugang zu......
26.07.16
Berlin – Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland und die Verbände der Arzneimittelindustrie sind mit dem Referentenentwurf für ein „Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung“ wenig......
25.07.16
Arzneimittelgesetz: Erstattungsbetrag künftig vertraulich, freie Preisgestaltung wird eingeschränkt
Berlin – Die Erstattungspreise, die der GKV-Spitzenverband mit Pharmaunternehmen für Arzneimittel mit Zusatznutzen verhandelt, sollen künftig vertraulich sein. Das sieht der Referentenentwurf für ein......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige