Medizin

Obst könnte vor erektiler Dysfunktion schützen

Mittwoch, 20. Januar 2016

Boston – Der häufige Verzehr von flavonoidhaltigen Früchten könnte Männer im Alter vor einer erektilen Dysfunktion bewahren. Dies zeigt die Auswertung einer prospektiven Beobachtungsstudie im American Journal of Clinical Nutrition (2016; doi: 10.3945/ajcn.115.122010), in der die Kombination mit sportlicher Aktivität die Assoziation noch einmal verstärkte. 

Spätestens seit der Einführung von Sildenafil und anderen PDE-5-Hemmern gilt eine erektile Dysfunktion (ED) nicht mehr als eine schicksalhafte Alterserscheinung, die Männer klaglos ertragen müssen. Die ED wird mittlerweile als vaskuläre Störung betrachtet, für die die gleichen Risikofaktoren (Adipositas, Rauchen, Hypertonie) gelten wie für Herzinfarkt und Schlaganfall. Konsequenterweise wird nach Lebensstilfaktoren gesucht, die die Erkrankungshäufigkeit beeinflussen. Zu den vorbeugenden Faktoren gehört eine gesunde Ernährung, und nach den jetzt einer Gruppe um Eric Rimm von der Harvard Medical School vorgelegten Daten könnte die Zufuhr von Flavonoiden eine günstige Wirkung erzielen.

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Die Epidemiologen haben hierzu die Daten der Health Professionals Follow-Up Study ausgewertet. Sie begleitet eine Gruppe von 25.096 Männern aus nicht ärztlichen Gesundheitsberufen. Die Teilnehmer waren zu Beginn der Studie um die 60 Jahre alt und sie litten (noch) nicht unter Potenzstörungen. Zehn Jahre später berichtete ein Drittel der Teilnehmer über eine ED. Rimm setze die Erkrankung mit den Angaben zu der Ernährung in Beziehung, wobei sein Interesse vor allem den Flavonoiden galt, da diese in früheren Studien mit einer protektiven Wirkung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden.

Die Untersuchung ergab tatsächlich eine wenn auch vergleichsweise schwache protektive Assoziation mit dem Verzehr von Flavonoid-haltigen Nahrungsmitteln, die für drei Untergruppen signifikant war: Ein Verzehr im oberen Fünftel war für Flavone mit einem um 9 Prozent verminderten Risiko auf eine ED assoziiert (relatives RR 0,91; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,85-0,97). Flavanone senkten das Risiko um 11 Prozent (RR 0,89; 0,83-0,95) und Anthocyane um 9 Prozent (RR 0,91; 0,85-0,98). Die drei Flavonoide sind in Erdbeeren, Heidelbeeren, Rotwein, Äpfeln, Birnen und in Zitrusfrüchten enthalten. Da es sich zumeist um Obstsorten handelt, untersuchte Rimm auch den Einfluss des Obstverzehrs im Allgemeinen. Ergebnis: Das Fünftel mit dem höchsten Obstverzehr erkrankte zu 14 Prozent seltener an einer ED (RR 0,86; 0,79-0,92).

Wem dies nicht ausreicht, sollte laut Rimm den Verzehr von Flavonoid-haltigen Früchten mit Sport kombinieren. Das relative Risiko verminderte sich auf 0,79 (0,71-0,87), was einer Reduktion um 21 Prozent entspricht. Die protektive Wirkung war damit insgesamt begrenzt. Sie addiert sich allerdings zusätzlich mit einer protektiven Wirkung, die durch die Vermeidung anderer Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Diabetes auftritt. 

Bei allen prospektiven Beobachtungsstudien gilt die Einschränkung, dass sie eine Kausalität nicht zweifelsfrei belegen. Es bleibt die Möglichkeit, dass Männer mit einer gesunden Ernährungsweise aus anderen Gründen vor einer ED geschützt sind, die in der Studie nicht erkannt wurden. © hil/aerzteblatt.de

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j.g.
am Mittwoch, 20. Januar 2016, 23:24

Konjunktiv

Gäbe es keinen Konjunktiv, bräuchte das DEUTSCHE ÄRZTEBLATT sich um viel weniger nichtssagende Artikel zu kümmern, Niveau und Akzeptanz erhielten eine kräftige Aufwertung.
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