Medizin

Zikavirus: CDC empfiehlt Tests für Schwangere

Mittwoch, 20. Januar 2016

Atlanta – Nach einer Reisewarnung haben die US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) jetzt eine vorläufige Leitlinie für die Betreuung von Schwangeren veröffentlicht, die von Reisen in Regionen mit einer lokalen Verbreitung von Zikaviren zurückgekehrt sind (MMWR 2016; 65: 1-4).

Eine Häufung von Neugeborenen mit Mikrozephalie in Südamerika hat die CDC in den letzten Tagen verlasst, schwangeren Frauen dringend von Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen abzuraten. Eine ähnliche Empfehlung haben auch die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft und das Auswärtige Amt herausgegeben. Sollten Schwangere dennoch die betroffenen Regionen besuchen, sollten sie Stiche durch den Überträger Aedes aegypti vermeiden.

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Diese Moskitos sind (im Gegensatz zur Malariamücke) tagsüber aktiv und eine Übertragung ist dann auch in Innenräumen möglich. Neben den üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Repellentien und hautbedeckender Kleidung sollten die Frauen deshalb in klimatisierten und mückenfrei gehaltenen Räumen schlafen.

Wenn es auf der Reise oder in den ersten zwei Wochen nach der Rückkehr zu Krankheitszeichen wie einem akut einsetzenden Fieber, einem Hautausschlag (makulopapulöses Exanthem), Gelenkschmerzen oder einer nicht-eitrigen Konjunktivitis kommt, sollte der Schwangeren ein Test auf Zikaviren angeboten werden. In den ersten Tagen der Erkrankung können Blut oder Urin auf genetische Spuren des Erregers untersucht werden. Später ist ein Antikörpertest möglich. Hier kann es allerdings zu Kreuzreaktionen mit anderen Flaviviren wie den Erregern von Dengue der Gelbfieber kommen.

Dengue-Viren erzeugen dabei ein ähnliches Krankheitsbild wie Infektionen mit Zikaviren, es kommt allerdings (soweit bekannt) nicht zu Fehlbildungen des Kindes. In Deutschland bietet beispielsweise das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg eine umfassende Zikavirus-Diagnostik an. Das Robert Koch-Institut empfiehlt, immer auch eine Urinprobe für den Virusdirektnachweis einzuschicken.
 
Bei einem positiven Test raten die CDC zu vorgeburtlichen Ultraschalluntersuchungen, um nach einer Mikrozephalie oder nach intrakraniellen Verkalkungen zu suchen. Die Veränderungen werden erst ab dem zweiten Trimenon sichtbar. Die Infektion kann nach gegenwärtigem Kenntnisstand jedoch auch im ersten Trimenon auftreten. Frauen mit positivem Testergebnis kann eine Amniozentese zum genetischen Virusnachweis im Fruchtwasser angeboten werden, der ein sicheres Zeichen einer fetalen Infektion ist. Die CDC geben aber zu bedenken, dass die Untersuchung in seltenen Fällen (0,1 Prozent) zum Verlust der Schwangerschaft führen kann.

Da die Zuverlässigkeit der Zikavirus-Tests derzeit nicht genau bekannt ist, raten die CDC auch bei einem negativen Testergebnis zu einer Ultraschallvorsorge. Beim Nachweis von Mikrozephalie oder intrakraniellen Verkalkungen sollte eine Amniozentese durchgeführt werden. Eine Virusgenese gilt dann als gesichert, was den betroffenen Frauen die Option eines medizinisch induzierten Schwangerschaftsabbruchs eröffnen dürfte.

Die CDC schätzen, dass 80 Prozent aller Infektionen mit dem Zika-Virus asymp­tomatisch verlaufen. Die Konsequenz wäre eigentlich, auch diesen Schwangeren einen Test anzubieten, zumal es keine Hinweise gibt, dass eine Schädigung der Feten nur bei einer symptomatischen Erkrankung der Schwangeren auftreten kann. Die CDC raten, wie es heißt um Engpässe bei den Tests zu vermeiden, im ersten Schritt nur zu einer Ultraschalluntersuchung. Erst wenn es hier zu einem auffälligen Befund kommt, sollte ein Bluttest durchgeführt werden.

Laut dem jüngsten Situationsbericht der Pan American Health Organization (PAHO) hat sich das Zikavirus derzeit in folgenden Ländern ausgebreitet: Brasilien, Barbados, Kolumbien, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guyana, Guatemala, Guyana, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Paraguay, Puerto Rico, Saint Martin, Surinam und Venezuela. © rme/aerzteblatt.de

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