Medizin

Krebs: Studie vergleicht Krankenkosten in den letzten sechs Lebensmonaten

Freitag, 22. Januar 2016

Philadelphia - Der Anteil der Krebspatienten, die im Akutkrankenhaus sterben, ist in Deutschland im internationalen Vergleich recht hoch, was laut einer Untersuchung im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 315: 272-283) mit relativ hohen Kosten verbunden ist.

Die meisten Menschen geben in Umfragen an, dass sie zuhause sterben möchten. Dies ist auch aus medizinischer Sicht sinnvoll, da weitere Therapien im Endstadium vieler Erkrankungen oft ohne Nutzen für den Patienten sind. Dennoch kommt es in den letzten Monaten einer unheilbaren Krebserkrankung immer wieder zu Hospitalisierungen, wie eine Untersuchung des International Consortium for End-of-Life Research zeigt, das die Daten aus sieben reicheren Ländern in Nordamerika und Europa aus dem Jahr 2012 ausgewertet hat.

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Die Mehrheit aller Patienten wurde in den letzten 180 Tagen vor ihrem Tod noch einmal in einem Akutkrankenhaus behandelt, etwa ein Viertel erhielt noch einmal eine Chemo­therapie. Mit einer Hospitalisierungsrate von 73,8 Prozent und einem Anteil der Chemotherapie von 35,0 Prozent war die Situation in Deutschland relativ günstig. In Belgien wurden 89,3 Prozent der Patienten hospitalisiert und 41,0 Prozent erhielten noch eine Chemotherapie. Eine Besonderheit in den USA war, dass dort 40,3 Prozent der Patienten in den letzten 180 Tagen vor dem Tod auf einer Intensivstation behandelt wurden gegenüber weniger als 18 Prozent  in den anderen Ländern.

Selbst in den letzten 30 Tagen ihres Lebens erhielten noch zwischen 6,0 Prozent (USA) und 16,0 Prozent (Belgien) eine Chemotherapie. In Deutschland waren es nach den Abrechnungsdaten der Barmer Ersatzkasse immerhin 13,3 Prozent. Deutschland zählt mit 47,8 Prozent erneut zu den Ländern, in denen „relativ“ wenig Patienten in den letzten 30 Tagen noch einmal in einer Akutklinik behandelt werden. Nur in den Niederlanden waren es mit 43,7 Prozent weniger, während die USA mit 63,9 Prozent die Rangliste hier anführen.

Möglicherweise aufgrund der kurzen Behandlungszeiten konnten in den US-Kliniken die meisten Krebspatienten noch vor ihrem Tod entlassen werden. Nur 20,2 Prozent starben in der Klinik, in Deutschland waren es mit 45,0 Prozent mehr als doppelt so viele. In den Niederlanden lag der Anteil mit 29,5 Prozent relativ niedrig. Das Team um Ezekiel Emanuel von der Perelman School of Medicine in Philadelphia führt dies auf den relativ guten Ausbau der palliativen Versorgung in Hospizen zurück.

Die Behandlungskosten in den Krankenhäusern waren in England mit  9.342 US-Dollar im Zeitraum der letzten 180 Tage am niedrigsten. In der Rangliste folgten die Niederlande (10.936 US-Dollar), Belgien (15.699 US-Dollar), Deutschland (16.221 US-Dollar), die USA (18. 500 US-Dollar), Norwegen (19.783 US-Dollar) und Kanada (21.840 US-Dollar). © rme/aerzteblatt.de

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