Medizin

Atemwegsinfektionen: Bluttest könnte zeigen, ob Antibiotika wirken

Donnerstag, 21. Januar 2016

Durham/North Carolina – US-Forscher haben einen Bluttest entwickelt, der anhand einer Gensignatur von Abwehrzellen im Blut erkennt, ob eine Infektion von Viren oder Bakterien ausgelöst wird. Ein Prototyp ermöglicht laut einem Bericht in Science Translational Medicine (2016; 8: 322ra11) eine bessere Unterscheidung als der Procalcitonin-Test. Der Test könnte helfen, Antibiotika gezielter einzusetzen.

Das Immunsystem wehrt Viren und Bakterien auf unterschiedliche Weise ab. Virusinfektionen führen zur Bildung von Interferonen und zur Aktivierung von zytotoxischen T-Zellen. Bakterien werden mit B-Zellen und natürlichen Killerzellen bekämpft. Hinzu kommt eine Reihe von Unterschieden im Stoffwechsel der Zellen. Für diese Leistungen werden unterschiedliche Gene benötigt. Dies führt zu einer bestimmten Signatur auf der Ebene der Messenger-RNA, die heute mit sogenannten Mikroarrays gemessen werden kann.

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Um diese Gensignaturen zu finden, hat das Team um Geoffrey Ginsburg und Christopher Woods von der Duke University School of Medicine in Durham/North Carolina die Blutproben von 273 Notaufnahme-Patienten untersucht. Darunter waren 70 Patienten, bei denen später eine bakterielle Infektionen nachgewiesen wurde, 115 Patienten litten an viralen Infekten und bei 88 Patienten wurde eine nicht-infektiöse Ursache der Atemwegsbeschwerden gefunden.

Die Forscher fanden drei Signaturen, die sie als „Classifier“ bezeichnen: Bakterielle Infektionen wurden durch die Aktivierung von 71 Genen angezeigt, der virale „Classifier“ umfasste 33 Gene und 26 Gene zeigten eher an, das die Symptome nicht auf eine Infektion zurückzuführen sind. Der Bluttest konnte 238 der 273 Patienten richtig zuordnen. Die Treffsicherheit betrug damit 87 Prozent. Sie war größer als bei dem kommerziell erhältlichen Procalcitonin-Test, der 78 Prozent der Fälle richtig zuordnete, was ebenfalls ein gutes Ergebnis ist.

Eine echte klinische Überprüfung des Tests steht noch aus. Die Forscher führten lediglich eine „in silico“-Validierung durch, bei der die Gensignaturen aus den Daten früherer Untersuchungen am Computer erzeugt werden. Es bleibt deshalb abzuwarten, ob der Test eine klinische Prüfung bestehen würde. Ein Hemmnis könnte der zu erwartende hohe Preis sein, er hat bereits beim Procalcitonin-Test die breite Anwendung verhindert. © rme/aerzteblatt.de

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