Medizin

Darmkrebs: Neuer Biomarker zeigt Wirksamkeit der Chemotherapie an

Donnerstag, 21. Januar 2016


Palo Alto – Ein internationales Forschungsteam hat einen Biomarker gefunden, dessen Abwesenheit in Darmkrebszellen einen ungünstigen Verlauf der Erkrankung anzeigt. Diese Patienten könnten nach ersten Ergebnissen im New England Journal of Medicine (2016; 374: 211-222) bereits im Stadium II von einer adjuvanten Chemotherapie profitieren.

Patienten im Stadium II des Kolonkarzinoms erhalten derzeit keine Chemotherapie, obwohl 15 bis 20 Prozent von ihnen in den ersten fünf Jahren nach der vollständigen Entfernung des Tumors ein Rezidiv erleiden und dann in der Regel am Darmkrebs sterben.

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Der Nutzen der Chemotherapie, die im Stadium III des Kolonkarzinoms die Überle­benschancen erhöht, ist im Stadium II jedoch zu gering, um einen generellen Einsatz zu rechtfertigen. Es fehlt ein Biomarker, um – zunächst für klinische Studien – jene Patienten auswählen zu können, die am ehesten einen Nutzen von der Therapie haben.

Einen solchen Biomarker hat jetzt möglicherweise ein Team um Michael Clarke von der Stanford Universität in Palo Alto gefunden. Die Forscher hatten ihre Suche auf Gene konzentriert, die vor allem in Krebsstammzellen aktiviert sind. Dies sind besonders widerstandsfähige Krebszellen, aus denen sich ein Tumor nach einer Chemotherapie wieder erneuern kann. Ein hoher Anteil dieser Zellen in einem Tumor gilt deshalb als Zeichen für eine hohe Aggressivität des Krebsleidens.

Eigentlich hatten die Forscher nach Genen gesucht, die besonders häufig in Krebs­stammzellen gebildet werden. Den geeigneten Biomarker fanden sie dann jedoch in einem Gen, das in den Stammzellen in der Regel fehlt. Das CDX2-Gen ist ein Transkriptionsfaktor, also ein Steuergen, das die Aktivität anderer Gene beeinflusst. Das Gen wird während der embryonalen Entwicklung für die Entwicklung des Gastrointes­tinaltrakts benötigt. Wieso seine Abwesenheit die Aggressivität von Krebstumoren fördert, ist unklar. 

In etwa 4 Prozent aller untersuchten Gewebeproben wurde das Gen CDX2 nicht abgelesen. Diese Patienten mit CDX2-negativen Tumoren hatten eine niedrigere krankheitsfreie 5-Jahres-Überlebensrate als Patienten, deren Tumorzellen CDX2 exprimierten (48 versus 71 Prozent). Auch das 5-Jahres-Gesamtüberleben (33 versus 59 Prozent) und das krankheitspezifische 5-Jahres-Überleben (45 versus 72 Prozent) waren niedriger.

Die erhöhte Aggressivität der CDX2-negativen Tumoren ging gleichwohl mit einer erhöhten Ansprechrate auf eine adjuvante Chemotherapie einher, wie eine weitere Analyse von Patientendaten auf früheren randomisierten Studien zeigte: Das krankheitsfreie Überleben von Patienten mit CDX2-negativen Tumoren im Stadium II betrug nach einer adjuvante Chemotherapie 91 Prozent gegenüber 56 Prozent bei den Patienten, die keine Chemotherapie erhalten hatten. Auch im Stadium III war die Behandlung mit einer von 37 auf 74 Prozent gesteigerten 5-Jahres-Überlebensrate der Patienten mit CDX2-negativen Tumoren assoziiert.

Dieser Unterschied würde für eine adjuvante Chemotherapie bei Patienten mit CDX2-negativen Tumoren im Stadium II sprechen (im Stadium III sollten bereits jetzt alle Patienten eine Chemotherapie erhalten). Eine Therapieempfehlung kann aus der retrospektiven Studie allerdings nicht abgelesen werden. Der nächste Schritt ist die Durchführung einer prospektiven klinischen Studie an einer größeren Patientengruppe.  © rme/aerzteblatt.de

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