Medizin

Mehrere humane Papillomavirus-Typen können Kopf-Halstumore auslösen

Freitag, 22. Januar 2016

New York – Humane Papillomaviren (HPV) gehören zu den Verursachern von Krebser­krankungen in der Schleimhaut von Mund und Rachen. Eine prospektive Fall-Kontroll-Studie in JAMA Oncology (2016; doi:10.1001/jamaoncol.2015.5504) kann jetzt erstmals zeigen, dass die Infektion der Krebserkrankung vorausgeht. Neben dem alpha-HPV-Typ 16 kommen auch beta- und gamma-HPV-Typen als Auslöser infrage.

Dass eine steigende Zahl von Krebserkrankungen im Oropharynx auf Infektionen mit humanen Papillomaviren und hier vor allem auf den onkogenen Typ 16 assoziiert ist, der auch für die Mehrzahl der Zervixkarzinome verantwortlich ist, konnte in den letzten Jahren durch epidemiologische Studien gezeigt werden. Es fehlte nur noch der Nachweis, dass die Infektion tatsächlich der Krebserkrankung vorausgeht. Ilir Agalliu vom Albert Einstein College of Medicine in New York liefert diesen Teil der Beweiskette jetzt durch die Auswertung von zwei prospektiven Beobachtungsstudien nach.

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Sowohl in der Cancer Prevention Study II (Nutrition Cohort) der American Cancer Society als auch im Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial (PLCO) des National Cancer Instituts waren Teilnehmern Abstriche der Mundschleim­haut entnommen wurden. Von 96.650 Teilnehmern sind später 132 an dem insgesamt seltenen Oropharynx-Karzinom erkrankt. Bei 12 von ihnen wurde HPV-16 nach­gewiesen, sieben Mal mehr als in einer Kontrollgruppe, wo der Nachweis bei 7 von 395 Teilnehmern gelang.

In einer adjustierten Analyse, die Tabakrauchen und Alkohol, die beiden anderen zentralen Risikofaktoren von Mundbodenkarzinomen, berücksichtigte, stieg die Odds Ratio sogar auf 22,41 an. Aufgrund der geringen Fallzahl war das 95-Prozent-Konfidenzintervall zwar sehr weit (1,81-276,7). Die Assoziation war jedoch signifikant und eine Kausalität wird von Experten schon lange nicht mehr bezweifelt. Die Übertragung erfolgt wie beim Zervixkarzinom durch Sexualkontakte, und eine Veränderung der Gewohnheiten wird für den Anstieg der Krebserkrankungen im Oropharynx verantwortlich gemacht.

HPV-16, das zu den alpha-HPV gehört, ist jedoch nicht das einzige onkogene humane Papillomavirus. Agalliu beschreibt erstmals eine Assoziation mit beta- und gamma-HPV. Beta-HPV werden mit dem Plattenepithelkarzinom der Haut, dem Spinaliom, in Verbindung gebracht. Dieser Tumor wird durch UV-Strahlung induziert und durch eine Immunsuppression, etwa nach Organtransplantation, gefördert. Im Oropharynx könnte diese Rolle eines Kofaktors das Rauchen übernehmen, vermutet Dana Rollison vom Moffitt Cancer Center aus Tampa. Die Editorialistin sieht darin einen weiteren guten Grund, das Rauchen aufzugeben. © rme/aerzteblatt.de

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