Politik

Pilotprojekt Polypharmazie gestartet

Freitag, 22. Januar 2016

Potsdam – Die Arbeitsgemeinschaft „Innovative Gesundheitsversorgung in Brand­enburg“ (IGiB) hat zusammen mit dem Apothekerverband Brandenburg (AVB) ein Pilotprojekt zur Polypharmazie gestartet. Ziel ist es, die Arzneimitteltherapie sicherer zu machen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Den Initiatoren zufolge nimmt im Land Brandenburg etwa jeder dritte Patient gleichzeitig fünf und mehr Medikamente ein. Problematisch sei dabei, dass mit jedem zusätzlich eingenommenen Medikament das Risiko für das Auftreten von unerwünschten Arzneimittel­wirkungen steigt. Darüber hinaus gefährde die gleichzeitige Einnahme verschiedener Medikamente die Therapietreue und den Behandlungserfolg. Insbesondere ältere Patienten stehen laut IGiB und AVB vor der großen Herausforderung, ihre Medikation zu koordinieren.

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„Vor diesem Hintergrund haben wir in der IGiB zusammen mit dem AVB ein innovatives Versorgungskonzept entwickelt, das an das erfolgreiche agneszwei-Konzept anknüpft“, erläuterte IGiB-Geschäftsführer Lutz Freiberg. Dazu wählt der Arzt einen geeigneten Patienten aus. Die agneszwei-Fallmanagerin erfasst alle Medikamente schriftlich und übergibt diese Aufstellung einer teilnehmenden Apotheke.

Der Apotheker überprüft die gelisteten Medikamente auf mögliche Wechselwirkungen, Nebenwirkungen oder auch, ob sich Medikamente eventuell in ihrer Wirkungsweise gegenseitig aufheben. Der Arzt wird im Fachgespräch mit dem Apotheker auf mögliche Wechselwirkungen und Risiken hingewiesen. Im Ergebnis entscheidet der Arzt, eventuell nach Rücksprache mit seinen Fachkollegen, über die weitere Medikation und bespricht diese mit dem Patienten. „Der berufsübergreifende Blick auf die Gesamtmedikation des Patienten ist der richtige Weg, wenn es um Gesundheit und Verbesserung von Lebensqualität bei kranken Menschen geht“, verwies Tina Koch vom AVB-Vorstand.

Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen: „Der Patient gewinnt ganz klar“

Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern soll die Arzneimitteltherapie chronisch Kranker sicherer machen. Hausarzt Axel Stelzner und Apothekerin Anja Leistner aus dem sächsischen Lichtentanne sind überzeugt von dem Modell. Es ist ein trüber Dienstag im Herbst. Auf der Hauptstraße herrscht nur wenig Verkehr, es sind kaum Fußgänger unterwegs. 

Das Projekt Polypharmazie richtet sich an alle Patienten, die bei der AOK Nordost oder der BARMER GEK versichert sind und im Landkreis Oberspreewald-Lausitz wohnen. Weitere Voraussetzung sind die bestehende Betreuung durch eine agneszwei-Fachkraft sowie die dauerhafte Einnahme von mindestens fünf verschiedenen Medikamenten. Bei Erfolg des Projektes ist eine Ausweitung auf weitere Teile Brandenburgs geplant.

© hil/aerzteblatt.de

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