Medizin

Adipositas vor der Schwangerschaft erhöht Säuglings­sterblichkeit

Samstag, 23. Januar 2016

Boston - Die Kinder von Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft fettleibig waren, haben im ersten Lebensjahr ein erhöhtes Sterberisiko. Dies geht aus einer Studie aus den USA in Obstetrics & Gynecology (2016; doi: 10.1097/AOG.0000000000001241) hervor.

Ein Drittel aller US-Amerikanerinnen im gebärfähigen Alter ist fettleibig. Die Adipositas gefährdet nicht nur die Gesundheit der jungen Frauen. Im Fall einer Schwangerschaft steigen auch die Risiken für das Kind. Die Adipositas ist ein bekannter Risikofaktor für Präeklampsie und Gestationsdiabetes, und sie geht mit einer erhöhten Zahl von Frühgeburten einher. Dies führt zu einer erhöhten Neugeborenen- und Säuglings­sterblichkeit, wie Eugene Declercq von der Boston University School of Public Health jetzt durch eine Analyse der Geburten und Sterberegister aus 38 US-Staaten und dem Hauptstadt-Distrikt zeigt.

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Insgesamt starben 5,72 von 1.000 Kindern im ersten Lebensjahr. Bei einer Adipositas der Mutter vom Grad 1 (BMI 30 bis 35 kg/m2) stieg die Säuglingssterblichkeit auf 5,9 pro 1.000 Kinder und bei einer Adipositas vom Grad 3 (BMI 40 oder höher) waren es 8,2 Todesfälle pro 1.000 Kinder im ersten Lebensjahr. Declercq ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 1,32 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,27-1,37) für die Adipositas vom Grad 1 und von 1,73 (1,64-1,83) für die Adipositas vom Grad 3.

Die erhöhte Säuglingssterblichkeit hatte verschiedene Gründe. An Frühgeburten starben doppelt so viele Kinder, wenn die Mütter vor der Schwangerschaft bereits adipös waren. Auch die Todesfälle nach angeborenen Fehlbildungen und die plötzlichen Todesfälle aus ungeklärter Ursache im ersten Lebensjahr waren signifikant häufiger. 

Das Risiko ist im Prinzip bekannt und das US-Institut für Medizin (IOM) rät adipösen Frauen seit einigen Jahren, die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft auf 11 bis 20 Pfund zu begrenzen. Die jetzt von Declercq vorgestellten Daten zeigen, dass 60 bis 75 Prozent der Schwangern die Ziele des IOM nicht erreichen und selbst wenn sie sie erreichen, war ihre Adipositas noch immer mit einer erhöhten Säuglingssterblichkeit assoziiert.

Die Aussagekraft dieser Analyse dürfte aufgrund des retrospektiven Designs der Studie begrenzt sein. Weitere Erkenntnisse werden von der britischen randomisierten HELP-Studie erwartet, in der ein Teil der adipösen Schwangeren wöchentlich ein Gewicht-Management angeboten wurde.

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61099/Uebergewicht-in-Schwangerschaft-erhoeht-Saeuglingssterblichkeit|

DÄ-Meldung: Übergewicht in Schwan­gerschaft erhöht Säuglings­sterblichkeit © rme/aerzteblatt.de

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