Medizin

Unerklärliche Zunahme der Gastroschisis in den USA

Montag, 25. Januar 2016

Atlanta – In den USA ist es in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer deutlichen Zunahme der Gastroschisis, der häufigsten angeborenen Fehlbildung der vorderen Bauchwand, gekommen, für die Mitarbeiter der Centers for Disease Control and Prävention (CDC) im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2016; 65: 23-26) keine Erklärung haben.

Bei einer Gastroschisis kommt es zu einem Vorfall von Teilen des Darms durch eine mediane Bauchspalte. In seltenen Fällen sind auch andere Organe wie Magen und Leber einbezogen. Die Gastroschisis macht nach der Geburt eine Reponierung der Darmschlingen und einen sofortigen chirurgischen Verschluss der Bauchwand erforderlich. Es handelt sich um einen kinderchirurgischen Routineeingriff, der aber nicht verhindern kann, dass einige Kindern mit Gastroschisis später Probleme bei der Nahrungsaufnahme haben. Auch lebensbedrohliche Komplikationen sind möglich.

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Die US-Behörden beobachten seit einiger Zeit einen Anstieg der Gastroschisis, der alle Altersgruppen von Schwangeren jeglicher ethnischer Herkunft betrifft. Zwischen 1995 und 2005 ist es laut einer Analyse von Abbey Jones und Mitarbeitern der CDC zu einem jährlichen Anstieg um 4,5 Prozent gekommen, über die gesamte Zeitspanne war es eine Zunahme um 111 Prozent (nach einer sogenannten Joinpoint-Analyse, die nicht unbe­dingt der Summe der Einzelanstiege entspricht).

Besonders ausgeprägt war die Zunahme bei jüngeren Afroamerikanerinnen. In der Gruppe der unter 20-jährigen Afroamerikanerinnen stieg die Prävalenz jährlich um 7,9 Prozent oder im gesamten Zeitraum um 263 Prozent. Die Gastroschisis wurde in dieser Gruppe in der Vergangenheit sehr selten beobachtet und trotz des gewaltigen Anstiegs ist die Gastroschisis bei jungen afroamerikanischen Müttern seltener als bei jungen Weißen oder „Hispanics“.

Dennoch glaubt Jones nicht an einen Ermittlungsfehler („ascertainment bias“), der dadurch entstehen könnte, dass die Fehlbildung in der Vergangenheit häufiger übersehen wurde. Dies sei bei einer Gastroschisis, die chirurgisch versorgt werden muss, unwahrscheinlich. Auch eine Fehlklassifizierung als Omphalozele in der Vergangenheit komme kaum infrage, weil sich die Meldezahlen zu dieser Fehlbildung nicht verändert haben. 

Jones hält den Anstieg für echt und deshalb für erklärungsbedürftig. Da die befragten Register kaum Begleitinformationen außer Alter und Ethnie der Schwangeren liefern, müssen hierzu andere Datensätze befragt werden. Einziger bekannter Risikofaktor der Gastroschisis ist ein junges Alter der Schwangeren. Da die Zahl der Teenager­schwanger­schaften in den letzten Jahren eher zurückgegangen ist, kann das Alter der Schwangeren die Zunahme nicht erklären (bei der Analyse war das Alter bereits berücksichtigt worden).

Zur Diskussion stehen jetzt Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Ein niedriger sozioöko­nomischer Status, Fehlernährung und niedriger Body-Mass-Index, Rauchen, Drogen, Alkohol und Analgetika oder auch Infektionen des Genitaltraktes kommen laut einer früheren Untersuchung in Betracht. © rme/aerzteblatt.de

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